Artikel28. April 2021

11 Kino-Highlights für den Monat Mai

11 Kino-Highlights für den Monat Mai
© Frenetic Films | Universal Pictures International Switzerland | Elite Film

Oscargekrönte Dramen, viele Schweizer Filme und ein Animationsfilm, der vor 500 Jahren spielt, stehen im Mai im Mittelpunkt.

1. Davos

Doku über einen Schauplatz der radikalen Kontraste von Daniel Hoesl und Julia Niemann | Kinostart: 6. Mai 2021

Darum geht's: Über ein Jahr hat das österreichische Regieduo Daniel Hoesl und Julia Niemann in Davos gelebt und den Alltag in der Gemeinde während des Weltwirtschaftsforums dokumentiert. Sie zeigen die vielen Facetten des Lebens vor Ort und rücken die Bewohner ins Zentrum, die von der Konferenz der globalen Wirtschafts- und Polit-Entscheider nicht viel mitbekommen.

Sehenswert, weil: Hoesl und Nieman rein beobachtend agieren. Sie verzichten auf eine Off-Kommentierung und eine Einordnung. Das ist sinnvoll, denn das zwingt den Betrachter zum reflektierten, aufmerksamen Zusehen. Zudem zeigt der Film die wunderschönen Postkarten-Bilder und Impressionen der Alpen.

2. The Father

Drama mit dem oscargekrönten Hauptdarsteller Anthony Hopkins | Kinostart: 20. Mai 2021

Darum geht's: Anthony (Anthony Hopkins) ist ein 80 Jahre alter Mann, der an fortschreitender Demenz leidet. Doch er will keine Hilfe annehmen und weigert sich, sein Schicksal anzuerkennen. Seine (Lebens-) Situation wird zunehmend schwieriger, als sich sein Zustand weiter verschlechtert – und seine Tochter den Auszug aus seiner Wohnung plant. Der französische Dramatiker und Schriftsteller Florian Zeller verfilmt mit dem Demenz-Drama «The Father» sein eigenes Theaterstück.

Sehenswert, weil: Anthony Hopkins als Hauptdarsteller brilliert, der alle Phasen der Krankheit glaubhaft darstellt. Der britische Oscar-Preisträger füllt seine Rolle kraftvoll aus und verleiht seiner Figur die notwendige Tiefe. Aber da gibt es noch etwas anderes, das «The Father» so besonders macht und ihn von vielen inhaltlich ähnlich gelagerten (Krankheits-) Dramen abhebt. Er schildert das Geschehen fast ausnahmslos aus der persönlichen Perspektive Anthonys. Und verzichtet damit gleichzeitig auf den – distanzierten – Blickwinkel von aussen, etwa der Verwandten oder Freunde. Zeller nutzt zudem bewusst Kontraste, Andeutungen und Täuschungen.

3. Promising Young Woman

Oscargekröntes Drama mit Carey Mulligan | Kinostart: 20. Mai 2021

Darum geht's: Jedes Wochenende zieht Cassie (Carey Mulligan) durch die Bars. Sie gibt sich betrunken. Es dauert nie lange, bis ein Mann sie aufgabelt und mit zu sich nach Hause nimmt. Wenn er dann mit ihr schlafen will, zeigt sie sich als gar nicht so betrunken. Diese Routine zieht Cassie schon lange durch. Erst als sie einen früheren Mit-Studenten trifft, könnte ihr Leben wieder Fahrt aufnehmen, aber das Unheil der Vergangenheit wiegt zu schwer. Cassie will sich an jenen rächen, wegen denen ihr Leben aus der Bahn geworfen wurde.

Sehenswert, weil: «Promising Young Woman» ein exzellent gestalteter Film ist. Technisch hervorragend, inhaltlich herausfordernd, weil er die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung der hier durch und durch schlechten Männer zeigt, aber auch, weil er seine Rache-Geschichte auf eine Weise erzählt, die ausgesprochen kunstvoll ist. Der Film wurde an den Oscars 2021 für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

4. Raya und der letzte Drache

Animationsfilm aus dem Hause Disney | Kinostart: 12. Mai 2021

Darum geht's: Vor 500 Jahren retteten die Drachen die Menschen vor Monstern, die sie in Stein verwandelten. Doch der Sieg kam mit einem Preis. Auch die Drachen erstarrten zu Stein. Die Menschen begannen, einander zu misstrauen und zu bekriegen, aber Rayas Vater träumt davon, sie alle wiederzuvereinen. Doch als das Drachenjuwel zerschlagen wird und auch er zu Stein erstarrt, scheint alle Hoffnung verloren. Doch Raya macht sich auf den Weg, den letzten Drachen zu finden. Nur mit ihm kann sie die zerbrochene Welt wieder einen.

