Colombiana - Interview
| Land (Jahr): | Frankreich, USA (2011) |
| Genre: | Action, Adventure, Drama, Thriller |
| Filmlänge: | 107min |
| Regie: | Olivier Megaton |
| Kinostart: | 15.09.2011 |
| 27.07.2011 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Luc Besson |
Zoe Saldana: «Ich wusste, worauf ich mich einlasse.»
Was sie «Avatar» verdankt. Warum der «Pirates of the Caribbean»-Dreh nervte. Und wie es sich in Hollywood lebt: «Colombiana»-Star Zoe Saldana im Interview.
Zoe, Ihre Figur in Colombiana ist eine echte Kampfmaschine. Die körperliche Vorbereitung muss enorm anstrengend gewesen sein.
Ich fand das Emotionale an dieser Figur fast schwieriger. Auf dieser Ebene war sie alles andere als leicht zu knacken, denn es geht in der Geschichte ja um einige ziemlich extreme und intensive Gefühle: Wut, Rache, Gewalt, aber natürlich auch Schmerz. Mir erschien sie fast wie eine offene Wunde, die nicht verheilen kann und deswegen auch etwas sehr Verletzliches hat. Aber natürlich habe ich auch körperlich trainiert, eine Mischung aus Martial Arts und taktischem Kämpfen. Die Action durfte nicht zu elegant oder formal aussehen, denn ihre Ausbildung hatte Cataleya schließlich mehr oder weniger auf der Straße.
Action-Erfahrung hatten Sie aber auch schon vorher?
Selbstverständlich. Die Arbeit an Avatar hat damals ein kleines Action-Monster in mir entstehen lassen, das ich seitdem immer mit Bewegung füttern muss. Aber ich war auch schon vorher ein sehr physischer Mensch, als Frau wie als Schauspielerin. Deswegen spiele ich auch so gerne solche körperbetonte Rollen: Es macht mir enorm viel Spaß, mich voll und ganz in eine Figur zu verwandeln, also nicht bloß mental.
Es gibt immer noch nicht allzu viele Actionfilme mit Frauen in den Hauptrollen. Empfinden Sie das nach wie vor als etwas Besonderes?
Auf jeden Fall. Und ich finde vor allem, dass es wirklich unsere Pflicht ist, Frauen noch mehr in solchen und anderen körperbetonten Rollen zu zeigen. Alle Menschen, also auch wir Frauen, sind komplexe Wesen mit mehr als nur einer Seite! Wir sind nicht bloß zerbrechliche Personen, die nicht wissen, wie man einen Reifen wechselt. Ich bin immer dafür, dass man auch mal mit Konventionen bricht und Geschichten in ein anderes Licht rückt. Eine «Cinderella»-Geschichte mit einem Mann im Zentrum würde ich zum Beispiel auch gerne mal sehen. Aber irgendwie scheint sich unsere Gesellschaft mit schwachen Männern leider immer noch genauso schwer zu tun wie mit starken Frauen.
Sie haben im erfolgreichsten Filme aller Zeiten mitgespielt, doch statt Ihnen selbst war auf der Leinwand nur Ihr digitaler Avatar zu sehen. War das nicht seltsam?
Es gab schon mal einen kleinen Moment, wo ich mich gefragt habe, ob ich wirklich eine Rolle spielen will, in der mich kein Mensch erkennt und gar nicht weiß, dass ich das alles spiele. Aber dann wurde mir schnell klar, dass ich nicht Schauspielerin geworden bin, damit die Leute mein Gesicht sehen und mich auf der Straße erkennen. Meine Arbeit soll für sich selbst sprechen. Deswegen war die Rolle in Avatar ein Geschenk, denn sie war eine enorme Herausforderung und eine einmalige Gelegenheit, mit echten Genies zusammenzuarbeiten.
Ahnten Sie damals eigentlich schon im Vorfeld, was für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte der Film schreiben würde?
