The Green Hornet - Interview
| Land (Jahr): | USA (2010) |
| Genre: | Action |
| Filmlänge: | 119min |
| Regie: | Michel Gondry |
| Kinostart: | 13.01.2011 |
| 12.01.2011 (Romandie) | |
| 18.02.2011 (Tessin) |
Seth Rogen: «Ich mag's organisch.»
Seth Rogen über gute und schlechte Comicverfilmungen, die Schönheit des Underdogs und seinen Glauben ans 3D-Kino.
Wie fühlt man sich als Superhero?
Für mich bedeutete The Green Hornet in erster Linie eine grosse Verantwortung. Ich war schon immer ein grosser Comic-Fan, habe mein ganzes Leben lang Comic-Bücher gelesen, ich bin sehr streng und kritisch mit Comic-Verfilmungen. Das ist mein Lieblingsgenre.
Ihre liebsten Comic-Verfilmungen?
Christopher Nolans Batman-Filme sind umwerfend, ich mag aber auch Tim Burtons Batman-Filme, ich halte die beiden Blade-Filme für sehr gelungen, vor allem den zweiten.
Welche Charakterzüge teilen Sie mit einem Superhelden?
Für uns war der wichtigste Teil der ganzen Story: Da ist ein Typ, der alles sein könnte ausser ein Superheld. Und dem schaut man zu, wie er zum Superhelden wird. Das hat schon mit mir zu tun: Ich bin definitiv nicht der Typ, von dem man denkt: Das ist ein Superheld! Ich würde also sagen: Genau das habe ich mit der Hauptfigur gemein.
Und jetzt ein bisschen weniger oberflächlich gedacht?
The Green Hornet handelt stark von Parternschaft und Ego, vom Kompromisse machen. Ich bin jemand, der in langen Beziehungen steckt - sei's privat, sei's beim Schreiben. Ich gehe ständig Partnerschaften mit Produzenten, anderen Schauspielern und Filmemachern ein. The Green Hornet ist ja in erster Linie eine Beziehungsgeschichte.
Welche Kräfte eines Superhelden hätten Sie gern?
Ich hätte gerne jemanden, der genau so aussieht wie ich und alle meine Pressearbeit für mich erledigt. (Lacht das Seth-Rogen-Lachen.) So schlimm ist es auch wieder nicht.
Erst kriegten die Nerds alle Mädchen ab, jetzt schnappt ihr euch noch die Actionrollen.
Dafür bin sicher nicht nur ich verantwortlich. Ausserdem sehe ich auf den Strassen eine Menge Typen, die heissere Mädchen abkriegten als ich. Aber schön, dass ich diesen Jungs einen Gefallen tun konnte.
Wie stark hat Ihnen eigentlich Sony auf die Finger geschaut?
Ach, die wollten wenig mehr, als dass schon 14-Jährige den Film sehen dürfen. Viel mehr an Auflage war da nicht. Das ist genau der Film geworden, den wir machen wollten. Sony wollte das eine oder andere Detail geändert haben, aber unter dem Strich waren sie sehr hilfsbereit. Ich sag's nicht gerne: Aber die haben oft gute Ideen.
Im Film gibt's einen Haufen abgefahrenes Spielzeug, das nicht in der TV-Serie bzw. der Comic-Vorlage drin ist. Wer hat sich das alles ausgedacht?
Vieles wurde nur aus pragmatischen Überlegungen heraus erfunden, weil der Film sonst einfach nicht funktioniert hätte. Die Stuntmen hatten Ideen, Gondry sowieso, die Konstrukteure auch. Sobald die mal anfangen, einen Wagen zu bauen, sagen sie: Man könnte die Türe auch so öffnen. Und hier könnte man Maschinenpistolen anbringen und die Türe so schliessen!
Ihre «Dos und Don'ts» bei einer Comic-Verfilmung.
Ich mag es nicht, wenn Comic-Verfilmungen so tun als wüssten die Leute viel mehr über die Comics als sie es tatsächlich tun. Das kriegte Blade sehr gut hin, denn niemand hat auch nur einen blassen Schimmer von Blade. Die führen diese Figur ein, von der man nichts weiss. Ich mag's auch nicht, wenn man Material aus dem Original in den Film einarbeitet, ohne dass es organisch erscheint. Was Christopher Nolan sehr gut machte, war das mit der Kindheit und wer dieser Batman ist, das schien alles sehr natürlich.
Sie haben oft Losers gespielt. Warum mögen Sie diese Art Figur?
Filme über Underdogs sind einfach gut. Leute, von denen man glaubt, dass sie nichts schaffen, keinen Erfolg haben - und dann kriegen sie's doch hin. Ich finde das spannend, das ist die Art Filme, die ich liebe.
Ein Wort zur 3D-Technik: Ist das die Zukunft des Kinos?
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass 3D die Zukunft des Kinos ist. Es wäre verrückt, nicht so zu denken. 3D macht die Filme visueller, zieht das Publikum mehr rein, wenn es gut gemacht ist. Als die ersten Tonfilme rauskamen, war der Ton schlecht, dann wurde er gut. So ist es auch mit 3D. In 20 Jahren werden die Leute alle für verrückt erklären, die heute behaupten, 3D sei für die Katz'.
[Seth Rogen wurde interviewt von Stefan Gubser, Cineman.ch]
Michel Gondry: «Ich bin es gewohnt zu scheitern.»