Sehenswert, weil: «Raya und der letzte Drache» ein farbenfrohes und sehr rasantes Abenteuer ist und zudem reichlich Action bietet. Gerade auch die Schwertkämpfe sind wunderbar gemacht und kommen mit enormer Dynamik daher. Überhaupt hat man bei diesem Film das Gefühl, er hätte auch genauso funktioniert, wenn man nicht auf Computeranimation gesetzt, sondern mit realen Schauspielern gearbeitet hätte. Das ist im Grunde die Königsklasse, weil ein Animationsfilm dann wirklich alle Altersklassen abholt.

5. I Care a Lot

Ein unterhaltsames Duell zweier Psychopathen mit Rosamund Pike in der Hauptrolle| Kinostart: 10. Dezember 2020

Darum geht's: Marla ist eine professionelle Betreuerin für Senioren. Allerdings nicht in der Art, wie man sich als wohlsorgender Nachkomme eine Betreuerin wünschen würde. Sie übernimmt nämlich die Vormundschaft für Senioren, mit dem Ziel, diese in geschlossenen Heimen unterzubringen, um sich schliesslich an deren Hab und Gut bereichern zu können. Dies geht so lange gut, bis sie an die falsche Rentnerin gerät: Ihr neues Opfer ist die Mutter des gefürchtetsten Gangsterbosses der Stadt. Selbstredend ist dieser nicht erfreut, als er von Marla’s Plänen erfährt: So wendet sich das Blatt für die Betrügerin und plötzlich wird sie nun selbst zur Zielscheibe der Gangster.

Sehenswert, weil: «I Care a Lot» eine äusserst würzige Mahlzeit ist, die als reines Spannungskino bestens funktioniert und Rosamund Pike die Rolle der gerissenen, hinterhältigen und geldfixierten Marla exzellent spielt.

6. Das Mädchen und die Spinne

Preisgekrönter Schweizer Film von Ramon und Silvan Zürcher | Kinostart: 13. Mai 2021

Darum geht's: Die WG-Zeiten sind endgültig vorbei: Lisa hat endlich ihre eigene Wohnung gefunden. Sie freut sich auf den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, aber für ihre Mitbewohnerin Mara löst der Auszug eine emotionale Achterbahn aus. Und in den zwei Tagen, in denen mit Hilfe von Freunden, Familie und Nachbarn Kisten gepackt und geschleppt und Möbel auf- und abgebaut werden, offenbaren sich an allen Ecken und Enden Wünsche, Sehnsüchte und Ängste.

Sehenswert, weil: die Brüder Zürcher ihr Figuren-Ensemble (darunter auch Ursina Lardi, Sabine Timoteo und Liliane Amuat) als wundersame Kreaturen in einer befremdlich wirkenden Normalität inszenieren, die zugleich klar strukturiert und undurchdringlich ist – ein verwinkeltes Spinnennetz im Bauhaus-Look. Auf eine klassische Handlung wird fast gänzlich verzichtet, stattdessen entsteht durch beiläufige Momente, durch Gesten, Blicke und Begegnungen eine flirrende Spannung, die ihren ganz besonderen Sog entwickelt. Und so ist «Das Mädchen und die Spinne» eine sonderbare Mischung aus Märchen und Psychogramm, eine im Missklang komponierte Gesellschaftsstudie, die eigenwillig und mit formaler Strenge von den Herausforderungen des Miteinanders erzählt.

7. Lovecut

Drama über die Lebensrealität der Generation Z, deren Alltag von sozialen und digitalen Medien bestimmt wird | Kinostart: 17. Dezember 2020

Darum geht's: In lose verflochtenen Geschichten erzählt der Episodenfilm «Lovecut» von Jugendlichen, die ihre Sehnsüchte, Bedürfnisse und das eigene Liebesleben erkunden. Darunter der unsentimentale Ben, der kurz vor einer Jugendhaftstrafe steht. Auch Luka kann mit Kitsch und Romantik nichts anfangen, im Gegensatz zu ihrer Freundin Momo. Diese hat sich über Skype in Alex verliebt, der ihr seine Behinderung verschweigt. Unterdessen drehen Jakob und Anna ihre eigenen privaten Pornos, die sie zu Geld machen wollen.

Sehenswert, weil: Iliana Estañol und Johanna Lietha die reale Lebenswirklichkeit Heranwachsender zeigen. Bei alledem punktet ihr Film darüber hinaus mit einer schlanken Erzählung und unmittelbaren Erzählweise, die ohne unnötigen Storyballast auskommt. Das ist gerade bei episodisch angelegten Produktionen nicht immer die Regel, doch in «Lovecut» wirkt alles stimmig und klar. Und zuletzt erzeugt der Film mit seinen ungeschliffenen, dokumentarisch anmutenden Handkamerabildern eine grosse Nähe zu den Figuren.

