Interview
Daniel Craig: «Ich bin keine Quasselstrippe.»
Der blonde Bond über die Angst vor dem Reiten, seine Facebook-Aversion, falsche Fragen und Filmpartner Harrison Ford.
Gehörten Sie zu den Kindern, die Cowboys und Indianer gespielt haben?
Oh ja, selbstverständlich. Ich war manchmal Cowboy, manchmal Indianer. In unserer Generation fing es ja zum Glück an, dass man ein gewisses Gespür dafür bekam, dass die Indianer vielleicht doch nicht die Bösen waren. Da hinterließen die Bürgerrechtsbewegung und der Vietnamkrieg selbst auf dem Spielplatz Spuren. Und natürlich auch im Kino. Mein Lieblingswestern etwa war immer Little Big Man, in dem die historischen Fakten wesentlich deutlicher wurden als in früheren Western und auch endlich indianisch-stämmige Schauspieler mitwirkten, nicht nur rot angemalte Weiße.
Wie erklären Sie sich die letztlich ungebrochene Faszination für Western?
Die scheint sehr tief im menschlichen Unterbewusstsein verankert, und das auf der ganzen Welt. Vermutlich liegt das auch daran, dass dieses Genre wie kein anderes das Kino geprägt hat und für dessen Ursprünge steht. Der große Eisenbahnraub von 1903, einer der ersten Filme überhaupt, war ein Western! Mit Männern, die von Pferden fallen, fing das an, was wir heute als Action und Stunts bezeichnen.
Sind Sie während des Drehs auch mal vom Pferd gefallen?
Wo denken Sie hin? Kein einziges Mal. Meine Filmpartnerin hatte einen ziemlich schlimmen Sturz. Zum Glück ist sie eine sehr erfahrene Reiterin und wusste sich abzurollen, deswegen ging die Sache sehr glimpflich aus. Wäre mir das passiert, wäre ich vermutlich wie ein nasser Sack auf den Boden geknallt und hätte mir alle Knochen gebrochen. Genau deswegen habe ich mich auch immer noch besser festgehalten als alle anderen.
Klingt ja fast, als hätte James Bond Angst vorm Reiten...
So würde ich das nicht unbedingt ausdrücken. Aber tatsächlich stellte mich dieser Rolle vor ganz andere körperliche Herausforderungen als etwa die James Bond-Filme. Genau das interessierte mich ja so daran. Wenn man auf einem Pferd sitzt und durch die Wüste reitet, kann man nun einmal nicht zur Sicherheit mit unsichtbaren Drähten angeseilt sein. Doch ich wollte so unbedingt mal einen Cowboy spielen, dass ich mich davon nicht habe abschrecken lassen.
Wie bereitet man sich denn - abgesehen vom Reitunterricht - auf die Rolle eines Cowboys vor?
Natürlich habe ich mir jeden Western angeguckt, den ich in die Finger bekam. Selbst die, die ich schon kannte, was auch schon eine ganze Menge war. Aber vor allem habe ich die Männer beobachtet, die bei uns am Set für die mindestens 50 Pferde zuständig waren. Das sind ja tatsächlich Cowboys, fast so als seien sie irgendwie aus der Zeit gefallen. Sie gehen und reden genauso, wie man sich Cowboys nach all den Filmen vorstellt. Von den Hüten über den Kautabak bis hin zu den Messern, mit denen sie ständig irgendetwas schnitzen, erfüllen sie wirklich alle Klischees. Bessere Vorbilder für meine Figur hätte ich nicht finden können.
Ihre Figur spricht nicht gerade viel.
Das fand ich das Tollste an ihm, schließlich bin ich selbst auch keine Quasselstrippe. Cowboys schießen erst, bevor sie Fragen stellen. Und über ihre Gefühle oder ihr Privatleben reden sie schon mal gar nicht. Das ist ganz nach meinem Geschmack, also kommen Sie bloß nicht auf die Idee und fragen in diese Richtung.
Macht es Sie wütend, dass Sie immer wieder nach Ihrem Privatleben gefragt werden?
Das ist schon in Ordnung. Ich gebe einfach keine Antworten, damit muss die Presse klar kommen. Aber ich weiß natürlich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit, neugierige Journalisten und auch mal aufdringliche Fotografen zu meinem Beruf dazugehören. Darüber will ich mich nicht beschweren, denn gleichzeitig beschert der Job mir ja enorm viel Gutes. Gewisse Grenzen dürfen nicht überschritten werden, dann werde ich sauer. Allerdings würde das doch jedem so gehen, nicht nur Prominenten.
Sie meiden auch das Internet, Netzwerke wie Facebook und Twitter, nicht wahr?
