Artikel23. Januar 2023

Die wahre Geschichte hinter den Figuren in «Babylon»

Die wahre Geschichte hinter den Figuren in «Babylon»
© Warner Brothers Switzerland

John Gilbert, Clara Bow - Namen, die dir vielleicht nichts sagen, aber sie waren zu ihrer Zeit berühmt und haben Damien Chazelle zu den Figuren von Brad Pitt und Margot Robbie inspiriert. Wir haben alle Hintergrundinfos zu den Vorbildern der Filmfiguren.

Ein Artikel von Théo Metais und Maxime Maynard übersetzt von Maria Engler

Die Faszination Hollywoods ist ungebrochen. Von Michel Hazanavicius «The Artist» (2011) über «Hail, Caesar!» (2016) der Coen-Brüder bis hin zu Quentin Tarentinos «Once Upon a Time... in Hollywood» (2019) haben es sich viele Regisseure zum Ziel gesetzt, die Freuden, Rückschläge und Exzesse der Filmwelt auf der Leinwand darzustellen. Und obwohl die Genres und Zeiträume von Film zu Film variieren, spielt die Frage nach historischen Bezügen immer eine Rolle. Damien Chazelle macht da keine Ausnahme. In «Babylon», der seit dem 18. Januar im Kino läuft, lässt sich der Filmemacher von der fantastischen Vergangenheit des goldenen Zeitalters Hollywoods inspirieren und schreibt sie neu. Aber von welchen grossen Namen wurden seine Figuren inspiriert?

Ein Brad Pitt mit John Gilbert-Attitüde

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Bereits 2019 liess Brad Pitt die Geister der Hollywood-Vergangenheit mit seiner Oscar-prämierten Performance in Quentin Tarentinos Film «Once Upon a Time... in Hollywood» wieder aufleben. Damien Chazelle liess ihn erneut mehrere Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen, um ihn in die Rolle des Schauspielers Jack Conrad zu schlüpfen.

Wenn die Figur eine Mischung aus einigen der grossen Namen des Goldenen Zeitalters des Kinos sein sollte, würde John Gilbert (1897-1936) als Hauptvorbild dienen. Als Geliebter von Greta Garbo war er einer der berühmtesten Schauspieler der Stummfilmzeit und für die Intensität seiner Gesichtsausdrücke bekannt. Das Aufkommen des Tonfilms und die lächerlichen Dialoge, die ihm später aufgezwungen wurden, sollten seiner Karriere den Rest geben und inspirierten auch den Musical-Klassiker «Singin' in the Rain» aus dem Jahr 1952.

Douglas Fairbanks (1883-1939), der durch seine Mantel-und-Degen-Filme berühmt wurde, und Clark Gable (1901-1960), der durch seine Rolle als Rhett Butler in dem berühmten Film «Vom Winde verweht» in die Geschichte einging, vervollständigen die Referenzen für die Entwicklung des Charakters von Jack Conrad, einem Schauspieler, der sage und schreibe 82 Filme gedreht hat.

Das It-Girl: Margot Robbie

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Emma Stone, die schon früh an dem Projekt beteiligt war, musste es aufgrund von Terminproblemen verlassen. Die Australierin Margot Robbie schlüpfte in das Starlet-Kostüm und legt eine schauspielerische Leistung hin, die die Leinwand sprengt. Sie spielt Nellie LaRoy, eine fiktive Version des Sexsymbols der Roaring Twenties: Clara Bow (1905-1965). Die als It-Girl bezeichnete Schauspielerin trat in knapp 50 Stummfilmen auf, darunter 1927 in «Flügel aus Stahl», dem ersten Oscar-Preisträger für den besten Film.

Damien Chazelle bereichert die Figur um weitere Referenzen und kombiniert sie mit Jeanne Eagles (1890-1929), die 1929 für «The Letter» für einen Oscar nominiert wurde, und Alma Rubens (1897-1931), Star des Films «The Half-Breed» mit Douglas Fairbanks aus dem Jahr 1916. Beide Frauen erlebten zahlreiche Skandale und Schwierigkeiten aufgrund ihres exzessiven Konsums illegaler Substanzen.

Manny Torres verkörpert das mexikanische Kino

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In seiner ersten grossen internationalen Rolle fesselt der mexikanische Schauspieler Diego Calva. Seine Leistung in der Rolle des Manny Torres brachte ihm eine Nominierung für die jüngsten Golden Globes ein.

Obwohl es nicht offiziell bestätigt wurde, soll der französisch-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor die Inspiration für seine Figur in drei Filmgrössen mit mexikanischen Wurzeln gefunden haben. Zunächst der Schauspieler Ramón Novarro (1899-1968), der als erster Latino-Darsteller anerkannt wurde, der in Hollywood Erfolg hatte. Die Studios bauten ihm ein Image als Latin Lover auf. Ausserdem Enrique Juan Vallejo (1882-1950), ein berühmter Kameramann und Regisseur. Und schliesslich René Cardona (1905-1988), Schauspieler, Regisseur und Produzent, der als Pionier des mexikanischen Kinos gilt.

Elinor St. John, die berühmte Journalistin

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Indem er nur den Nachnamen der Figur ändert, verwischt Damien Chazelle die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Tatsächlich soll die Kolumnistin Elinor St. John, die von der hervorragenden Jean Smart dargestellt wird, eine romantisierte Version der englischen Schriftstellerin und Drehbuchautorin Elinor Glyn (1864-1943) sein.

Als Kolumnistin von «Cosmopolitan» und dem Magazin «Photoplay» hatte sie einen grossen Einfluss auf die Popkultur der damaligen Zeit und beeinflusste die Karrieren vieler Schauspieler und Schauspielerinnen. Sie war auch die Urheberin des Begriffs It-Girl, mit dem die Schauspielerin Clara Bow in dem Film «Das gewisse Etwas» aus dem Jahr 1927 beschrieben wurde.

Irving Thalberg, Metro-Goldwyn-Mayer und Marion Davies

Irving Thalberg © Domaine Public

Der Schauspieler Max Minghella, der vor allem für seine Rollen in der Erfolgsserie «The Handmaid's Tale» und dem Spielfilm «The Social Network» (2010) bekannt ist, schlüpft in die Rolle des echten Filmproduzenten Irving Thalberg (1899-1936), dem Leiter der Metro-Goldwyn-Mayer-Studios. Chloe Fineman, Schauspielerin in der legendären Comedy-Show «Saturday Night Live», verkörpert die Schauspielerin und Drehbuchautorin Marion Davies (1897-1961).

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