| Aka Titel: | Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn |
| Land (Jahr): | Neuseeland, USA (2011) |
| Genre: | Action, Adventure, Animation, Mystery |
| Filmlänge: | 107min |
| Regie: | Steven Spielberg |
| Kinostart: | 27.10.2011 |
| 26.10.2011 (Romandie) | |
| 28.10.2011 (Tessin) |
Jamie Bell: «Wie nobel ist das denn!»
Der «Tintin»-Star über sein erstes Mal «Performance Capture», seine Ehrfurcht vor Steven Spielberg und kindliche Berufswünsche.
Sind Sie eigentlich mit Tim und Struppi aufgewachsen?
Ich habe mir als Kind die franko-kanadische TV-Serie angeschaut, allein in meinem Zimmer. Mich hat immer fasziniert, dass Tim und Struppi so anders war als all die anderen Comics, die ich kannte. Tim kämpft gegen Ungerechtigkeit, gegen Korruption in der Politik. Solche Themen sucht man bei Tom und Jerry vergeblich. Das war mir sehr früh bewusst.
Tim ist wohl der einzige schreibende Journalist, der nicht einen einzigen Artikel verfasst hat.
Das ist allerdings bemerkenswert. Er setzt sich tatsächlich nicht ein einziges Mal hin und schreibt - aber das spielt doch keine Rolle! Tim hat etwas Heroisches, er klärt Verbrechen auf! Und er ist ein echter «Gutmensch»: Tim macht ja nie etwas Schlechtes, er ist einzig und allein davon angetrieben, die Welt besser und gerechter zu machen. Wie nobel ist das denn!
Ihre Meinung zum Journalismus von heute?
Ich wollte früher selber Journalist werden - und zwar wegen Tim und Struppi. Heute scheint mir: Der Journalismus geht vor die Hunde. Die digitalen Medien sind Gift für den guten alten investigativen Journalismus, die eigentliche Kunst des Journalismus'. Das nervt.
«Jamie, du spielst Tim!» Der Zuschlag muss sich gut angefühlt haben.
Ich nahm's viel persönlicher als gewöhnlich. Zum Einen, weil mir die Figur so viel bedeutet: Ich wollte immer schon reisen, wollte die Welt sehen, wollte gefährlich leben, ich wollte Verbrechen aufklären, ich wollte ein Journalist sein, wie gesagt. Zum Andern war Jurassic Parc der erste Film, den ich im Kino gesehen habe, als ich acht war. Das hat mich total umgehauen, ich wusste nicht, wie mir geschieht, ich hatte keine Ahnung, wie man so etwas hinkriegt, und dachte nur: Dieser Spielberg muss ein Genie sein. Das Zusammenkommen der Figur, die mein Leben veränderte, und des Regisseurs, der mein Leben veränderte, war fast zu viel für mich. Ich war für eine ganze Weile richtig benommen.
Was halten Sie vom neuen Zauberwort «Performance Capture»?
Find' ich eine grossartige Sache, glaube aber, dass die Methode bisher falsch eingesetzt wurde. Für mich als Schauspieler ist «Performance Capture» genau dasselbe wie die ganz normale Schauspielerei: Ich spiele eine Figur, die hat Gefühle und steckt in einer Geschichte drin.
Aber Sie brauchen kein Make-up mehr.
Ich schminke mich ja nicht selbst. (Lacht.) Mein Problem ist: Ich habe einer Person in einem Raum zu begegnen - im Rahmen einer dramatischen Situation. Das ist alles, wofür ich mich interessiere - für uns Schauspieler bleibt trotz aller Technik wirklich alles beim Alten. Ist aber natürlich aufregend, wenn man sich plötzlich animiert sieht.
Tim sei ein Gutmensch, sagten Sie. Das macht's aber schwer, sich mit ihm zu identifizieren?
Er hat schon einen inneren Konflikt: Story oder Freundschaft - was ist wichtiger? Damit hat er Mühe, weil er ein radikaler Einzelgänger ist. Dieser Tim hat ja niemanden, er hat keine Kollegen, keine Eltern, und sein einziger Freund ist ein Hund. Alles, was in seinem Leben zählt, ist das Abenteuer, in dem er gerade drinsteckt. Was aber passiert, wenn er seinen Fall mal nicht löst? Am Schluss findet er einen Freund, der ihm mehr bedeutet als seine Story.
Das erinnert an Indiana Jones.
Das haben Sie gesagt.(Lacht.) Naja, aber über Indiana Jones weiss man schon mehr: Er hat Angst vor Schlangen. Er hat ein Problem mit Frauen. Da gibt es einiges, was diese Figur psychologisch erklärt. Ganz anders hier: Hergé sagt uns nichts darüber, wer dieser Tim ist, das ist ja das grosse Rätsel. Tim löst die ganze Zeit seine Fälle, aber das grösste Rätsel ist: Wer ist dieser Kerl? Genau diese Leerstelle ist grossartig für mich als Schauspieler, weil sie mir viel Raum lässt.
Peter Jackson und Steven Spielberg gemeinsam auf einem Set: Wie soll das denn gehen?
Peter hat etwas mehr Ahnung von der ganzen Technik, was Steven half, sich wohl zu fühlen. Dafür ist Steven extrem zuhause bei Tim und Struppi; diese Art von Geschichte ist ja sein Ding: «Da ist ein Schatz - bitte finden!» Stevens Fähigkeit, Dinge zu visualisieren und Figuren zu zeichnen, gepaart mit Peters Humor und Sprachwitz - schon eine ziemlich abgefahrene Kombination.
Also das genaue Gegenteil von Schulze & Schultze.
Die Zwillinge? (Lacht.) Wie ich schon sagte: Die beiden ergänzen sich einfach sehr gut. Mal hat Steven eine Idee, und Peter verfeinert sie, mal ist es genau umgekehrt. Und wir Schauspieler sitzen einfach da und staunen Bauklötze, was die einfach so aus dem Ärmel schütteln. Man denkt vielleicht,das kann ja nicht gut kommen, wenn zwei solche Riesen-Egos zusammenarbeiten. Kam es aber, weil sie etwas erschaffen wollen, das es noch nie vorher gab. Da verschmelzen zwei kreative Köpfe. Dabei zusehen zu dürfen, war fantastisch.
[Jamie Bell wurde interviewt von Stefan Gubser, Cineman.ch]
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