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The Karate Kid - Interview

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Aka Titel:Karate Kid
Land (Jahr): China, USA (2010)
Genre:Action, Drama
Filmlänge:140min
Regie:Harald Zwart
Kinostart:22.07.2010
 18.08.2010 (Romandie)
 03.09.2010 (Tessin)

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«Ich wollte die Gewalt nicht verniedlichen.»

Harald Zwart über die Herausforderung China, Jackie Chan als Charakter-Darsteller und Filmkritiker, die nicht vergessen können.

Harald Zwart, die Smiths.
vergrössernHarald Zwart, die Smiths.

Wir kennen Jackie Chans Fähigkeiten als Kampfsportkünstler und Action-Held: Was mögen Sie an ihm als Schauspieler?

Mir schien immer, er strahle in all seinen Filmen eine bestimmte Wärme aus. Wir haben uns von Anfang an gefragt, wie weit wir mit seiner Figur gehen können. Als ich nach China ging und ihn zum ersten Mal traf, haben wir lange über das Leben im Allgemeinen gesprochen und über das Erdbeben, das China gerade erschüttert hatte, da hat er enorm viel gespendet und den Kindern geholfen. Ich habe rasch gemerkt, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Als ich wieder in Los Angeles war, um am Script zu feilen, wusste ich: Wir können so weit gehen, wie wir wollen mit diesem Kerl. Also haben wir angefangen, seine Figur richtig tief und dunkel zu gestalten.

Was sind die grössten Schwierigkeiten, wenn man einen Film in China dreht?

Ich habe noch in den USA eine Szene mit Jaden Smith gedreht, wo ich nur ihn und die Kamera brauchte. Als ich aufs Set kam, standen da gegen 20 Wohnmobile rum. Das fand ich verrückt. Wie sollten wir so in China die Authentizität der Strassen und Tempel einfangen? Ich sagte also: Wir müssen uns verhalten wie ein kleiner Independent-Movie. Alles, was wir brauchen, sind die Schauspieler und die Kamera. Die grösste Herausforderung war, nicht zu gross zu sein.

Konnten Sie gewisse Sachen nicht wagen, weil Sie in China waren?

Nein. Die Chinesen haben enorm Ahnung vom Filmemachen, die faken ja nichts, da ist alles echt. Wenn man irgendwo eine Mauer braucht, dann bauen sie dir innnerhalb eines Tages eine auf, und am Tag darauf ist sie wieder weg, das ist unglaublich. Ich fühlte mich nie eingeschränkt, es war von Anfang an eine prima Zusammenarbeit. Die Chinesen haben rasch verstanden, dass es unser Anliegen war, ihr Land von seiner besten Seite zu zeigen.

Man hat dem Film vorgeworfen, er sei zu brutal für die Zielgruppe. Wie sehen Sie das?

Ich glaube, es ist immer die Entscheidung der Eltern, ob sie mit den Kindern einen Film ansehen wollen. Mein siebenjähriger Sohn hat sich den Film angeschaut und kapiert, dass es nur ein Film ist. Ich wollte die Gewalt nicht verniedlichen. Das ist natürlich eine Gratwanderung. In einigen Ländern wird man da sensibler reagieren, in Amerika sieht man das gewöhnlich entspannter. Ich wollte es wahrhaftig haben und den Leuten zeigen, wie es sich anfühlt, wenn man ein Kind ist, das abgeschlagen wird.

Es gibt diese eine Szene, in der Jackie Chan sich mit den Schülern anlegt. Da kämpft immerhin ein Erwachsener, der Kung-Fu kann, gegen Kids.

Oh, das war tricky. Ich hoffe, es kommt heraus, dass er sie nicht schlägt, sondern ihnen hilft, sich selbst abzuschlagen. Er schlägt sie ja nie, sondern blockiert sie nur und dreht sie herum. Wir haben auch ein bisschen nachgeholfen, damit das Publikum das kapiert. Unmittelbar nach der Szene sagt Jaden: Du hast sie nicht geschlagen, sie haben sich selber abgeschlagen. Das war alles sehr sorgfältig choreographiert.

Will Smith ist Produzent des Films und der Vater des Hauptdarstellers: Wie hat er diese beiden Rollen unter einen Hut gekriegt?

Ach, Will und seine Frau Jada sind grosse Produzenten. Sie glauben an den Regisseur, wollen, dass er so gut arbeiten kann wie nur immer möglich. Aber es war natürlich manchmal schwierig für sie, Eltern und Produzenten gleichzeitig zu sein, weil sie einerseits das Beste für den Film wollten, aber wenn ich noch einen Take brauchte, sah ich immer, wie sie zu Eltern wurden, die ihrem Sohn auch mal eine Verschnaufpause gönnten. Aber sie haben das gut hingekriegt. Ich mochte es, sie um mich herum zu haben, sie sind so motivierende und lustige Leute. Wenn ich auf dem Set eine Idee hatte, sagten sie immer: Okay, lass es uns versuchen. Und wenn Will Smith ja sagt, kannst du's einfach machen.

