Die Story von «Unstoppable» entfaltet sich innerhalb weniger Stunden. Will (Chris Pine) tritt seinen ersten Arbeitstag bei der Bahn an. Dort wird er Frank (Denzel Washington) unterstellt, der 20 Jahre Erfahrung als Lokführer auf dem Buckel hat. Er muss den Neuen einschulen - im Wissen, dass der seinen Platz einnehmen und Frank wegrationalisiert werden soll. Entsprechend mies ist die Stimmung. Als zeitgleich ein leichtsinniger Bahnarbeiter einen mit Chemikalien beladenen Frachtzug «verliert», der mit jeder Minute Tempo aufnimmt und führerlos auf eine Kleinstadt zusteuert, müssen Frank und Will ihre Differenzen über Bord werfen, um ein Inferno ungeahnten Ausmasses zu verhindern.
Tony Scott verzichtet vor allem im ersten Drittel des Films auf seine sonst übliche grelle Musikvideo-Ästhetik und setzt auf eine rauhere, realistische Optik. Dazu tragen vor allem die Originalschauplätze im spätherbstlichen Pennsylvania bei. Die Trostlosigkeit und soziale Kälte in Zeiten einer Rezession, von der der Film im Subtext erzählt, spiegelt sich in der Umgebung wider. Hier trifft Tony Scott den Nerv der Zeit. Weder an der Action - solide, wenn auch nicht innovativ - noch an den Darstellerleistungen gibt es etwas zu bemängeln.
Woran Hollywoods führender Pyrotechniker jedoch scheitert, ist der Versuch, den ausser Kontrolle geratenen Zug als die ultimativ böse Maschine darzustellen, wie es Steven Spielberg mit «Duel» und John Carpenter mit «Christine» so meisterhaft gelungen ist. Hier stösst Scott an seine Grenzen. Das Manko versucht er mit lärmenden Sirenen, omnipräsenten Hubschraubern und Breaking- News-Einschaltungen zu kaschieren. Doch genau das nervt mit der Zeit gewaltig. Der Umstand, dass sich an Bord des Zuges niemand befindet, macht die Sache auch nicht besser. Zwar droht das Gefährt einmal mit einem Wagon voller Grundschüler zu kollidieren. Doch auch dieses Pulver verschiesst Scott schon im ersten Teil des Films. Dass der Zug potentiell eine riesige Katastrophe verursachen könnte, bleibt eine zu abstrakte Bedrohung.