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Locarno: Rücktritt, Rückgang, Buhrufe
Der langjährige Festivaldirektor Marco Müller erklärte seinen Rücktritt. Damit ist das grösste Festival zur Zeit völlig führungslos, nachdem der Präsident Guiseppe Buffi kurz vor Festivalbeginn unerwartet starb.
Marco Müller, dessen Leistungen und Verdienste um das Festival während neun Jahren insgesamt immer unbestritten waren, gab doch immer wieder und so auch dieses Jahr Anlass zur Kritik. Vor allem seine Programmation des Wettbewerbs und der Piazza-Filme wurde oft mit Kopfschütteln kommentiert. Seine guten Beziehungen zur asiatischen Filmszene etwa liessen ihn zuweilen auch Filme ins Programm aufnehmen, deren Anspruch auf eine solche Ehre von mancheinem angezweifelt wurde. Marco Müller verlässt das Festival, um sich «ganz seiner Tätigkeit als Produzent zu widmen».
Erstmals seit Jahren erzielte das Festival keinen Besucherrekord. 165'000 sollen es gewesen sein. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr (172'000) ist wohl vor allem auf das schlechte Wetter während der ersten Tage zurückzuführen. Unzufriedene Stimmen liessen sich aber auch wieder zur Auswahl der Filme für die Vorführung auf der Piazza Grande vernehmen.
Paul Verhoeven, dem der Ehrenleopard verliehen wurde, musste sich gefallen lassen, dass die Euopa-Premiere seines neuen Films «Hollow Man» auf der Piazza am Freitagabend ausgebuht wurde. Offenbar war die flotte Science-Fiction-Filme um den Unsichtbaren dem Publikum nach dem zum Teil anstrengenden «Kunstfilmen» dann doch zu konventionelles Hollywood. Dafür gefiel ihnen am Samstag «Azurro», mit dem das Festival seinen schäbigen Abschluss fand. Der todlangweilige Film des Italoschweizers Denis Rabaglia erzählt die Geschichte um einen Grossvater, der das Geld für die Augenoperation seiner herzigen blinden Enkelin aufzutreiben versucht.
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