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The Social Network - Interview

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Aaron Sorkin: «Ich habe Mark Zuckerberg nie getroffen»

Der Drehbuchautor über David Fincher, Facebook und die Herausforderung, ein Buch für die Leinwand zu adaptieren, das noch nicht geschrieben ist.

Aaron Sorkin
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Mark Zuckerberg hat sich dezidiert von Ihrem Film distanziert, der die Anfänge von Facebook schildert. Nicht zuletzt, weil The Social Network die Frage aufwirft, ob er Facebook tatsächlich so alleine erfunden hat, wie er gerne behauptet. Wie nah kommt das Biopic dem, was man «die Wahrheit» nennt?
Ich habe keine Fakten verändert, geschweige denn, Fakten erfunden. Das Problem ist aber, dass es viele verschiedene Versionen dieser Fakten gibt. Mark Zuckerberg hat eine andere Geschichte zu erzählen als alle anderen Beteiligten. Genau das schien mir der interessante Aspekt dieser Story zu sein: Statt nur die Geschichte von jemandem zu erzählen - warum nicht eine Geschichte darüber erzählen, wie viele verschiedene Versionen dieser Geschichte es gibt?

Wie fand das Projekt überhaupt den Weg auf Ihren Schreibtisch?
Ben Mezrich, ein amerikanischer Schriftsteller, hat ein 14-seitiges Exposé geschrieben. Sein Verleger wollte das Buch - noch bevor Ben zu schreiben angefangen hatte - den Studios verkaufen. Scott Rudin, unser Produzent, schickte mir das Proposal zu, um zu schauen, ob ich Interesse hätte, das Drehbuch zu schreiben. Nach drei Seiten rief ich meinen Agenten an und sagte: Ich mach's. So schnell habe ich noch nie in meinem Leben zu irgendetwas Ja gesagt. Bloss ist normalerweise ein Buch, das man zu adaptieren hat, schon geschrieben. In diesem Fall war's das eben nicht. Ben schrieb das Buch, und ich arbeitete gleichzeitig am Drehbuch. Ben hat übrigens in Harvard studiert, er kennt sich aus auf dem Campus.

Und Sie?
Ein wenig, ja. Aber ich war nicht vertraut mit diesen Clubs und den elitären Kreisen, um die es im Film geht. Die rühmen sich ja gerade, so etwas wie Geheimbünde zu sein, die nicht für jedermann offen sind. Diese Welt kannte ich gar nicht, bevor ich mich an die Arbeit machte. Aber man hat mich rein gelassen, als ich zu schreiben anfing.

Das muss aufregend gewesen sein!
Sicher. Es ist immer aufregend, etwas zu tun, was die meisten Leute nicht tun dürfen. Aber man muss auch sagen: Sobald man mal drin ist, ist so ein Club auch nichts weiter als ein Raum mit Tischen und Stühlen.

David Fincher ist als Wiederholungstäter bekannt. Auch hundert Takes für ein- und dieselbe Szene sind bei ihm eher die Regel als die Ausnahme. Werden da auch die Dialoge verändert?
Kaum, höchstens ab und zu ein kleines Wort ausgetauscht. Wir hatten das Glück, dass wir mit David Fincher den Regisseur für den Film bekamen, den wir unbedingt haben wollten. Fincher ist ja ein sehr visuell denkender Regisseur, da war ich natürlich sehr gespannt, was er am Drehbuch würde ändern wollen. Die Wahrheit ist: fast nichts. Obwohl «The Social Network» natürlich eindeutig ein Fincher-Film ist, gerade was das Visuelle angeht. Ich habe selten ein Script weniger überarbeitet als dieses.

Wie stehen Sie persönlich zur immer weiter fortschreitenden Auflösung der Privatsphäre, die wir nicht zuletzt diesem furchtbaren Facebook verdanken?
(Lacht.) Ich habe rein gar nichts am Hut mit Facebook, wie man es heute kennt. Ich weiss alles über die Anfänge von vor sieben Jahren. Sobald der Film gedreht war, war Facebook für mich persönlich kein Thema mehr. Ich würde gerne wieder in einer Zeit leben, in der es so etwas wie Privatsphäre gibt.

Sie waren kaum als Aaron Sorkin bei Facebook?
Doch, war ich. Aber ich habe gesehen, dass das vier andere auch waren. (Lacht.)

Mich überrascht, dass ein grosses Studio wie Sony diesen Film realisierte. Man dachte sich wohl: Alle, die bei Facebook sind, wollen den Film sehen?
Diese Frage müssen Sie nicht mir stellen. Ich find's bemerkenswert, dass man sich bei Sony gesagt hat: Wir ziehen das durch, auch wenn «The Social Network» weder ein Actionfilm noch nicht mit grossen Stars besetzt ist, von Justin Timberlake mal abgesehen.

Haben Sie sich zu Recherche-Zwecken auch mit Mark Zuckerberg getroffen?
Mit Zuckerberg hatte ich keinen Kontakt. Das mag jetzt wie erfunden tönen: Aber die meisten brauchbaren Informationen kriegte ich nur, weil ich den Leuten, mit denen ich sprach, zusicherte, sie würden anonym bleiben. Ich kann Ihnen nur sagen: Mit Mark Zuckerberg habe ich nie gesprochen.

