Locarno 2012

Änderungen und Highlights

08.08.2012, Simon Spiegel

Still und heimlich hat Olivier Père eine weitreichende Änderung beim internationalen Wettbewerb vorgenommen: Die gezeigten Filme müssen nicht mehr zwingend Weltpremieren sein, sondern dürfen auch schon an einem anderen Festival gezeigt worden sein

Diese sehr grundlegende Modifikation des Reglements wurde erstaunlich leise kommuniziert. Oder war das schon letztes Jahr so und wir haben es einfach verpasst? Zu einer dramatischen Steigerung der Qualität hat der geänderte Modus allerdings nicht geführt. Das Niveau der Filme ist ansehnlich, die ganz grossen Knaller fehlen aber noch. Viel Applaus konnte «Der Glanz des Tages» einheimsen, eine äusserst charmante österreichische Produktion, die teilweise mit dokumentarischen Mitteln arbeitet und vor allem durch ein gekonntes Aushebeln der üblichen dramaturgischen Regeln besticht: Der Film lässt gerade jene Szenen weg, die von einem anderen Film hemmungslos emotional ausgeschlachtet würden.

Ein Schuss nach hinten war Pères feuriges Plädoyer für den portugiesischen Film anlässlich der Vorführung von «A Última Vez Que Vi Macau». Im krisengeschüttelten Portugal ist die Filmförderung und damit die gesamte Industrie akut bedroht. Der Film von João Rui Guerra da Mata und João Pedro Rodrigues versuchte, in die Fussstapfen des kürzlich verstorbenen Altmeisters des Essay-Films Chris Marker zu treten, entpuppte sich dannaber als wenig effiziente gute Werbung für das portugiesische Kino. Mancherorts war nach der Vorführung der böse Scherz zu hören, dass es angesichts solcher Produktionen vielleicht doch nicht so schade um den portugiesischen Film wäre …

Wie ich mit einigem Stolz berichten kann, entwickelt sich «Vergiss mein nicht» zum Festival-Renner. Der Andrang zur zweiten Vorführung war so gross, dass sich Regisseur David Sieveking regelrecht in den Saal kämpfen musste.

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