This Ain't California
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Filmkritik

Auf den Brettern, die die Freiheit bedeuteten

Rollbrett fahren in der DDR? Im tristen Grau müssen die Skater wie Außerirdische gewirkt haben. Martin Persiel dokumentiert ein wenig bekanntes Kapitel ostdeutscher Jugendkultur.

«Panik» nannten ihn seine Freunde in den 80er Jahren. Gesehen haben sie Denis seither kaum noch, und nun ist er tot - als Soldat in Afghanistan gefallen. Auf der Beerdigung finden sich die ehemaligen Freunde zusammen und erinnern sich, wie es war, im Arbeiter- und Bauernstaat unangepasst zu sein: Denis und seine Freunde waren Skater und damit der Staatsmacht ein Dorn im Auge. Denn das aus den USA herübergeschwappte Skaten war nicht nur Zeitvertreib, sondern auch Aufbegehren gegen das System und Ausdruck von jugendlicher Freiheit und Nonkonformismus.

Die Rahmenhandlung des Films wirkt etwas gezwungen. Wie der Tod eines Freundes Weggefährten von einst zusammenführt, wird mitunter etwas arg pathetisch in Szene gesetzt; etwa bei dem Lagerfeuer, an dem die Männer von alten Zeiten schwärmen. Diese Momente wirken hölzern, fast gestellt, aber sie sind nur kurze Augenblicke in einem ansonsten gelungenen Film, der das Subversive ebenso wie den Freiheitsdrang feiert.

This Ain't California legt das Augenmerk auf ein Stück unbekannte DDR-Geschichte. In seinen besten Momenten ist der Dokumentarfilm eine liebevolle Erinnerung an eine längst untergegangene Szene, die sich - obwohl nur wenige Kilometer entfernt - von ihrem westdeutschen Pendant stark unterschied. Mit Skaten konnte man sich allerorts von der spießigen Gesellschaft abheben, aber in einem repressiven Staat nahm diese Jugendbewegung noch eine ganz andere Stellung ein. Sie wurde beäugt und beobachtet, gedieh aber gerade deswegen als kleine Rebellion der Jugend.

Nun könnte man meinen, das Thema wäre lediglich etwas für Skater, aber man muss selbst nie auf dem Brett mit Rollen gestanden sein, um This Ain't California zu genießen. Denn Persiel gelingt mehr als eine Bestandsaufnahme einer Szene und Geschichtsstunde zugleich: This Ain't California ist kleineren Makeln zum Trotz genau so, wie dokumentarisches Kino sein muss: informativ, leidenschaftlich, gefühlvoll, spannend, politisch und positiv.

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