8. Nemesis

Vom alten Zürcher Güterbahnhof zum neuen Justiz- und Polizeizentrum mit Gefängnis – von Thomas Imbach festgehalten | Kinostart: 27. Mai 2021

Darum geht's: Der Filmemacher Thomas Imbach beobachtet aus dem Fenster seines Ateliers in Zürich Aussersihl, wie der unmittelbar daneben stehende Güterbahnhof feinsäuberlich abgerissen wird und an dessen Stelle das neue Zürcher Polizei- und Justizzentrum mit Gefängnis entsteht. Ergänzt werden die Kameraaufnahmen durch tagebuchartig festgehaltene Gedanken des Regisseurs sowie Aussagen von Personen, die sich in der Schweiz in Ausschaffungshaft befinden.

Sehenswert, weil: «Nemesis» durch sorgfältige Beobachtung ebenso wie durch Bildwitz und eine clever-verspielte Montage überzeugt. Ein kurzweiliger, zugleich nachwirkender Essay über Zeit, Vergänglichkeit und des Menschen Bedürfnis nach Sicherheit.

9. The Scent of Fear

Dokumentarfilm über die Angst von der Schweizerin Mirjam von Arx | Kinostart: 20. Mai 2021

Darum geht's: Angst oder Furcht ist die Frage? Wer hat warum Angst vor der Angst? Solche Fragen stellt die Schweizerin Mirjam von Arx in ihrem Dokumentarfilm: «The Scent of Fear –Der Geruch von Angst». Ja, das gibt es: Angstgeruch. Die Filmerin beschreibt an konkreten Beispielen, wie Menschen der Angst begegnen oder ausweichen, sie wahrnehmen oder bekämpfen, mit ihr handeln oder sie überwinden. Ihre Reise führt von Militärbunkern in den USA bis zu einer einsamen Expedition in der Arktis, in Forschungslabors und zu Therapien.

Sehenswert, weil: der Film denkwürdige Einsichten und Impressionen bietet – eben auch über den Geruch der Angst. Der Film kann natürlich Ängste nicht überwinden, hilft aber, sie zu verstehen und ihr vielleicht furchtlos zu begegnen.

10. Von Fischen und Menschen

Spielfilmerstling von Schweizerin Stefanie Klemm | Kinostart: 20. Mai 2021

Darum geht's: Judith lebt mit ihrer kleinen Tochter Milla in einem abgelegenen Tal im Schweizer Jura und betreibt eine Fischzucht. Sie hat vor Kurzem einen neuen Gehilfen eingestellt. Gabriel ist tüchtig, zuverlässig, charmant. Er gefällt ihr und auch Milla schliesst Gabriel bald schon in ihr Herz. Doch eines Tages taucht unverhofft Gabriels drogensüchtiger Bruder auf. Wenig später stellt ein tragisches Ereignis die Leben aller Beteiligten radikal auf den Kopf.

Sehenswert, weil: Stefanie Klemm bodenständig, nüchtern und realitätsnahe inszeniert. Ihr Film lebt stark von seinen Darstellern. Von Sarah Spale in der Rolle Judiths, deren Spiel – wie schon in «Wilder» und «Platzspitzbaby» – sehr körperlich, sehr präsent und einnehmend intensiv ist. Und von Matthias Britschgi, der in sensibler Darstellung als Gabriel überzeugt, Spale wenn auch nicht ganz, so doch weitgehend die Stange zu halten vermag. Lia Wagner als Milla ist - wie viele Kinderdarsteller – ein Naturtalent.

11. Football Inside

Hautnahe Einblicke in die Fussballwelt von Michele Cirigliano | Kinostart: 6. Mai 2021

Darum geht's: Eine spannende Paarung: Zuerst ein Kurzfilm mit einem Schiedsrichter im Fokus, anschliessend «Football Inside», bei dem sich alles in den Kabinen und ausserhalb des Spielfelds abspielt – in Kriens, Wettswil-Bonstetten und Zürich. Hautnahe Einblicke in die Fussballwelt.

Sehenswert, weil: «Football Inside» ein Fussballfilm ist, der auf spektakuläre Spielszenen, packende Tore und andere Ereignisse auf dem Rasen verzichtet. Gleichwohl sagt die Dokumentation viel über den Sport, seine Faszination, seine Integrationsmöglichkeiten, seine verbindende, auch kritische Kraft aus. Spannend.

Startdaten laut den Angaben von Procinema, leider sind zur Zeit kurzfristige Änderungen / Nichtpublikationen für den Schweizer Markt möglich.

Welche weiteren Filme im Mai im Kino zu sehen sind, erfährst du hier.

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