Um der Sache einen neuen Dreh zu geben, hat der «Gladiator»-Regisseur eine Art Prequel inszeniert, in dessen Verlauf Robin Longstride überhaupt erst zu Robin Hood wird. Der Film setzt ein bei einer Schlacht, in der Robin Hood (ungewohnt uncharismatisch: Russell Crowe) noch unter Richard Löwenherz gegen die Franzosen kämpft. Als dabei nicht nur der König, sondern auch Sir Robert Loxley von Pfeilen tödlich getroffen werden, ist es an Longstride, die Nachricht dessen Witwe (Cate Blanchett) und Vater (Max von Sydow) zu überbringen. Bald wird er so mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und macht es sich zur Aufgabe, mit seinen Mitstreitern gegen die Ungerechtigkeiten des neuen Königs John zu kämpfen. Unerfahren, aber rücksichtslos saugt dieser mit Hilfe des Sheriffs von Nottingham das eigene Volk aus und stürzt es ins Elend.
Das verlorene Vertrauen der Menschen in die Politik, Ausbeutung und Ungerechtigkeiten sind die Themen, die hier den Antrieb liefern und «Robin Hood» aus dem Mittelalter näher ans Jetzt rücken sollen. Unschwer lassen sich von den idealistischen Drehbuch-Phrasen Bezüge herstellen zur um sich greifenden Politikverdrossenheit oder zur weltweiten Banken- und Finanzkrise. Scott betreibt grossen Aufwand, das schmutzige, graue Mittelalter möglichst wirklichkeitsnah zu rekonstruieren - zumindest, was Kostüme und Ausstattung anbelangt. Wenn der Regisseur für die Kampfszenen allerdings wiederholt die Kamera direkt aufs Schlachtfeld und in die Auseinandersetzungen Mann-gegen-Mann schickt, wirkt das allerdings nicht nur reißerisch und beinahe kriegsverherrlichend, sondern auch genauso unübersichtlich wie anfangs die Handlung.
Nicht nur dadurch zeigt sich einmal mehr, dass bei Scott Stil und Aufwand über stringentes Erzählen und Figurenentwicklung gehen. Die Charakterisierungen der bösen Widersacher sind plump; die Romanze zwischen Robin und Marion ist in wenigen Andeutungen mal kitschig, meist aber blutleer. Außerdem mangelt es den meisten anderen Figuren an einem markanten Profil, dass sie aus dem Heer der unrasierten Mittelaltermänner heraushebt. Statt der angestrebten epochalen Wucht stellt sich so Langeweile ein - wie auch schon in «Body of Lies», «Kingdom of Heaven» oder anderen Scott-Inszenierungen der jüngeren Zeit.