Artikel6. März 2018

20 Jahre Riffraff: Bewegte Bilder, bewegte Geschichte des Schweizer Kinos

20 Jahre Riffraff: Bewegte Bilder, bewegte Geschichte des Schweizer Kinos
© AudioCiné AG

Auf den Tag heute vor 20 Jahren öffnete das Kino an der Zürcher Langstrasse seine Türen. Die Geschichte des Schweizer Kinos geht aber weiter zurück: Vor rund 120 Jahren wurde der Grundstein für heutige Kinos – wie zum Beispiel das Riffraff – gelegt.

Französische Pioniere und wanderndes Kino

Blicken wir zurück auf die Anfänge der Schweizer Kinematographie, erweist sich das Jahr 1896 als richtungsweisend für die Entwicklung des hiesigen Kinos: Dazumals präsentierten die französischen Pioniere und Gebrüder Lumière an der Genfer Landesausstellung ihre fahrenden Kamera-Operateure, die das ansässige Publikum zu begeistern wussten und aufgrund ihrer Mobilität zur Geburt des Wanderkinos führten. Fortan kamen vor allem die Besucher von Jahrmärkten, Zirkussen und Variétes in den Genuss von Kinovorstellungen.

Die Gebrüder Lumière sorgten 1896 mit ihrem Kinematographen an der Genfer Landesausstellung für Aufsehen.
Die Gebrüder Lumière sorgten 1896 mit ihrem Kinematographen an der Genfer Landesausstellung für Aufsehen. © Institut Lumière

Stummfilme mit Live-Musik

Dies änderte sich jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich das Kino vermehrt in fixen Sälen ansiedelte. In Zürich entstanden die ersten Kinos im Jahr 1907; diese befanden sich vorwiegend im Erdgeschoss bereits bestehender Gebäude. Auch das Haus an der Neugasse, wo sich heute das Riffraff befindet, erfreut sich einer langen Kinotradition: Bereits 1913 wurden im damaligen «Volkstheater» Stummfilme vorgeführt. In dieser Phase entwickelte sich das Kino immer mehr zum Massenmedium, welches für jedermann erschwinglich und zugänglich war. Das Kinoprogramm gestaltete sich sehr abwechslungsreich und bestand aus Kurzfilmen der verschiedensten Genres, die mit Live-Musik unterlegt wurden.

 Ab den 1930er-Jahren lockten Kinos vermehrt mit einladenden Leuchtreklamen, wie hier das Kino Urban in Zürich.
Ab den 1930er-Jahren lockten Kinos vermehrt mit einladenden Leuchtreklamen, wie hier das Kino Urban in Zürich. © Baugeschichtliches Archiv Zürich

Die Blütezeit des Kinos

In den Zwanziger- und Dreissigerjahren wichen die kleinen, bescheidenen Kinobauten dann immer mehr den grossen Lichtspielpalästen, die es mit ihren einladenden Leuchtreklamen verstanden, eine Vielzahl von Besuchern in die Kinos zu locken. Auch an der Neugasse hielt die Veränderung Einzug; so entstand 1929 das Lichtspieltheater «Cinema Modern», das für 17 Jahre das Kinogeschehen in Zürich mitprägte. Vor allem in der Nachkriegszeit boomte das Kino dann regelrecht: Zwischen 1956 und 1963 verzeichneten die Kinos in Zürich jährlich etwa 7 Millionen Besucher – heute sind es gerade mal noch ein Drittel davon, was damit zu erklären ist, dass der Einfluss des Fernsehens und später dann des Internets immer grösser wurde.

Erfolgreich anders

Zwar geht der Trend heutzutage vermehrt zu Multiplex-Kinos mit acht oder mehr Sälen, die sich mit technischen Finessen (4D) und kommerziellen Rundum-Angeboten von der Konkurrenz abzusetzen versuchen, welche durch Video-on-Demand-Dienste wie Netflix droht. Nichtsdestotrotz behaupten sich auch weiterhin kleine Kinos, die sich dem Kinoliebhaber durch ein ausgewähltes Programm und ein gemütliches Ambiente empfehlen. So auch das Riffraff, welches die Zürcher Kinogänger mit seinem innovativen Konzept schon seit 1998 mit filmischen Delikatessen versorgt.

Wir freuen uns auf die nächsten zwanzig Jahre!


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