Arbitrage
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Interview

Richard Gere: «Darüber könnte ich stundenlang reden»

Tibet, natürlich - aber da sitzt auch noch Susan Sarandon und schlürft Grüntee: das, nun ja, Traumpaar aus «Arbitrage» über Sex, Macht und Hedgefonds.

«Arbitrage» ist ein Begriff aus dem Investmentbanking. Wie gut sprechen Sie die Sprache dieser sehr eigenen und komplexen Welt?
Susan Sarandon: Ich habe jahrelang vergeblich zu verstehen versucht, was Hedgefonds sind. Gott sei Dank hatte ich damit im Film nichts am Hut - ganz im Gegensatz zu Richard: Er musste wirklich verstehen, was die da veranstalten. Jetzt bitte du, Schatz?
Richard Gere: Kann ich nicht einfach meinen Tee trinken und dir zuhören? (lacht) Mein Finanzberater war immer äusserst konservativ, der hat nicht gezockt, was mich gut durch die turbulenten Zeiten brachte. Ich habe an der Börse nie wirklich viel Geld verdient, aber auch nie grosse Summen verloren.
Sarandon: Das ist bei mir genau gleich. Ich kaufe Land. Dinge, die man anfassen kann. Ich besitze Häuser, solche Sachen.

Sehen Sie sich in Arbitrage als «Bad Guy» oder einen Mann, der einfach tut, was ihm notwendig scheint?
Gere: Wir haben uns früh dafür entschieden, diesen Robert Miller als ganz normalen Menschen zu zeigen, der reihenweise schlechte Entscheidungen trifft, die Ausdruck einer bestimmten Geisteshaltung und Weltsicht sind. Ich glaube nicht, dass er dabei systematisch vorgeht wie ein Bernie Madoff, der ein systematischer Betrüger war und offensichtlich geistig krank. Ich wollte meine Figur nicht in diese Ecke drängen. Ich glaube, Robert Miller ist wie Sie und ich, er hat bloss viel mehr Macht, Geld und Einfluss. Aber man kann sich mit ihm in vieler Hinsicht identifizieren.

Diese Hedgefonds-Manager verdienen Milliarden. Halten Sie das für moralisch vertretbar?
Gere: Kommt darauf an, was sie mit ihrem Geld machen. Wir kennen Leute, die stellen unglaubliche Dinge an mit ihrer Kohle. Und es gibt andere, die polieren damit nur auf bedenkliche Weise ihre aufgeblasenen Egos.
Sarandon: Ist es okay, dass Schauspieler so viel Geld verdienen? Ich meine: Einige Schauspieler?
Gere: Susan zum Beispiel verdient viel mehr als sie eigentlich wert ist. Und sie ist erst noch stolz darauf.
Sarandon: Ich biete den Leuten auf dem Set an, mit mir Sex zu haben. Deshalb werde ich so gern angestellt.
Gere: Und ich habe Fotos davon. (lacht)
Sarandon: Ich mag's, wenn die Crew gut drauf ist.


Man hat gehört, Arbitrage sollte mit dem Geld eines Milliardärs produziert werden, der sich als Hochstapler herausstellte.
Gere: Da wissen Sie mehr als ich.

Wie war's, 8 Jahre nach Shall We Dance wieder miteinander verheiratet zu sein?
Sarandon: Ich glaube, das hier ist die beste Ehe, die wir je führten. (lacht) Man will immer mit jemandem zusammenarbeiten, der besser und stärker ist als man selbst, weil es einen auch besser macht. Wir waren uns aber auf dem Set in vielen Dingen nicht einig - und sind es bis heute nicht. Aber von dieser Spannung lebt auch der Film.

Wo gehen die Meinungen denn auseinander?
Sarandon: Wir haben unterschiedliche Ansichten darüber, was am Schluss des Films passiert.
Gere: Habe ich diesen Vertrag wirklich unterschrieben?
Sarandon: Oder erst nach dem Dinner? Ich finde, an dieser Ehe ist ja wirklich toll, dass sie trotz allem zu ihm hält.
Gere: Menschen kommen über Schwierigkeiten hinweg, viel mehr, als man das in Filmen sieht. Nicht unbeschädigt, aber sie schaffen es.
Sarandon: Durchkommen - das ist der springende Punkt. Weil es einen zwingt, sich miteinander zu unterhalten, über das Leben zu reden, sich verletzlich zu zeigen. Leider gibt es Leute, die nicht wissen, wie man miteinander spricht, die können sich nicht öffnen, werden nie kapieren, warum es vielleicht mal nötig gewesen wäre, dem Partner zuzuhören. Allen anderen bietet jede Krise auch die Möglichkeit, sich näherzukommen.

Richard Gere und die Schweiz: Das ist auch die Geschichte einer grösseren Freundschaft?
Gere: Ich war 1983 erstmals hier, an einem zweiwöchigen Seminar mit dem Dalai Lama in Rikon. Eine grossartige Erfahrung. In der Schweiz leben ja über 4'000 Tibeter.
Sarandon: Das wusste ich nicht. Warum denn?
Gere: Weil die Schweiz so grosszügig war, unsere tibetischen Brüder und Schwestern aufzunehmen. Hier gibt's auch Berge, und man kann direkt von Delhi herfliegen.

Sie führen mit Ihrer Frau mittlerweile ein Boutique-Hotel. Aber Ihr Herz schlägt nach wie vor für Tibet.
Gere: Oh ja. Das ist sehr wichtig für mich und die Zukunft der Welt. Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir über China reden. Es gibt die Chinesen, die genau so denken wie wir alle an diesem Tisch. Und daneben gibt es die Kommunistische Partei, der es nur um eine einzige Frage geht: Wie kontrolliere ich Ressourcen und Macht? Wir tun für die Tibeter am meisten, wenn wir die Demokratiebewegung in China unterstützen. Das gilt auch für die Menschenrechte. Was die Situation der Tibeter erschwert, ist die gezielte Desinformation. Die Partei hat die Tibeter über Generationen hinweg dämonisiert, sie als einen fehlgeleiteten Volksstamm bezeichnet, der nicht ganz normal sei. Darüber könnte ich noch stundenlang reden.
Sarandon: Sogar zu mir kamen Chinesen und fragten: Warum hassen Sie uns? Nur wegen der klitzekleinen Verbindung, die ich mit dem Dalai Lama hatte.
Gere: Die ersten chinesischen Dissidenten, mit denen ich mich in New York traf, sagten mir: Sogar wir, die wir alles an der chinesischen Politik missbilligen, sind in dieser Frage unsicher, weil man uns von Kindsbeinen an eintrichterte, die Tibeter seien Tiere.

Was bedeutet Ihnen dieser Award, den Sie am Zurich Film Festival erhalten?
Gere: Ich halte das für eine grosszügige und nette Geste. Und es ehrt die Tatsache, dass ich alt bin und überlebt habe. (lacht)
Sarandon: Ich bin glücklich, dass du nicht den «Lifetime Achievement Award» kriegst. Der beunruhigt mich immer, weil man weiss: Es ist vorbei.

Wenn wir's schon von Awards haben: Sie waren noch nie für einen Oscar nominiert. Sind Sie diesmal fällig?
Gere: Dass ich immer übergangen werde, hat mich eigentlich nur im Falle von Chicago genervt. Ein herrlicher Film, der mir grossen Spass gemacht hat. Und alle wurden für einen Oscar nominiert - ausser ich. (lacht)

Die Fragen stellte Stefan Gubser, Cineman.ch

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