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Die Gewinner von Locarno 2004
Die Preise sind vergeben: «Private» des erst 29-jährigen Italieners Saverio Costanzo gewann am 57. Filmfestival Locarno den Goldenen Leoparden.
Saverio Costanzo spiegelt in «Private» die israelische Besetzung Palästinas im Drama, das sich in einem Haus abspielt. Da es an einem strategisch wichtigen Ort steht, wird es von der israelischen Armee besetzt. Der Familienvater aber weigert sich, sein Heim zu verlassen. Für seine Darstellung des friedliebenden Vaters erhielt Mohammad Bakri den Darstellerpreis. Mit dem Hauptpreis bekennt sich die Jury auch zum Kino, das aufrüttelt, an Krisenherde erinnert und Unterprivilegierte ins Bild rückt, zu dem Kino also, das die Festivalleiterin Irene Bignardi bewusst programmiert.
Den Silbernen Leoparden erhielt die Deutsche Ayse Polat für «En garde», die Entwicklungsgeschichte einer isolierten Jugendlichen, die eine fragile Freundschaft zu einer Kurdin entwickelt. Die beiden Hauptdarstellerinnen Maria Kwiatkowsky und Pinar Erincin wurden mit dem Leoparden für die besten Darstellerinnen belohnt.
«Tony Takitani» des Japaners Jun Ichikawa gewann den Spezialpreis der Jury. Langsame Seitwärtsfahrten und eine leise Voice-over scheinen den einsamen Tony in einen Traum zu hüllen; Distanz und Nähe verschwimmen in dieser Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami.
Im Videowettbewerb gewann «Conversations de salon 1-2-3» der Französin Danielle Arbid; als bester Schweizer Kurzfilm wurde «Chyenne» von Alexander Meier ausgezeichnet. In der Sektion «Semaine de la critique» gewann Thomas Riedelsheimers «Touch the Sound», das Porträt der hörbehinderten Evelyn Glennie.
Die letzten Tage in Locarno wurden überschattet von Seitenhieben des Bundesrates Pascal Couchepin. In Anspielungen und einem Interview mit dem welschen Wochenmagazin «L'Hebdo» teilte er Seitenhiebe in Richtung des Leiters des Bundesamtes für Kultur, David Streiff, und des Chefs der Sektion Film, Marc Wehrlin, aus. Die Sektion werde von links kolonialisiert (und man darf sich fragen, auf welche «linken», vom Bund geförderten Filme er im Jahr nach «Achtung, fertig, Charlie!» zielt). Nicht so sehr, dass Couchepin eine Administrativuntersuchung eingeleitet habe, gibt zu reden, sondern die Art, wie gehässig er an die Öffentlichkeit getreten ist. Neuerdings zirkuliert das Gerücht, dass Couchepins Animositäten vor allem darauf beruhen, dass sein Name im vom Bund geförderten Film «Bienvenue en Suisse» verballhornt wurde - ein Film, der notabene nicht in Locarno lief.
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