Mallory Kane arbeitet als Sonderagentin für die amerikanische Regierung. Unter Einsatz ihres Lebens erfüllt sie weltweit Aufträge, die offiziell nie erteilt wurden. Gerade hat sie eine Geiselnahme in Barcelona beendet, doch anstelle einer wohlverdienten Auszeit wird sie von ihrem Auftraggeber für eine kurze, aber wichtige Mission nach Dublin geschickt. Doch die Aktion entpuppt sich als Falle, Mallory sollte aus dem Weg geräumt werden. Sie kann entkommen und muss nun gegen die Männer aus den eigenen Reihen kämpfen.
Ähnlich wie Bourne oder Bond folgt auch Haywire dem klassischen «Eine(r) gegen alle»-Schema, nur ist es diesmal eine Frau, die eine ordentliche Portion Misstrauen und noch mehr Schlagkraft mitbringen muss. Doch im Gegensatz zu den oben genannten Reihen wird hier weniger auf High-Tech-Gimmicks, Explosionen und Verfolgungsjagden in Helikoptern oder auf Jetskis gesetzt, sondern Soderbergh vertraut auf das reale Talent seiner Hauptdarstellerin. Gina Carano ist nämlich ehemalige Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, und so darf sie ihr Können in allerlei ausführlichen Nahkämpfen unter Beweis stellen. Dies ist zwar anfangs großartig anzusehen, doch auf Dauer wirken die sich ständig wiederholenden Klammergriffe etwas ermüdend.
Überhaupt kommt Haywire nicht wirklich in Fahrt. Die gesamte erste Stunde wird in Rückblenden erzählt, wodurch die Spannung relativ gedrosselt wird. Zwar kann die Heldin dadurch in verschiedenen Metropolen der Welt agieren, aber das Tempo zieht trotz Location-Hopping nicht wirklich an. An diesem Punkt rächt sich auch der Verzicht auf explosive Action, denn die relativ dünne Geschichte ist schnell durchschaut und so folgt man der Heldin nur von einem perfekt choreographierten Faustkampf zum nächsten.
Gina Carano beweist in ihrer ersten Hauptrolle nicht nur ihr sportliches (sie hat alle Stunts selbst gemacht), sondern auch ihr schauspielerisches Talent. Doch hinwegtrösten über die etwas zu klassisch geratenen Inszenierung kann sie leider nicht. Und auch wenn der Score von Haywire an italienische Polizeifilme der 1970er Jahre erinnert, ist es doch keine Hommage an das körperbetonte Actionkino, dafür ist das humorlose Understatement zu spürbar. Und so ist der Film nicht mehr als eine durchschnittliche weibliche Bond-Bourne-Variante und eine Einführung in die Mixed-Martial-Arts-Kampfkunst.