Kaboom
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Filmkritik

Greller Verschwörungstrip

Mit Mysterious Skin wagte sich Gregg Araki 2004 an zwei heikle Themen: sexueller Missbrauch und Prostitution von Minderjährigen. Weit weg von jeder Betroffenheits-Dramatik inszenierte er seinen Kult gewordenen Film als knallbuntes Bonbon-Kino, ohne dabei die tragische Ebene der Problematik zu nivellieren. Mit Kaboom wird Araki jetzt noch mysteriöser.

Smith ist 18 Jahre und will Regisseur werden. Zusammen mit seiner besten Freundin Stella genießt er die Zeit am College, auch wenn die Hormone und Emotionen einiges durcheinanderwirbeln. Irgendwie steht Smith auf seinen heterosexuellen Zimmernachbarn, schläft auf einer Party mit der hemmungslosen London, hat einen Quickie mit einem Fremden am Strand und will eigentlich ein Date mit Oliver. Doch die Wirrungen der Libido sind plötzlich zweitrangig, als er auf dem Rückweg von einer Party sieht, wie ein Mädchen von drei maskierten Typen ermordet wird. Aber ist der Mord wirklich passiert?

Gregg Araki zieht in Kaboom wieder alle Register der cineastischen Farbenlehre. Erneut erweist er sich als Kenner der Popkultur und begnadeter Ästhet, der Genres, Stile und Zitate wie selbstverständlich miteinander verwebt. Bunt und überdreht gibt sich der Film nicht nur auf formaler Ebene. Auch inhaltlich vermischen sich hier Teenager-Komödie, Science-Fiction, Thriller und eine große Portion Erotik. Jede Einstellung ist bis ins letzte Detail ästhetisiert, forciert durch einen absurd attraktiven Cast. Ein wilder Bilderrausch zwischen Drogenoptik und alptraumhaften Visionen.

Von Beginn an spielt Araki mit den Realitätsebenen, die er stets weiter verschachtelt, bis sie untrennbar miteinander verschmelzen. Immer wieder versucht Kaboom den Zuschauer in die Irre zu führen, Traumsequenzen und übersinnliche Momente durchbrechen permanent die Narration und untergraben somit das Vertrauen in das Gesehene, bis sich die losen Handlungsstränge am Ende zu einem grellen apokalyptischen Trip zusammenfügen. Die Popkultur ist hier destruktive Verschwörung und pulsierender Lebensinhalt zugleich und es scheint, als wolle Araki sie noch einmal zelebrieren.

Denn wenn Smith im Film sagt, es wäre altmodisch Filmwissenschaft zu studieren, da dass Kino, wie wir es kennen, in ein paar Jahren nicht mehr existieren wird und es wie ein vom Aussterben bedrohtes Tier sei - dann erscheint die Optik des Films beinahe wehmütig. Aber vielleicht ist sie gerade durch ihren übertriebenen Gestus vielmehr ein Aufbruch zu einer neuen Bilderwelt. Denn dass hier die Bilder über die Handlung triumphieren, das ist offensichtlich.

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Mein Kommentar
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2 Kommentare
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Stephan

Kurzweiliger und immer wieder überraschender Film. War auch beim Queersicht Filmfestival 2011 eines meiner persönlichen Highlights.
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Glenn

amüsanter Film... Another Gay Movie meets Lost in Translation... mix aus teenage gaymovies, fantasy und witz

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