Nein, diese enormen Dimension konnte sich vorher, glaube ich, niemand ausmalen. Aber irgendwie habe ich doch gespürt, dass Avatar einfach etwas Großes sein muss! Einfach weil alles, was damit zu tun hatte, so groß war, von meiner Leidenschaft für die Arbeit über die Länge des Entstehungsprozesses bis hin zur Frustration, wenn mal etwas nicht klappte. Dieser Film war für mich eine so einzigartige Erfahrung, dass ich zumindest hoffte, er würde auch ein paar andere Menschen erreichen.
Haben Sie mit James Cameron schon über die geplanten Fortsetzungen gesprochen?
Ich sage jetzt der Einfachheit halber mal: nein. Denn verraten dürfte ich ja ohnehin nichts. Aber ich weiß, dass er daran arbeitet und zu gegebener Zeit den Produzenten und uns die Drehbücher zeigen wird. Keine Ahnung, wann das sein wird, denn er ist Perfektionist und wird wieder unendlich daran feilen. Er hütet diese Geschichte, sein Avatar-Universum mit all den Figuren, wie einen Schatz - und er würde nie andere Köche in seine Küche lassen, die diesen Brei verderben könnten. Deswegen müssen wir alle warten, bis er wirklich alle Zutaten dieses Rezeptes perfekt abgeschmeckt hat!
Um Erfolg in Hollywood zu haben, muss man sicher auch ein paar Zugeständnisse machen. Fällt Ihnen das schwer?
Das hängt davon ab, wovon wir sprechen. Natürlich will ich gerne große Rollen in hochwertigen Projekten spielen, und dafür muss man in der Lage sein, «möglichst viele Hintern in die Kinosessel zu setzen». So nennen das einige Produzenten gerne, wenn sie meinen, dass man mit seinem das Publikum ins Kino locken muss. Es wird erwartet, dass ich Aufmerksamkeit für mich und den Film errege, um die Welt reise, Promotion mache und mit der Presse spreche. Und das mache ich auch gerne, schließlich gibt es Schlimmeres als über den Job zu sprechen, den man liebt. Aber weiter gehen meine Zugeständnisse nicht. Ich würde nie mein Privatleben der Karriere opfern.
Inzwischen sind Sie sogar von New York nach Los Angeles gezogen. Sind Sie gerne dort?
Ich vermisse das Ostküsten-Wetter, Regentage und Wintermonate. Aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Als ich vor vielen Jahren das erste Mal nach Hollywood kam, erwartete ich etwas ganz Besonderes. Aber irgendwann stellte ich dann ernüchtert fest, dass das einfach nur ein Vorort von Los Angeles ist, mit einigen abgelegenen Filmstudios am Rande. Überall muss man mit dem Auto hinfahren, ständig steckt man im Verkehr fest. Wahrscheinlich kann man das alles ganz aufregend finden und sich diesem Mythos voll hingeben. Aber für mich ist Hollywood einfach der Ort, an dem ich arbeite, mehr nicht.
Auf den ersten Blick ist Ihre Karriere gepflastert mit Erfolgen, von Pirates of the Caribbean über Star Trek bis eben Avatar. Gab es auch schon ernüchternde Erfahrungen?
Selbstverständlich, und das teilweise auch trotz der Erfolge. Die Arbeit an Pirates beispielsweise war überhaupt nicht mein Ding. Für mich war das das Paradebeispiel einer Hollywood-Großproduktion, die ich danach für immer meiden wollte. Glücklicherweise habe ich wenig später mit Steven Spielbergs Terminal einen weiteren großen Hollywoodfilm gedreht und gemerkt, dass es auch ganz anders geht.
Was war denn so schlimm bei Pirates of the Caribbean?
Die Sache war einfach viel zu riesig und aufgeblasen. Jede Sekunde spürte man den Aufwand, den Druck, das Geld, das darin steckte. Mehr ins Detail will ich nicht gehen, ich möchte keine dreckige Wäsche waschen. Aber auf jeden Fall war diese Art des Arbeitens nichts für mich und ich gebe mir seither viel Mühe, nicht noch mal eine solche Erfahrung zu machen. Zum Glück haben mir Leute wie Spielberg oder Cameron gezeigt, dass man große Projekte auch ganz anders umsetzen kann.
[Zoe Saldana wurde interviewt von Patrick Heidmann]
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