Enthaltsam und in Harmonie mit ihrer Umwelt leben die sieben betagten Trappisten in ihrem hoch oben im algerischen Atlasgebirge gelegenen Kloster. Der Alltag dieser römisch-katholischen Mönche besteht neben dem kollektiven Beten und dem Singen liturgischer Lieder vor allem aus profanen Verrichtungen wie dem Bestellen der Felder, dem Handel auf dem Markt, dem gemeinsamen Essen sowie der ärztlichen Behandlung der algerischen Bevölkerung aus dem Dorf unten im Tal.
Als der Bürgerkrieg mit der Ermordung befreundeter kroatischer Arbeiter unmissverständlich nahe rückt, wird die Eintracht im Kloster von der existentiellen Frage nach dem eigenen Handeln brüsk gestört. Bleiben, sich dem Terror widersetzen und womöglich Opfer der Rebellen werden oder in Sicherheit fliehen und die Dorfbewohner ihrem Schicksal überlassen: Dieser innere Kampf gegen den äußeren Terror ist das weitreichende Thema von Des Hommes et des Dieux.
Regisseur Xavier Beauvois stimmt die Inszenierung seines neuen Werkes wie bereits in Le Petit Lieutenant auf den Lebensrhythmus seiner Protagonisten ab. Den Vortritt genießt in Des Hommes et des Dieux das Alltagsleben der Mönche, ihre Gespräche und das friedliche Zusammenleben mit der islamischen Bevölkerung. In nüchternen Bildern fängt Kamerafrau Caroline Champetier die erhabene Schönheit der bergigen Landschaft ein, deren Weite und Stille zur Kontemplation verführen. Gedreht wurde aus Sicherheitsgründen in Marokko. Indem Beauvois die dramatischen Mittel auf das Wesentliche beschränkt und, anstatt dem Spektakel kriegerischer Grausamkeit zu verfallen, sich eines bedachten Erzähltempos bedient, schafft er in seiner Erzählung Raum für den Menschen als ein verletzliches, komplexes Geschöpf.
Nicht das Pompöse der Kirche steht im Zentrum des Interesses, sondern die kleinen Gesten, die intimen Dialoge mit Gott, die in Liedern und Gebeten artikulierten Bekenntnisse der Ohnmacht werden als das Wesentliche im religiösen Glauben wie in der Hierarchie der dramatischen Mittel dieses Filmes gesetzt. Eine leise, doch wichtige Geste in Zeiten anarchistischer Kreuzzüge unter dem Deckmantel der Religion, die in Des Hommes et des Dieux berührt. Ein Film, der in seiner formalen Herangehensweise wie in seinem Sujet von Verantwortung, Glauben und dem Respekt vor der Freiheit des Anderen berichtet und dem das Etikett «Antikriegsfilm» gebührt.