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Filmkritik

Verzwickte Verhältnisse

Die amerikanische Independent-Regisseurin Lynn Shelton führt in ihrer Tragikomödie einen Mann, seine beste Freundin und deren Schwester zusammen. Das führt zu einem Gefühlschaos, das teils amüsant ist, an dem man aber wenig Anteil nimmt.

Ein Jahr nach dem Tod seines Bruders steht Jack (Mark Duplass) noch immer neben sich. Seine beste Freundin Iris (Emily Blunt) schickt ihn deshalb ins abgelegene Haus ihres Vaters, wo er zu sich selber finden soll. Doch da hat sich bereits Iris' lesbische Halbschwester Hannah (Rosmarie DeWitt) eingerichtet, die soeben ihre langjährige Beziehung beendet hat. Hannah macht es nichts aus, wenn Jack auch im Haus ist, und Jack ist froh um einen Trinkkumpanen. Ausserdem, und das drückt er in seiner charmanten umständlich-höflichen Art aus, wäre er nicht abgeneigt, «unter anderen Umständen», «wobei das ja unmöglich ist, weil Hannah lesbisch ist», «aber falls sie jetzt doch». Kurzum: Die beiden landen zusammen im Bett.

Am nächsten Tag stösst Iris spontan dazu, Hannah und Jack vereinbaren Stillschweigen. Doch die Probleme fangen erst an. Iris erzählt Hannah im Vertrauen, dass sie in Jack verliebt ist. Allerdings ist sie nicht nur Jacks beste Freundin, sondern auch die Ex-Freundin seines verstorbenen Bruders. Jack wiederum ist still entsetzt, als er mitbekommt, das Hannah sich sehnlichst ein Baby wünscht und überlegt, wie sie zu einem Samenspender kommt.

Das klingt im ersten Moment nach einer verworrenen Story, sie ist jedoch straff und leichtfüßig erzählt. Die Handlung entwickelt sich vor allem über die Dialoge und ist reduziert auf drei Personen und einen Ort. So erinnert der Film oftmals an ein Kammerspiel, das man sich gut auf einer Bühne vorstellen könnte, wären da nicht hin und wieder die Pausen, die Shelton den Zuschauern von den gesprächslastigen Szenen gönnt, indem sie die Figuren wortlos durch die herbstliche Landschaft streifen lässt.

Allzu tief dringt die Regisseurin nicht ins Innere ihrer Figuren vor. Deren Vorgeschichte, die durchaus interessiert hätte, ist fast ganz ausgeblendet. Vielmehr geht es darum, was im Jetzt zwischen den Figuren geschieht und wie jede anders mit ihrem Dilemma umgeht. Dabei hat Shelton ihren Schauspielern viel Raum zur Improvisation gelassen. Immer wieder schimmern die Unterschiede in den beiden Geschwisterbeziehungen durch: Jack und sein Bruder fanden offenbar im Gegensatz zu Hannah und Iris nie zueinander - oder hatten nicht mehr Gelegenheit dazu. Sheltons Film schwankt zwischen Komödie und Drama; die komische Note ist vor allem Mark Duplass als selbstironischem Jack zu verdanken. Trotz witziger Momente bleibt der Film eher blass; zu wenig fühlt man mit den Figuren mit.

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