Aron Ralston (James Franco) begab sich 2003 mal wieder auf einen seiner Kletter- und Wanderausflüge, dieses Mal in einem Canyon in Utah. Bei einem Sturz in eine Felsspalte löst sich ein riesiger Brocken und klemmt seinen rechten Arm ein. Viel mehr als eine Kamera, Uhr und Schlüssel, einen Rest Wasser und ein paar Bissen zu essen hat er nicht dabei; weit und breit ist niemand, um seine Hilferufe zu hören, zuhause hat er niemandem gesagt, wohin er aufgebrochen ist. Nach fünf Tagen bricht er sich selbst den Arm und durchtrennt mit einem stumpfen Taschenmesser Fleisch, Muskeln und Sehnen, um sich doch noch zu befreien.
Danny Boyles erster Film seit seinem Welterfolg Slumdog Millionaire hat aber mehr zu bieten als nur diesen sagenhaften Schockeffekt: in erster Linie natürlich James Francos Parforce-Leistung, die zu Recht mit einer Oscar-Nomination belohnt wurde. Ganz dicht bleibt die Kamera an Franco dran, um nicht zu sagen: Sie sitzt geradezu mit ihm unten in der Felsspalte, was nun allerdings nicht bedeutet, dass sonst 90 Minuten nichts geht.
Boyle nimmt sich die Zeit, Ralstons Weg in den Canyon zu zeigen - inklusive ausgelassenem Planschen mit zwei Wanderinnen in einem Bergsee. Später schafft er es immer wieder, den Diskurs in der Enge zu weiten. Teils gelingt ihm das allein durch die Arbeit mit Licht und Schatten, teils über Rückblenden, Halluzinationen oder die kleinen Videobotschaften, die Ralston mit seiner Kamera aufnimmt, um sich von seiner Familie zu verabschieden.
Man wünscht sich manchmal, Boyle hätte den Mut gehabt, sich noch mehr auf Franco zu fokussieren und nicht mit seinen mitunter etwas abgenutzten Markenzeichen wie Splitscreens, Zeitraffern und rasanten Schnitten ein Tempo zu erzeugen, dass es fast mit Slumdog Millionaire aufnehmen will. Aber letztlich gibt der Erfolg ihm Recht. Denn diese Geschichte eines menschlichen Triumphs und Über-Sich-Hinauswachsens ist ganz einfach mitreißend, furios und streckenweise überwältigend inszeniert.