Thérèse Desqueyroux

Home Cinema
40
user

Filmkritik

Gepflegt, aber ohne Leidenschaft

Literaturverfilmung mit Audrey Tautou: Claude Miller inszeniert die Emanzipationsgeschichte der Thérèse Desqueyroux als sanftes Sittengemälde, das dem Roman von François Mauriac aber nur phasenweise gerecht wird. Gepflegt, gut bürgerlich, aber auf die Dauer etwas langweilig.

Gepflegt, aber ohne Leidenschaft

Sie sind füreinander bestimmt, der wohlhabende Landbesitzer Bernard Desqueyroux (Gilles Lellouche) und die attraktive Nachbarin Thérèse. So war es Sitte: Die Eltern arrangierten die Vermählung ihrer Kinder, um Besitz zu wahren und zu erweitern. So auch in dieser Bordeaux-Gegend um 1920. Bernard ist ein leidenschaftlicher Jäger wie auch seine Schwester Anne (Anaïs Demoustier), und ist stolz auf seinen auf 4500 Hektaren angewachsenen Kiefernwald.

Thérèse macht es sich im komfortablen Nest bequem, fügt sich dem familiären Standesdünkel, wird Mutter und Mitwisserin der Liebschaft ihrer Schwägerin Anne. Die hat sich in den hübschen Nachbarn Jean Azevedo (Stanley Weber), einen Juden, verknallt. Diese Liebelei ist freilich der Familie ein Dorn im Auge, Anne wird quasi aus dem Verkehr gezogen. Thérèse, Annes Vertraute, spielt dabei eine etwas undurchsichtige Rolle. Dieses Intermezzo öffnet Thérèse die Augen und weckt Gelüste. Sie ist gelangweilt, kann auch mit dem eigenen Kind nicht viel anfangen. Die Sehnsüchte, aus der Enge auszubrechen, werden immer grösser. Paris – das wäre etwas.

Nach einem bedrohlichen Waldbrand 1929 entzündet Thérèse selber ein Feuer und versucht, ihren Ehemann zu vergiften. Das aber so naiv, dass man ihr schnell auf die Schliche kommt. Um den Schein zu wahren und seine Frau vor dem Gefängnis zu schützen, leistet Bernard einen Meineid. Die Täterin verkümmert, säuft, raucht, vegetiert dahin.

Audrey Tautou, bei der einem die liebreizende Filmheldin Amélie nicht aus dem Kopf gehen will, verkörpert diese zwielichtige Frau zwischen Luxus und verdrängter Leidenschaft. Sie erweist sich in dieser Rolle weder als Sympathieträger noch reines Opfer. Sie bleibt seltsam blass und bieder. Gespielt scheint ihre Leidenschaft, da kommt kein Feuer auf.

Die Literaturverfilmung, basierend auf dem Roman von Nobelpreisträger François Mauriac, ist zu Claude Millers letztem Film geworden; er starb im April 2012. Filme mit Frauen waren seine Stärke, Garde à vue (1981) mit Romy Schneider beispielsweise oder Mortelle Randonnée (1983) mit Isabelle Adjani. Zum Abschied also «Thérèse Desqueyroux» mit Audrey Tautou - kein bewegender Film, eher ein zurückhaltendes provinzielles Sittengemälde und müder Nachruf auf die Zeit zwischen 1920 und 1930.

weitersagen

Mehr Filmkritiken

Herr der Laborratten

Thomas ist mitten in einem Labyrinth. Mit ihm sind weitere Jugendliche, und sie alle haben ihr Gedächtnis verloren. mehr...

Gelungener Reboot

Die Teenage Mutant Ninja Turles sind wieder da und werden die Welt vor dem Bösen beschützen. Mit Megan Fox. mehr...

Unehrlich währt am längsten

Warum verschwand Amy Dunne? Ihr Mann gerät unter Verdacht. Von David Fincher, mit Ben Affleck. mehr...

Vorurteile kennen keine Grenzen

Komödienkino aus Frankreich. Eine Odyssee durch vier Hochzeiten zwischen Kulturschock und Völkerfreundschaft. mehr...

Die Ein-Mann-Armee

Wenn jemand in Not ist, erwacht McCalls Gerechtigkeitssinn zu neuem Leben. Mit Denzel Washington. mehr...

Früher war mehr Glamour

Um es dem ehemaligen Chef heimzuzahlen stehlen ihm Richard und Kate einen Diamanten. Mit Pierce Brosnan und Emma Thompson. mehr...

Der mit dem Holzhammer inszeniert

Anwalt Hank Palmer (Robert Downey Jr.) kehrt in seine Heimatstadt zurück, weil sein Vater einen Mord begangen haben soll. mehr...

Der Beginn einer Legende

Die Geschichte des blutrünstigen Prinz Vlad Dracula von Transsylvanien mit Luke Evans. mehr...

Community

PlayStation Movie Charts
5
1
4
2
3
5
2
2
1
2
2.8
12 User
5 1
Mein Kommentar
member img
2 Kommentare
member img
Thérèse Desqueyroux
sooderso 2 5 1

Interessanter Auftakt eines Dramas. Die Schöne heiratet den Reichen. (Obwohl sie ja nicht arm war und er nicht schön). Naja, so nimmt es seinen Lauf. Man sieht von Anfang an, dass da keine Liebe im Sp...
mehr
member img
Thérèse Desqueyroux
zuckerwättli 3 5 1

klassisch schön, aber auch nicht wirklich aufregend speziell.

PlayStation Movie Charts

Erfahre mit den PlayStation Movie Charts, welches die beliebtesten Kinofilme der Schweiz sind und gewinne monatlich tolle Preise!

Bewerte und kommentiere selber Kinofilme.

  = miserabel
  = kaum sehenswert
  = Mittelmass
  = gut
  = Meisterwerk