Dafür interessiere ich mich einfach nicht, denn ich habe nichts, was ich öffentlich teilen will. Kürzlich habe ich mich in einem Interview darüber beschwert, wie viel Hass sich im Internet oft entlädt. Das wurde online natürlich viel kommentiert, und was soll ich sagen: ich wurde prompt bestätigt, denn auch da schlug mir wieder enorm viel hasserfülltes Feedback entgegen. Jeder soll selbst wissen, wie weit er sich auf Twitter und Co. einlässt. Aber dann darf man auch nicht empört sein, wenn die Sache irgendwann nach hinten losgeht. Und das tut sie früher oder später.
Nach langer Verzögerung aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beginnen demnächst nun endlich die Dreharbeiten zum neuen 007-Abenteuer. Hatten Sie zwischenzeitlich die Hoffnung auf einen neuen Film aufgegeben?
Ehrlich gesagt habe ich mich mit all den Schwierigkeiten der Produzenten so gut wie gar nicht beschäftigt. Das lag ja kein bisschen in meiner Hand, ich hätte nichts machen können, um den Prozess irgendwie zu beschleunigen. Und es ist auch nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts zu tun gehabt hätte. Aber ich bin mindestens so froh wie Sie, dass es nun weitergeht. Vor allem, weil Sam Mendes die Regie übernommen hat und das Drehbuch wirklich hervorragend ist.
Vorher wird man Sie noch in David Finchers US-Version von The Girl with the Dragon Tattoo sehen. Wird die sich sehr von der schwedischen Verfilmung des Stieg Larsson-Romans unterscheiden?
Keine Ahnung, denn die habe ich ganz bewusst nicht gesehen. Ich habe viel Gutes darüber gehört, aber das hätte mich nur abgelenkt von meiner eigenen Rolle. Um meine eigene Interpretation der Figur zu finden, reichte es vollkommen, das Buch zu lesen.
Zum Abschluss noch ein paar letzte Worte zu Harrison Ford, Ihrem Filmpartner in Cowboys & Aliens.
Oh, Harrison! Ich war am Anfang wirklich ein bisschen ehrfürchtig, was die Arbeit mit ihm angeht. Ich bin ein riesiger Fan von ihm - und das schon seit vielen, vielen Jahren, denn der Kerl ist schließlich ein alter Knacker! Aber vor allem ist er der einzig Wahre! Er reitet, hat einen Pilotenschein, besitzt eine Ranch: mehr Kerl als er kann man kaum sein. Außerdem ist er verdammt witzig, selbst wenn er das nicht immer sofort zeigt.
Oh ja, selbstverständlich. Ich war manchmal Cowboy, manchmal Indianer. In unserer Generation fing es ja zum Glück an, dass man ein gewisses Gespür dafür bekam, dass die Indianer vielleicht doch nicht die Bösen waren. Da hinterließen die Bürgerrechtsbewegung und der Vietnamkrieg selbst auf dem Spielplatz Spuren. Und natürlich auch im Kino. Mein Lieblingswestern etwa war immer Little Big Man, in dem die historischen Fakten wesentlich deutlicher wurden als in früheren Western und auch endlich indianisch-stämmige Schauspieler mitwirkten, nicht nur rot angemalte Weiße.
Wie erklären Sie sich die letztlich ungebrochene Faszination für Western?
Die scheint sehr tief im menschlichen Unterbewusstsein verankert, und das auf der ganzen Welt. Vermutlich liegt das auch daran, dass dieses Genre wie kein anderes das Kino geprägt hat und für dessen Ursprünge steht. Der große Eisenbahnraub von 1903, einer der ersten Filme überhaupt, war ein Western! Mit Männern, die von Pferden fallen, fing das an, was wir heute als Action und Stunts bezeichnen.
Sind Sie während des Drehs auch mal vom Pferd gefallen?
Wo denken Sie hin? Kein einziges Mal. Meine Filmpartnerin hatte einen ziemlich schlimmen Sturz. Zum Glück ist sie eine sehr erfahrene Reiterin und wusste sich abzurollen, deswegen ging die Sache sehr glimpflich aus. Wäre mir das passiert, wäre ich vermutlich wie ein nasser Sack auf den Boden geknallt und hätte mir alle Knochen gebrochen. Genau deswegen habe ich mich auch immer noch besser festgehalten als alle anderen.
Klingt ja fast, als hätte James Bond Angst vorm Reiten...
So würde ich das nicht unbedingt ausdrücken. Aber tatsächlich stellte mich dieser Rolle vor ganz andere körperliche Herausforderungen als etwa die James Bond-Filme. Genau das interessierte mich ja so daran. Wenn man auf einem Pferd sitzt und durch die Wüste reitet, kann man nun einmal nicht zur Sicherheit mit unsichtbaren Drähten angeseilt sein. Doch ich wollte so unbedingt mal einen Cowboy spielen, dass ich mich davon nicht habe abschrecken lassen.
