Steve, Andrew und Matt finden im Wald ein außerirdisches Artefakt, das ihnen übermenschliche Kräfte verleiht. Sie können per Telekinese Objekte bewegen, werden langsam immer stärker und sind dann auch in der Lage zu fliegen. Zuerst nutzen sie ihre Kräfte nur für kindische Streiche. Doch Andrew, der ein Leben lang ein Außenseiter war, sieht sich nun in der Machtrolle. Immer öfter setzt er seine Kräfte gegen Menschen ein, die ihm zu nahe kommen. Das einzige, was seinem Machtanspruch noch im Weg steht, sind seine Freunde.
Was Regisseur Josh Trank und sein Ko-Autor Max Landis hier entwickelt haben, ist natürlich nicht neu. Sie orientieren sich an gängigen Superheldenstoffen, aber auch an Vorlagen wie den Anime Akira. Dabei ist Chronicle aber nicht nur bloßes Aufkochen von Altbekanntem, sondern wird in neuer Verpackung präsentiert. Die wiederum hat es in sich. Ist die Kamera anfangs bieder und «hand-held», wird sie schon bald von allen Fesseln befreit, schwebt neben den Protagonisten, wird von ihnen manipuliert und bleibt in rasanter Dynamik an ihrer Seite.
Im Kern ist Chronicle die Geschichte einiger Teenager, die nach klaren Klischees gestaltet sind: die Sportskanone, der Kluge und der Ausgegrenzte. Auch sonst ist sich Chronicle für kein Klischee zu schade. Das gilt insbesondere für den total überzogenen Vater-Sohn-Konflikt, der am Krankenbett kulminiert. Aber Chronicle ist so sympathisch, schroff und in anderer Hinsicht ehrlich erzählt, dass man ihm das gerne nachsieht.
Technisch ist das sehr interessant umgesetzt. Die Special Effects sind nicht immer überragend, aber besonders das erste Mal, als die Jungs fliegen, kann man sich ein Wow nicht verkneifen. Das Ende des Films schielt auf ein Sequel. Es ist die Geburtsstunde eines Superhelden, auch wenn es dafür keines Kostüms bedarf. Auch das ist eine der Stärken von Chronicle. Die Macher haben kapiert, was gute Comic-Schöpfer schon lange wissen: Ein großes Superheldendrama braucht keine Kostüme.