Hat Sie Jackie Chan in irgendeiner Weise überraschen können?

Wir haben vor allem die emotionalen Szenen intensiv geprobt. Aber ich war dann doch sehr eingenommen von seinem ersten Take. Der war richtiggehend überwältigend. Wir haben alle nur so dagestanden und verdattert aus der Wäsche geschaut. Das war viel mehr, als ich mir je erhofft hatte.

Was nehmen Sie mit vom Erlebnis, mal nicht in den USA gedreht zu haben?

Ich habe schon auf der ganzen Welt Werbespots gedreht, auf Kuba, in Russland, Südafrika und Südamerika. Ich habe fast jede Ecke der Welt gesehen - von China abgesehen. Ich komme immer mit sehr viel Demut nach Hause zurück. Man fährt irgendwo hin und fragt sich, können die dies oder das. Aber gerade die osteuropäischen Länder haben eine so grosse Filmtradition, was die handwerklich können ist einfach unvorstellbar.

Ein «Karate Kid»-Remake: Da haben sicher einige die Nase gerümpft im Vorfeld?

Ja, es lag etwas Negatives über dem Film, von ersten Tag an. Viele Leute fanden, wir vergingen uns an einer Art Nationalheiligtum. Vor allem Filmkritiker können manchmal nicht vergessen, dass es ein Original gibt. Die müssen einfach sagen, dass das Original besser sei, sonst sind sie nicht glaubwürdig. Ich kann es nur an den Zuschauerreaktionen ablesen. Die meisten vergessen nach zehn Minuten, dass es ein Remake ist, und lassen sich auf den Film ein.

Wie populär ist Will Smith in China?

Jackie Chan ist natürlich noch berühmter! Es ist wirklich «Beatlemania», wenn er irgendwo auftaucht. Aber ich hatte Jackie Chan und Will Smith! Ich sagte nur: Ihr müsst euch verkleiden. Sorgt dafür, dass euch niemand sieht. Sobald wir eine Szene drehten, in der Jackie durch die Strasse ging, konnten wir nur einen Take machen, das führte in Kürze zu Menschenaufläufen.

[Harald Zwart wurde interviewt von Stefan Gubser]

«Ich habe die Mittagspause schätzen gelernt.»

Jackie Chan über seine Vergangenheit, die Zukunft von Jaden Smith und die Unterschiede zwischen China und Hollywood.

Jackie Chan, Jaden Smith.
vergrössernJackie Chan, Jaden Smith.

Gibt es einen Lehrer aus Ihrer Schulzeit, an den Sie sich besonders erinnern?

Oh, ich hatte so viele! Während der Kulturrevolution sind unzählige Lehrer aus China nach Hongkong geflohen. Wir hatten fast jeden Tag neue Lehrer. Die meisten habe ich gar nie richtig kennen gelernt.

Waren Sie ein mutiger Schüler?

Ich weiss nicht. In der Schule wurden wir immer bestraft, auch wenn wir nichts verbrochen haben, und zwar kollektiv. Wenn jemand etwas verbockte, gab's immer gleich für alle Haue. So hat man uns Disziplin beigebracht - aber auch das Lügen. Einmal hat einer meiner Mitschüler von der Frau eines Lehrers eine Zigarette geklaut. Der wollte am nächsten Morgen den Schuldigen finden. Ich hatte von der Zigarette auch einen Zug genommen und sagte: Ich war's! Wir haben eine Menge gemacht, um uns gegenseitig zu schützen. Ich habe sehr viel gelernt an der Schule, nicht nur Martial Arts.

Wie würden Sie Ihre Kindheit mit der von Jaden Smith vergleichen?

Ach, da liegen Lichtjahre dazwischen. Jaden ist der Sohn von Will und Jada Smith, er hat einen Bodyguard, jemanden fürs Make-up und einen Stylisten. Ich hatte nichts, war auf mich allein gestellt. Ich habe noch in den Strassen gespielt und bin per Autostopp zum Set gefahren.

Kann Jaden Smith so gut werden wie Sie?

Ich glaube ja. Er wird sehr gut erzogen. Seine Eltern zeigen ihm, wie man den Menschen Respekt entgegenbringt.

In The Karate Kid liefern Sie den Beweis, dass Sie auch das dramatische Fach beherrschen.