Wie bereitet man sich denn - abgesehen vom Reitunterricht - auf die Rolle eines Cowboys vor?
Natürlich habe ich mir jeden Western angeguckt, den ich in die Finger bekam. Selbst die, die ich schon kannte, was auch schon eine ganze Menge war. Aber vor allem habe ich die Männer beobachtet, die bei uns am Set für die mindestens 50 Pferde zuständig waren. Das sind ja tatsächlich Cowboys, fast so als seien sie irgendwie aus der Zeit gefallen. Sie gehen und reden genauso, wie man sich Cowboys nach all den Filmen vorstellt. Von den Hüten über den Kautabak bis hin zu den Messern, mit denen sie ständig irgendetwas schnitzen, erfüllen sie wirklich alle Klischees. Bessere Vorbilder für meine Figur hätte ich nicht finden können.
Ihre Figur spricht nicht gerade viel.
Das fand ich das Tollste an ihm, schließlich bin ich selbst auch keine Quasselstrippe. Cowboys schießen erst, bevor sie Fragen stellen. Und über ihre Gefühle oder ihr Privatleben reden sie schon mal gar nicht. Das ist ganz nach meinem Geschmack, also kommen Sie bloß nicht auf die Idee und fragen in diese Richtung.
Macht es Sie wütend, dass Sie immer wieder nach Ihrem Privatleben gefragt werden?
Das ist schon in Ordnung. Ich gebe einfach keine Antworten, damit muss die Presse klar kommen. Aber ich weiß natürlich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit, neugierige Journalisten und auch mal aufdringliche Fotografen zu meinem Beruf dazugehören. Darüber will ich mich nicht beschweren, denn gleichzeitig beschert der Job mir ja enorm viel Gutes. Gewisse Grenzen dürfen nicht überschritten werden, dann werde ich sauer. Allerdings würde das doch jedem so gehen, nicht nur Prominenten.
Sie meiden auch das Internet, Netzwerke wie Facebook und Twitter, nicht wahr?
Dafür interessiere ich mich einfach nicht, denn ich habe nichts, was ich öffentlich teilen will. Kürzlich habe ich mich in einem Interview darüber beschwert, wie viel Hass sich im Internet oft entlädt. Das wurde online natürlich viel kommentiert, und was soll ich sagen: ich wurde prompt bestätigt, denn auch da schlug mir wieder enorm viel hasserfülltes Feedback entgegen. Jeder soll selbst wissen, wie weit er sich auf Twitter und Co. einlässt. Aber dann darf man auch nicht empört sein, wenn die Sache irgendwann nach hinten losgeht. Und das tut sie früher oder später.
Nach langer Verzögerung aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beginnen demnächst nun endlich die Dreharbeiten zum neuen 007-Abenteuer. Hatten Sie zwischenzeitlich die Hoffnung auf einen neuen Film aufgegeben?
Ehrlich gesagt habe ich mich mit all den Schwierigkeiten der Produzenten so gut wie gar nicht beschäftigt. Das lag ja kein bisschen in meiner Hand, ich hätte nichts machen können, um den Prozess irgendwie zu beschleunigen. Und es ist auch nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts zu tun gehabt hätte. Aber ich bin mindestens so froh wie Sie, dass es nun weitergeht. Vor allem, weil Sam Mendes die Regie übernommen hat und das Drehbuch wirklich hervorragend ist.
Vorher wird man Sie noch in David Finchers US-Version von The Girl with the Dragon Tattoo sehen. Wird die sich sehr von der schwedischen Verfilmung des Stieg Larsson-Romans unterscheiden?
Keine Ahnung, denn die habe ich ganz bewusst nicht gesehen. Ich habe viel Gutes darüber gehört, aber das hätte mich nur abgelenkt von meiner eigenen Rolle. Um meine eigene Interpretation der Figur zu finden, reichte es vollkommen, das Buch zu lesen.
Zum Abschluss noch ein paar letzte Worte zu Harrison Ford, Ihrem Filmpartner in Cowboys & Aliens.
Oh, Harrison! Ich war am Anfang wirklich ein bisschen ehrfürchtig, was die Arbeit mit ihm angeht. Ich bin ein riesiger Fan von ihm - und das schon seit vielen, vielen Jahren, denn der Kerl ist schließlich ein alter Knacker! Aber vor allem ist er der einzig Wahre! Er reitet, hat einen Pilotenschein, besitzt eine Ranch: mehr Kerl als er kann man kaum sein. Außerdem ist er verdammt witzig, selbst wenn er das nicht immer sofort zeigt.
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