Interview16. Mai 2018

Josh Brolin über «Deadpool 2», die Tücken von Social Media und das Älterwerden

Josh Brolin über «Deadpool 2», die Tücken von Social Media und das Älterwerden
© 20th Century Fox Switzerland

Man kommt zurzeit nicht um Josh Brolin herum: Der 50-jährige Amerikaner löscht als Feuerwehrmann in «No Way Out – Gegen die Flammen» Waldbrände, gibt den facettenreichen Bösewicht in «Avengers: Infinity War» und treibt seit neustem auch als Cable in «Deadpool 2» an der Seite von Ryan Reynolds sein Unwesen. Wir haben den vielbeschäftigten Schauspieler zum Interview getroffen.

«Deadpool 2»: Sprüche-Klopfen für Fortgeschrittene

Nach der Ermordung seiner grossen Liebe Vanessa (Morena Baccarin) fällt der sonst so forsche Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) in ein tiefes Loch, aus dem er erst auf Umwegen wieder herausklettert. Als er gemeinsam mit dem Waisenjungen Russell (Julian Dennison) in einem Hochsicherheitsgefängnis landet, macht er Bekanntschaft mit dem durch die Zeit reisenden Soldaten Cable (Josh Brolin), der es offenbar auf den minderjährigen Mutanten abgesehen hat. Trotz eines Wechsels auf dem Regiestuhl – David Leitch («Atomic Blonde») ersetzte Tim Miller – bietet auch der zweite Deadpool-Film bissige, wenig zimperliche Action-Unterhaltung. Wer das Superheldengenre generell zu handzahm findet, dürfte den Sprüche klopfenden, politisch unkorrekten Protagonisten und seine selbstreflexiven Scherze nach wie vor in die Arme schliessen.

Zur ausführlichen Kritik von Christopher Diekhaus

Interview von Théo Metais im Rahmen eines Roundtables

Josh, wie war es, Ryan Reynolds zu verhauen?

Es gibt wohl nichts, das mich glücklicher macht. Er ist zu erfolgreich, zu schlau, zu gutaussehend – alles, was ich hasse. Nein im Ernst, er ist grossartig. Wir haben viele der Kampfszenen zusammen gedreht und – ich sage das, als wäre es in Ordnung, aber es ist es nicht wirklich – ich bin jetzt 50 Jahre alt und fühle mich definitiv nicht mehr wie 30. Das waren einige heftige Szenen und ich habe eine Menge von ihnen gedreht. Das war eine Challenge, aber eine gute.

Eine Kampfszene dauerte 4.5 Minuten ohne Schnitt, darauf bin ich echt stolz. Nicht auf die Szene selbst, sondern dass ich das überhaupt gemacht habe, es waren 375 Bewegungen, die ich während rund 5 Wochen einstudieren musste, wir brauchten 7 Takes. Wenn man so was macht, muss man aber auch bedenken, dass die Erholungszeit definitiv länger dauert mit 50 Jahren. Wir machen diese tollen Kampfszenen, und David Leitch ist so gut darin, und dann sind da Ryan und ich, und wir laufen herum und machen [undefinierbares Kampfgeräusch] (lacht). Das ist einfach die Realität.

Wird von Brolin stark bewundert: Ryan Reynolds in «Deadpool 2».
Wird von Brolin stark bewundert: Ryan Reynolds in «Deadpool 2». © 20th Century Fox Switzerland

Brauchte es für diese Muskeln eine Menge Training?

Ja, ich habe hart trainiert, sehr hart. Ich hatte einen strengen Ernährungsplan: Kein Zucker, jedes Stück Essen musste ich zuerst wiegen, ich habe während den 11 Vorbereitungswochen drei Stunden pro Tag Sport gemacht. All das war schwierig, aber okay. Die ersten zwei Wochen sind wirklich schwierig, du fühlst dich, als würdest du sterben, dich selbst zerstören. Dein Hirn sagt dir „das zu tun, ist wie Krebs“ – es ist schrecklich, das so zu sagen, aber so hat es sich angefühlt. Wenn du diesen Meilenstein überwunden hast, fühlst du dich plötzlich gut, du siehst die Veränderung und du denkst „wow, das funktioniert wirklich“, jeder denkt, du seist auf Steroiden, was noch besser ist, weil du weisst, dass du richtig hart gearbeitet hast.

Aber dann musst du arbeiten: 3.5 Stunden im Make-Up – wenn ich zum Beispiel um 4 Uhr bereit sein musste, stand ich um 2 Uhr auf, habe Sport gemacht, bin danach 3.5 Stunden in der Maske auf einem Stuhl gesessen, dann kommen 12 Stunden Arbeit und nochmals eine halbe Stunde, um das Make-Up wieder wegzumachen. Um ganz ernst zu sein: Es war ziemlich einfach. Wieso ich nicht gelacht habe? Weil ich wütend war.

Ich kann in Sekundenschnelle weinen. Ich bin ein echter Softie!

Du hast schon den Regisseur David Leitch erwähnt. Wie war er bei diesen Actionszenen beteiligt – hat er sich viel eingemischt?