Sie meinen die Szene, in der ich das Auto demoliere? Für mich war das Englisch sehr schwierig. Ich habe sehr lange geübt, und dann muss man auf dem Set plötzlich alles ändern. Ich muss immer jedes Detail verstehen auf dem Set, das macht die Sache noch schwieriger. Stunts sind ja einfach. Aber wenn man sich einen ganzen Tag lang vorbereiten muss, und der Regisseur will die Szene noch einmal haben, aus diesem und jenem Winkel: Wenn ich meine eigenen Filme mache, filme ich jede Szene gleichzeitig mit fünf Kameras. Wir drehen sie einmal, Cut, das war's.

Dieses Ding mit Jaden und der Jacke, die Sie ihn an- und ausziehen lassen bis zum Abwinken: Haben Sie auch so trainiert?

Nein. Wir wollten die Szene eigentlich mit einer grossen Türe machen: Türe auf, Türe zu, Türe auf, Türe zu. Aber das war für Jaden viel zu anstrengend. Ich ändere ständig etwas auf dem Set - bei meinen Filmen. Nehmen wir an, ich hätte fest vorgehabt, etwas mit einem Glas zu machen. Wenn ich beim Drehen finde, mit einer Flasche funktioniert das viel besser, dann nehme ich eben eine Flasche. Wenn ich so etwas auf einem amerikanischen Set auch nur denke, sagen die entsetzt: Was, eine Flasche? Die fangen gleich an zu zittern. Die Amerikaner sind ja immer unglaublich gut vorbereitet, nicht wie wir. Wir haben kein Script. Ich gehe einfach aufs Set, sitze da und mache, worauf ich gerade Lust habe.

Sind Sie auch in Ihrem normalen Leben ein Perfektionist?

Ja. Sie würden es nicht glauben, wie pingelig ich bin. Ich bin aber auch sehr hilfsbereit. Ich packe mit an, wenn Leute einen Autounfall haben, hole sie aus dem Wagen, und alle die da sind, hören auf mich. Sogar die Feuerwehrleute wollen von mir wissen: Wie sollen wir's machen, Jackie?

Warum machen Sie eigentlich amerikanische Filme? Sie sind ein Megastar in Asien, Sie haben das nicht nötig. Warum wollen Sie die Kontrolle verlieren?

Mit asiatischen Filmen ist es oft schwierig, in den amerikanischen Markt zu kommen. Rush Hour war ein Riesenerfolg in den USA, floppte aber in Asien. Die Chinesen verstehen diesen Humor einfach nicht. Umgekehrt mögen die Amerikaner keine asiatischen Jackie Chan-Filme.

Wie wird «The Karate Kid» in China ankommen?

Ich habe keine Ahnung, der Film läuft noch nicht in den Kinos. Aber er macht gerade in Indien gross Kasse, läuft gut in Indonesien, Malaysia und Singapur.

Es geht das Gerücht, Sie sollen für «Karate Kid» eine Oscar-Nomination erhalten.

Wie bitte? Ich mache nun seit 48 Jahren Filme, ich habe nie einen Award im Kopf. Das Wichtigste für mich ist immer: Mag das Publikum meinen Film? Das reicht mir. Ein Oscar, ein Golden Globe - das wäre ein Bonus, aber ich denke nie daran, das ist mir zu weit weg. Ich und Oscar? Das macht mir eher Angst.

Haben Sie den Eindruck, die amerikanischen Regisseure kennen die Filme zu wenig, die Sie in China machen?

Im Gegenteil, die Regisseure studieren meine Filme sehr genau. Sie hören mir auch gut zu. Aber im Grunde können sie gar nicht auf mich hören. Wegen des Produzenten, der kontrolliert ja den Regisseur. Ich wünschte mir mehr Will Smiths als Produzenten. Ich habe schon so viele amerikanische Filme gemacht und habe fast immer schlechte Laune gekriegt dabei - wegen der Ignoranz der Produzenten. Erst machen sie Stress, damit der Film schnell fertig wird. Und drei Monate später muss man alles neu drehen. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass das zu ihrem Job gehört wie die Zigarre und der Rotwein. Ein Will Smith weiss, was Sache ist. Wenn die Kamera kaputt war oder wenn es regnete, fragte ich ihn: Kann ich einen Tag mehr haben? Das war nie ein Problem. Normale Produzenten haben keine Ahnung vom Filme machen.

Was mögen Sie am «American Way» des Filmemachens?

Die Amerikaner sind sehr organisiert. Und sie machen immer eine Stunde Mittagspause. Wir arbeiten 24 Stunden am Stück. Wir kümmern uns nicht um das Wohl der Menschen auf dem Set. Nicht mal um mich selbst kümmere ich: Ich springe vom Dach, ich breche mir den Fuss, was soll's. In Sachen Sicherheit sind die Amerikaner spitze. Und ich habe diese einstündige Mittagspause schätzen gelernt.

[Jackie Chan wurde interviewt von Stefan Gubser]

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