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Buhrufe und Lobeshymnen
Das 54. Internationale Filmfestival von Locarno ist am Sonntag, 12. August 2001, mit einer umstrittenen Preisverleihung auf der Piazza zu Ende gegangen.
Den 'Goldenen Leoparden' erhielt der italienische Film «Alla rivoluzione sulla due cavalli». Das leichtfüssige Roadmovie von Maurizio Sciarra handelt von drei jungen Leuten, die 1975 mit einem 2CV nach Portugal fahren, wo nach dem Sturz der Salazar-Diktatur gerade die Nelkenrevolution ausgebrochen ist. Eine ziemlich umstrittene Entscheidung, die mit Buhrufen aufgenommen wurde und die Jury spaltete: Die französische Regisseurin Emilie Deleuze und die italienische Schauspielerin Laura Morante distanzierten sich nach der Verkündigung des Preises mit einer öffentlichen Protestnote vom Entscheid. Für die beiden ist das nostalgische Drama nicht preiswürdig, da gehaltvollere Filme nicht berücksichtigt worden waren. Daraufhin verliess die amerikanische Schauspielerin Debra Winger die Medienkonferenz, da für sie die Geheimhaltung der Juryentscheide mit dieser öffentlichen Auseinandersetzung nicht mehr gewahrt war. Dem Kronfavoriten der beiden abtrünnigen Jurymitglieder und der meisten Kritiker, dem poetischen iranischen Film «Delbaran», wurde der 'Spezialpreis der Jury' überreicht.
Zwei weitere Preise wurden in diesem Jahr das erste Mal vergeben: Den 'Silbernen Leopard für den besten Jungen Film' erhielt «L'Afrance», der das schwierige Leben eines senegalesischen Studenten in Paris nachzeichnet. «Love The Hard Way» mit einem überzeugenden Adrien Brody («Bread And Roses») in der Hauptrolle, eine tragische Liebesbeziehung zwischen einem Kleinkriminellen und einer Studentin, wurde mit dem 'Silbernen Leoparden für den besten Neuen Film' ausgezeichnet.
Die beiden Schweizer Beiträge «Scheherazade» und «Happiness Is A Warm Gun» gingen leer aus. Vor allem bei Ersterem, dem Debütfilm von Ricardo Signorell, verwundert dies wenig, handelt es sich doch um eine ziemlich prätentiöse Soap Opera, die ein schwieriges Thema (Inzest) nicht wirklich kohärent zu erzählen weiss. Thomas Imbachs «Happiness Is A Warm Gun» ist eine stilistisch spannende, stellenweise aber zu experimentelle Reflexion über den Mord an Petra Kelly, der Parteivorsitzenden der Grünen Partei. Ein schwieriger Film, der es beim Kinopublikum nicht leicht haben dürfte.
Die neue Festivalleitung unter Irene Bignardi erntete von den Medien und vom Publikum viel Lob für ihr erstes Festivals: Sowohl die Filme auf der Piazza wie auch die des Wettbewerbs waren publikumsfreundlich wie schon lange nicht mehr. Es wurde vermehrt auf gute Geschichten und packende Inszenierungen gesetzt und weniger auf schwierige Filme aus exotischen Weltregionen wie in den letzten Jahren.
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