The Ides of March - Interview
| Aka Titel: | Tage des Verrats |
| Land (Jahr): | USA (2011) |
| Genre: | Thriller |
| Filmlänge: | 98min |
| Regie: | George Clooney |
| Kinostart: | 22.12.2011 |
| 26.10.2011 (Romandie) | |
| Drehbuch: | George Clooney |
George Clooney: «Schlafe nie mit der Praktikantin!»
Er kennt sie, die Fallstricke der Politiker. Warum es ihn aber nicht ins Weisse Haus zieht, dafür immer mehr hinter die Kamera: George Clooney im Gespräch.
In The Ides of March spielen Sie einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, der mit den besten Absichten startet, um letztlich an sich selbst zu scheitern. Weshalb?
Wenn man den Ehrgeiz, hat, es um jeden Preis ganz nach oben zu schaffen, kann es eben sein, dass man diesen Preis irgendwann bezahlen muss. Dass man dafür seine Seele verkaufen muss. Scheint ja in letzter Zeit recht oft zu passieren.
Welche Lektion hält der Film für Politiker parat?
Schlafe nie mit der Praktikantin! (Lacht.) Und ganz generell gilt: Lichte dich nie in deinen Unterhosen ab und verschicke die Fotos per Email. Lass' die Finger von Twitter, wenn du für ein politisches Amt kandidierst. Man kann den Politikern viele Ratschläge geben in diesen Tagen. Aber der Beste ist sicher: Kein Sex mit der Praktikantin.
Und wann steigen Sie endlich in die Politik ein?
Sieht ja mächtig nach Spass aus, was Präsident Obama jeden Tag zu tun hat, ich kann mir nichts Lustigeres vorstellen. (Lacht.) Nein, ich habe absolut kein Interesse daran, in die Politik einzusteigen, das hatte ich auch nie. Es ist natürlich grossartig, dass ich mittlerweile Themen aufs Tapet bringen kann, die mir wirklich wichtig scheinen, und dass ich als Aussenstehender meine Meinung einbringen kann. Aber wenn man wirklich Politik machen will, muss man so viele Bedürfnisse befriedigen. Da ist es sehr schwer, auf der Seite zu bleiben, die man für die richtige hält. Das ist nichts für mich, ich muss das nicht machen. Und ich müsste ein viel zu schönes Haus aufgeben für diesen Job. (Lacht.)
Wer, wenn nicht Sie, soll denn der nächste US-Präsident sein?
Kim Kardashian vielleicht? Und ich würde immer für Johnny Depp stimmen. (Lacht.)
Ist der Machtkampf in Hollywood der Spitzenpolitik nicht ziemlich ähnlich?
Los Angeles ist wie Washington mit schöneren Menschen - man vergleicht die beiden Welten gerne, das stimmt. Aber im Grunde sind sie, glaube ich, völlig verschieden. In Washington wird man gewählt, um Dinge zu tun, die man jemandem versprochen hat und wird einsehen müssen, dass das nicht geht, weil die Mühlen dort anders mahlen. Mein Vater hat einst für den Kongress kandidiert. Ich musste mit ansehen, wie schwer es ihm fiel, das zu tun, was man einfach tun muss. Zum Beispiel Spenden sammeln bei Firmen, mit denen man lieber nichts zu tun haben will. Ohne das läuft in der US-Politik aber gar nichts. Es ist verdammt schwer, in der Politik nicht seine Seele zu verlieren. Ich habe meine Seele übrigens verloren - letzte Nacht. Schon mal von Tequila gehört?
Wie schön: Es gibt also doch noch Dinge, die einen George Clooney umhauen.
Sicher. Auch viel Talent zum Beispiel. Ich bin beruflich oft von begabten jungen Menschen umgeben und ertappe ich mich nicht selten dabei, wie ich sie beim Drehen beobachte, sogar wenn ich mitspiele. Was ich allerdings für etwas sehr Gesundes halte: Nur Menschen mit zu viel Selbstvertrauen können nicht richtig zusehen.
In The Ides of March spielen Sie zwar eine der Hauptrollen, Sie führen aber in erster Linie Regie. Warum zieht es Sie immer öfter hinter die Kamera?
Es gibt so viel zu tun im Leben! Je älter ich werde, desto weniger habe ich Lust, mich selbst auf der Leinwand zu sehen. Schreiben und Regie führen sind die viel kreativeren Teile beim Filme machen.
Sind Sie als Schauspieler leichter zu führen, seit Sie selber Regie führen?
Ich lasse mich gern von Leuten herumkommandieren, die smarter sind als ich. (Lacht.)
Worauf sollte sich ein Schauspieler gefasst machen, wenn Sie Regie führen?
Wenn ich trinke, kann ich sehr böse werden. Und Frauen ... (lacht) Nein, Quatsch, ich hab's gern locker auf dem Set. Mir liegt immer viel daran, dass beim Drehen alle ihren Spass haben. Was alle grossen Regisseur ausmacht, mit denen ich gearbeitet habe, Steven Soderbergh, die Coen-Brüder oder ein Jason Reitman: Die wollen nur, dass man sich wohl fühlt auf dem Set. Es bringt ja nicht besonders viel, wenn man Leute anschreit.
Was treibt Sie noch an? Sie könnten sich doch einfach einen Bart wachsen lassen und am Comersee alt werden.
(Nimmt einen Schluck aus dem Glas.) Da ist Wodka drin. (Lacht.) Ich bin jetzt in der wunderbaren Position, Leute zwingen zu können, Filme zu machen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. (lacht) Dafür musste ich aber hart arbeiten. Es war nur schon verdammt hart, The Ides of March zu realisieren. Wir mussten sehr viele verhältnismässig kleinere Geldsummen auftreiben, um ihn finanziert zu kriegen, und alle Beteiligten haben für sehr wenig Geld gearbeitet. Aber solange ich noch kann, will ich alles in Bewegung setzen, um die Projekte zu realisieren, die mich wirklich interessieren. Wenn mich die Leute eines Tages dann wirklich nicht mehr sehen wollen, verkaufe ich halt mein Haus in Como und schiebe irgendwo eine ruhige Kugel.
[George Clooney wurde interviewt von Stefan Gubser, Cineman.ch]
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