[Aaron Sorkin wurde interviewt von Stefan Gubser]

Jesse Eisenberg: «Die angenehmste Rolle meines Lebens»

Ein kluges Kerlchen: Cineman im Gespräch mit Jesse Eisenberg, der im neuen Fincher Facebook-Erfinder Zuckerberg spielt.

Jesse Eisenberg
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Alle Schauspieler betonen immer, wie unglaublich toll es sei, mit David Fincher zusammenzuarbeiten. Nervt's nicht, wenn man jede Szene hundert Mal drehen muss?
Tut es nicht. Für mich bot sich so die Möglichkeit, die verschiedenen Facetten der Figur Mark Zuckerbergs auszuloten. Aaron Sorkin, der Drehbuchautor, hat die Figur ja äusserst komplex angelegt. Im Verlaufe der vielen Takes wollten wir in erster Linie herausfinden, wie sich Marks Art im Umgang mit den andern manifestiert - hat er eher etwas Introvertiertes oder eben gerade nicht? Wenn wir eine Szene hundert Mal wiederholten, es waren in der Regel wohl eher halb so viele Takes, waren es nie einfach exakt dieselben. Das war spannend und eigentlich selten mühsame Arbeit.

Tönt sehr anspruchsvoll. War das die schwierigste Rolle Ihres Lebens?
Ich fand Zombieland anspruchsvoller, weil es da schwieriger war, den richtigen Ton zu finden, den spezifischen Rhythmus, die - wie ich es nenne - Herzschläge, die der Film erforderte. Mark Zuckerberg konnte ich direkter spielen, irgendwie ohne auf diese spezifischen Beats des Films Rücksicht nehmen zu müssen. Zuckerberg war die angenehmste Rolle meines Lebens.

Sie haben Zuckerberg in einem Interview als «dumpfen Kerl» bezeichnet.
Das habe ich so nie gesagt, so etwas würde ich nie tun. Als Schauspieler habe ich meine Figur zu verteidigen. Mir scheint er primär ein Mensch zu sein, der sehr fokussiert auf ein Ziel hin arbeitet. Und ich sehe ihn als jemanden, dessen persönliches Drama diese Website ist, die er erfindet.

Haben Sie sich überhaupt einmal mit ihm getroffen?
Nein, habe ich nicht. Mein Job war es, war Mark Zuckerberg zu spielen - als die Hauptfigur eines Scripts von Aaron Sorkin.

Bedauern Sie eigentlich, dass berühmte Leute wie Sie Facebook nicht richtig nutzen können?
Berühmte Leute sollen nicht jammern. Ich habe mich dafür entschieden, ein Filmschauspieler zu werden, ich kann mich also sicher nicht über die Nebenwirkungen beklagen, die mein Job mit sich bringt. Ausserdem habe ich Freunde, die Facebook nutzen, halt einfach nicht unter ihrem richtigen Namen. Schauspieler wollen ja immer im Rampenlicht stehen - und Facebook ermöglicht das allen Leuten.

Fühlen Sie sich wohl im Rampenlicht?
Kommt darauf an. Ich könnte zum Beispiel nie tun, was Justin Timberlake macht. Aber so etwas wie jetzt, wenn das gerade das Rampenlicht ist, finde ich okay: Über die Dinge reden, die ich mache, das mag ich schon.

«The Social Network» wird Sie als Schauspieler in andere Sphären katapultieren. Ein gutes Gefühl?
Als Schauspieler versucht man immer, Rollen zu kriegen. So gesehen wird «The Social Network» nicht viel ändern. Ich bin glücklich, dass ich Teil dieses Films sein kann. Unangenehm ist der Tag, an dem so etwas aufhört.

Haben Sie Vorbilder?
Ich habe früher viel Theater gemacht. Mir haben immer die Bühnen-Schauspieler gefallen, die es vielleicht mal zu einem kleinen Auftritt in Law & Order gebracht haben. Diese Art Schauspieler habe ich immer gemocht. Ich hätte nie gedacht, dass ich je in einem Film mitspielen würde, deswegen habe ich auch nie zu Filmschauspielern aufgeschaut und gedacht: So wie der oder der will ich werden. Das schien mir immer wie eine ganz andere Welt. Ich wundere mich immer noch, dass ich in Filmen mitspiele.

Sie spielen fast immer Nerds. Keine Angst, in dieser Ecke stecken zu bleiben?
Zum Glück muss ich nicht als Journalist über mich schreiben. Ich muss mich also nicht selber charakterisieren. Wer würde sich schon beklagen, in Filmen wie «A Social Network» oder «Zombieland» gelandet zu sein. Ich wäre eher entsetzt, wäre ich in Filmen zu sehen, die ich nicht gut finde. Glücklicherweise blieb mir das bis jetzt erspart.

Die jungen Frauen von heute stehen auf Nerds.
Davon habe ich nichts bemerkt. Find ich aber nett.

[Jesse Eisenberg wurde interviewt von Stefan Gubser]

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