Kritik13. Mai 2020

Netflix-Kritik «The Wrong Missy»: Adam Sandler lässt grüssen

Netflix-Kritik «The Wrong Missy»: Adam Sandler lässt grüssen
© Netflix

In der neuen Netflix-Komödie von Adam Sandlers Produktionsfirma Happy Madison Productions will ein in der Liebe erfolgloser Geschäftsmann dank Blind Dates die Frau fürs Leben finden. Eine katastrophale Verwechslung zweier Dates macht den Betriebsausflug im Ferienresort jedoch zum Chaos-Trip par Excellence.

Filmkritik von Waldemar Witt

Tim Morris (David Spade) ist alleinstehend und sehnt sich seit seiner letzten geplatzten Beziehung nach einer neuen Partnerin. Um Mrs. Right zu finden, lässt sich Tim auf Blind Dates ein. Nach diversen Dates und einer Begegnung mit der skurrilen Missy (Lauren Lapkus) trifft Tim schlussendlich doch auf eine Frau – ebenfalls mit dem Namen Missy (Molly Sims) – , die genau die Richtige für ihn zu sein scheint.

Kurzerhand lädt er sie auf einen Betriebsausflug in ein Urlaubsresort ein. Doch statt seiner Traumfrau erscheint plötzlich „die falsche Missy“: Diejenige, die ihm einst sein Albtraum-Date bescherte. Nun muss sich Tim nicht nur mit Missys unangebrachtem Humor und unberechenbarem Charakter rumschlagen, sondern sie auch möglichst von seinen Kollegen und seinem Chef fernhalten. Doch Missys Eskapaden nehmen zunehmend Einfluss auf Tims Privatleben – zum Schlechten wie auch zum Guten.

© Netflix

«The Wrong Missy», das neueste Werk des Produktionsstudios Happy Madison Productions von Comedy-Schauspieler Adam Sandler, ist eine Komödie, bei dem der Zuschauer von den ersten Minuten an weiss, worauf er sich beim rund 90-minütigen Film einstellen muss. So ruht der Grossteil des Films und vor allem seine Comedy auf den Schultern von Schauspielerin Lauren Lapkus als kuriose Missy.

Bereits mit der sehr zum Punkt kommenden Intro-Szene sollte dem Zuschauer klar sein, mit welcher Art von Humor hier zu rechnen ist. So ist Missy übertrieben unberechenbar, aufdringlich, taktlos und laut und sorgt gerade dadurch für eine peinliche Szene nach der anderen.

«The Wrong Missy» fühlt sich wie eine Aneinanderreihung von möglichst obszönen Sketchen an.– Cineman-Kritiker Waldemar Witt

Clever humoristische Dialoge mit realitätsnahen Figuren sucht man in «The Wrong Missy» vergeblich. Stattdessen muss man sich eher auf einen Film der Machart einer Jim Carrey-Komödie aus den 90er-Jahren à la «Ace Ventura» einstellen. Während es Jim Carrey jedoch schaffte, seinen Figuren stets eine liebenswerte Ader inmitten des Wahnsinns zu verleihen, besitzt «The Wrong Missy» leider stets einen gewissen boshaften Unterton: Missy folgt Tim und seinen Kollegen während des chaotischen Betriebsausflugs auf Schritt und Tritt und scheint geradezu böswillig jede Situation für Tim zu einem peinlichen Fiasko zu machen.

Einen roten Faden lässt die Handlung dabei vermissen. Stattdessen fühlt sich «The Wrong Missy» eher wie eine Aneinanderreihung von möglichst obszönen Sketchen an. Weshalb Missy überhaupt ist wie sie ist wird leider kaum erklärt oder angeschnitten, wodurch Missy für den Zuschauer nie in irgendeiner Weise sympathisch wirkt.

Lediglich im letzten Drittel des Films scheint Regisseur Tyler Spindel plötzlich das Bedürfnis verspürt zu haben, diese Komödie in eine Rom Com zu verwandeln. Leider kommt dieser Umschwung im Film so plötzlich, dass eine glaubwürdige Chemie zwischen Tim und Missy nicht entsteht.

Wieso Tim nach all dem Ärger, den Missy ihm gebracht hat, urplötzlich genau diese bizarre Person attraktiv findet und eine Zuneigung entwickelt, bleibt dem Zuschauer ein Rätsel. Auch vereinzelte positive Absichten, die Missy durch ihre „schrägen Methoden“ zu verfolgen versucht, tragen zu den gewollten romantischen Elementen des Films nur wenig bei.

«The Wrong Missy» ist eine typische Komödie aus dem Hause Happy Madison.– Cineman-Kritiker Waldemar Witt

Schlussendlich kann man «The Wrong Missy» als eine typische Komödie aus dem Hause Happy Madison zu den Akten legen. So sind Komödien mit unrealistisch schrägen Persönlichkeiten, die für peinliche Situationen sorgen (wie beispielsweise «Jack and Jill») kein Neuland für das Produktionsstudio.

Gerade Fans ähnlicher Komödien könnten der Netflix-Produktion deshalb etwas abgewinnen. Doch ohne einer zumindest ansatzweise sympathischen Hauptfigur und klar definierter Handlung ist es schwer, eine generelle Empfehlung auszusprechen. Denn vor allem im Vergleich zu anderen modernen Komödien im Sortiment von Netflix fühlt sich «The Wrong Missy» statt unterhaltsam schlichtweg anstrengend, verzweifelt und frustrierend an.

1.5 von 5 ★

«The Wrong Missy» ist ab sofort auf Netflix verfügbar.

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Ist dieser Artikel lesenswert?


Kommentare 2

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Taz

vor 12 Tagen

Eines der schlimmsten und peinlichsten Sachen, die ich seit langem gesehen habe. Fremdschämen par excellence... Man mag den Film schräg nennen und auch ein Auge zudrücken, wenn die Figuren puren Mist produzieren. Aber wenn wie hier gar nichts zusammenpasst, die Geschichte schon nach wenigen Sekunden erzählt ist und die Gagdichte nicht vorhanden ist, dann darf man absolut von verlorenen 90 Minuten reden. Absoluter Quatsch, sorry.Mehr anzeigen


marc_huerbin

vor 13 Tagen

Entweder war ich zu betrunken, um den Film schlecht zu finden, oder mir fehlt irgend ein Gen, das meinen rationalen Humor steuert. Wie auch immer..... Ich fand den Streifen teilweise echt zum brüllen! Natürlich darf man keine tiefgründige Handlung erwarten, aber da können sich die meisten Komödien eh die Hand reichen. Und Lauren Lapkus ist dermassen schräg, dass man sie fast mögen muss (oder zumindest kann, wenn man möchte). Fazit: Nicht gerade der Wurf des Jahrhunderts, aber auch keine humoristische Sackgasse. Ausser vielleicht für Waldorf-Schüler.....Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 13 Tagen


  • Seite 1 von 1