Josh Brolin: Ich habe David vor dem Dreh noch nie getroffen. Ihm gehört die Firma 87Eleven und ich habe mit den Angestellten dort seit etwa acht Jahren für verschiedene Filme zusammengearbeitet, also kenne ich die meisten seiner Angestellten, aber David habe ich komischerweise zuvor noch nie gesehen. Beim Dreh kannte ich normalerweise also viele Leute, wir haben jeweils zuvor geübt – der Unterschied dieses Mal war, dass David die Kampfszenen koordiniert hat. Er ist grossartig darin, die Gang-Szene in «Atomic Blonde» ist gewaltig. Die Actionszenen für «Deadpool 2» hatte ich alle während etwa einer Woche geübt, und am Set meinte David dann aber plötzlich, dass gewisse Dinge nicht funktionieren würden und wir es anders probieren sollten. Das hat mich ziemlich gefordert, aber das war ihm egal. Als ich die Szenen im Nachhinein gesehen habe, war ich froh – das Resultat ist echt gut.

Hat sich für die Rolle ganz schön abgerackert: Josh Brolin als zeitreisender Soldat in «Deadpool 2».
Hat sich für die Rolle ganz schön abgerackert: Josh Brolin als zeitreisender Soldat in «Deadpool 2». © 20th Century Fox Switzerland

Sie haben im Zuge des Films auch ein Kind für die Organisation Make A Wish besucht und waren ziemlich berührt von der Situation. Wie war es?

Josh Brolin: Ich kann in Sekundenschnelle weinen. Ich bin ein echter Softie! Wenn es um solche Dinge geht, kann ich es echt vergessen. Deshalb mag ich Ryan. Er bezieht alle mit ein. Das mag ich total an ihm! Es waren eigentlich mehrere Kinder, die wir getroffen haben, das war sehr emotional. Wenn man einen unangemessenen Film machen kann und dann damit so etwas Gutes machen kann: Da habt ihr es!

Mich, einen 50-jährigen Mann, als Cable auf der Leinwand zu sehen, das ist schon was!

Ihre Figur in «Deadpool 2» kommt aus der Zukunft – im Film werden dank dem technologischen Fortschritt Superhelden geschaffen. Müssen wir uns Sorgen machen wegen dem ganzen Transhumanismus?

Josh Brolin: Ich glaube, dass jedes Gebiet Sachen mit sich bringt, vor denen man Angst haben sollte. Social Media ist ein Bespiel. Hier kommt es auf deine eigene Disziplin an. Wir schreiben gerade an einer Serie, die sich um dieses Thema dreht – dem digitalen Zeitalter, und dass wir so negativ darüber reden und damit den Fokus auf das Schlechte legen, weil keine Alternative da ist. Aber wenn du diszipliniert bist und die Grenzen kennst, kannst du es zu deinem Vorteil nutzen.

Für mich ist es eine grossartige Sozialstudie – dass Leute sich online zum Beispiel viel mehr zu sagen getrauen als im echten Leben. Für mich geht alles um die menschliche Komponente, auch durch den Filter von zum Beispiel «Deadpool», «Avengers» oder solche Sachen. Was treibt uns an, wieso machen wir, was wir tun? Viele aktuelle Filme – ich will niemanden beleidigen – sind so bedeutungslos für mich, ich verstehe sie nicht. Ich merke, dass es echt lustig ist, es aber keine Aussage hat. «Deadpool 2» ist zwar lustig und unangebracht, aber auch bedeutungsvoll.

Beruflich ist Brolin oft Action-Held, privat geht's auch mal emotionaler zu und her.
Beruflich ist Brolin oft Action-Held, privat geht's auch mal emotionaler zu und her. © IMDB

Was haben Sie gedacht, als Sie den Film zum ersten Mal geschaut haben?

Josh Brolin: Ich kann es nicht wirklich beschreiben. Es war nicht die beste Ausgangslage, ich war mit drei anderen Leuten im Kino, die den Film alle zum ersten Mal geschaut haben. Es war ziemlich intensiv. Ich habe mich ständig gefragt, was ich da mache. Ich bin aber ziemlich gut darin, mich objektiv zu betrachten. Grundsätzlich war es aber auch lustig – mich, einen 50-jährigen Mann, als Cable auf der Leinwand zu sehen, das ist schon was.

Als Cable können Sie durch die Zeit reisen. In welches Zeitalter würden Sie selbst am liebsten reisen und wieso?

Josh Brolin: Das kann ich echt nicht sagen, sorry. Ich wurde das schon ein paarmal gefragt und habe das mit Ryan besprochen, aber er konnte mir auch keine gute Antwort geben. Ich mache genau das, was ich will, deshalb habe ich kein Interesse, in irgendeine andere Zeit zu reisen. Ich kann mich echt glücklich schätzen.

Wie geht es mit Cable weiter?

Josh Brolin: Als ich den Film gesehen habe, habe ich realisiert, dass das eine Einführung in Cables Welt ist. Es sind vier Filme geplant, fast wie eine Serie. Ich denke gerne an die Zukunft von Cable. Ryan und ich haben ja zuerst so unsere Probleme, aber zukünftig wird das sicherlich mehr wie Nick Nolte und Eddie Murphy (lacht).

«Deadpool 2» ist ab dem 17. Mai 2018 in den deutschschweizer Kinos zu sehen.


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