Der Bastler unter den Regisseuren über die Faszination Grossproduktion, die Zukunft des Kinos und Explosionen mit Lebensmitteln.
Ein Superheldenfilm! Das ist neues Terrain für Sie.
Ich bin es gewohnt zu scheitern. Aber ich habe auch nicht so viel zu verlieren. Meine früheren Filme waren ja nicht alle Kassenschlager. Ich stand schon unter Druck, denn natürlich soll ein breites Publikum mit dem Film etwas anfangen können. The Green Hornet ist eine grosse Produktion, aber darüber habe ich nicht zu viel nachgedacht. Ich versuchte, den Film zu drehen, den ich gerne sehen würde.
Das ist ihr erster Film für ein grosses Studio.
Wollte ich schon immer mal machen. Man hat mich immer mal wieder für Filme angefragt, weil man dachte, ich hätte vielleicht ein paar gute Ideen. Aber das Meiste hat mich kalt gelassen, war mir zu technoid, zu wenig menschlich - damit kann ich nichts anfangen. Das Script von The Green Hornet hingegen mochte ich auf Anhieb: die beiden Typen, das Zwischenmenschliche, ihre unterschiedliche Art. Und dann kommen noch die Special Effects dazu, die Kämpfe und Explosionen.
Seth Rogen und Jay Chou scheinen sich gut verstanden zu haben.
Haben sie. Das braucht es aber nicht zwingend. Ich habe Filme gedreht, da würden Sie nicht im Traum dran denken, wie nahe sich die Schauspieler im Film kommen konnten, obwohl sie sich privat nicht ausstehen konnten. Es ist immer besser, wenn sich alle mögen. Aber manchmal geht's auch so nicht.
Und wie kamen Sie selber mit Seth Rogen klar?
Es war grossartig. Er ist sehr nett, ganz natürlich, man hat nie das Gefühl mit jemandem zu arbeiten, der so wahnsinnig erfolgreiche Filme gedreht hat. Und er hat mir auch nie das Gefühl gegeben, kein guter Regisseur zu sein. Wir konnten uns gut über uns lustig machen.
Wobei Sie sehr unterschiedlich arbeiten: Sein Ding ist das Improvisieren, Ihr Markenzeichen die Präzision.
Stimmt. Aber ich mag es auch, sehr elaborierte, exakt vorbereitete Set-ups mit Dingen und Situationen zu mischen, die vor der Kamera einfach passieren. Natürlich plane ich sehr gerne, bin an genauen Abläufen interessiert, gerade was das «Mechanische» angeht, das in meinen Filmen ja immer eine grosse Rolle spielt. Ich versuche aber immer auch, eine gewisse Spontaneität beizubehalten.
Was schauen Sie sich im Kino an?
Fast alles. Ich mag Dokumentarfilme, eben war ich auf einem Charlie-Chaplin-Festival. Das war witzig, weil ich mir beim Schauen der Filme vorgestellt habe, wie sie in 3D aussehen würden. Grundsätzlich mag ich Filme mit viel Menschlichkeit und Wärme.
Die 3D-Technik, die auch Sie verwenden, funktioniert prima für Action- und Fantasyfilme. Kann sie auch für andere Genres fruchtbar werden?
Mit 3D wird es sein wie mit dem Farbfilm. Auch wenn einige Leute 3D nie mögen werden, es wird normal werden, und es wird ein ästhetisches Statement sein, einen Film in 2D zu drehen. Genauer weiss ich's auch nicht, will ich's gar nicht wissen. Aber ich würde mich davor hüten zu sagen: Ein Film muss in 2D gedreht sein. Ist doch eine gute Sache, man hat eine Dimension mehr. Für mich als Regisseur ändert sich ein bisschen, wo ich die Kamera hinstelle, aber die Kinoerfahrung wird intensiver.
Im Film sagt Seth Rogen: «Let's play heroes!» Könnte aus Be Kind, Rewind sein.
Genau wegen solcher Sätze hat mir das Drehbuch gefallen. Es hat was Verspieltes, Kindliches, wie die beiden beschliessen, Helden zu werden. Aber es ist schon anders als bei «Rewind»: In «Hornet» haben sie Millionen und Autos, die alles können. Aber in beiden Filmen versuchen die Figuren, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen. Insofern sind sie sich gleich.
War es schwierig, den richtigen Ton zu finden? Es ist keine Parodie, ein bisschen Komödie, aber auch wieder nicht nur.
Eigentlich nicht. Man entscheidet sich nicht einfach dafür, lustig zu sein. Man entscheidet sich für die Figuren und eine Geschichte. Hier ist die Hauptfigur ein Kerl, der seinen Vater verloren hat, der nicht besonders grosse Stücke auf ihn hielt. Jetzt hat der Sohn das Gefühl, er müsse seinem Vater etwas beweisen. Das war das Wichtigste. Wenn es im Film noch ein paar Witze drin hat und ein bisschen Humor, dann ist das gut für die Story, müsste aber überhaupt nicht sein.
Werden Sie den Film «schweden»?
Das wurde ich schon mal gefragt. Was habe ich da geantwortet - ich versuchte, etwas Kluges zu sagen. Wäre lustig, alle die Explosionen mit Lebensmitteln zu machen, Smarties, Pizza. Wir werden sehen.
[Michel Gondry wurde interviewt von Stefan Gubser, Cineman.ch]
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