Die Päpstin - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland, Italien, Spanien, Grossbritannien (2009) |
| Genre: | Drama, Romance |
| Filmlänge: | 148min |
| Regie: | Sönke Wortmann |
| Kinostart: | 22.10.2009 |
| Drehbuch: | Donna Woolfolk Cross |
| Heinrich Hadding |
Eine Frau gegen das Dogma der Kirche
Eine Legende besagt, dass im 9. Jahrhundert eine Frau zum Papst gewählt worden sei. Sönke Wortmann setzt sich in seiner Literaturverfilmung mit dieser Figur der Johanna auseinander. Entstanden ist ein biederes Historiendrama, das zwischendurch zur Parodie auf das Genre gerät.
Im Jahr, in dem Karl der Grosse stirbt, wird in Ingelsheim das Mädchen Johanna geboren. Die kleine Johanna (Tigerlily Hutchinson) ist überaus intelligent. Ihr Bruder bringt ihr Lesen und Schreiben bei, obschon der Vater das als Gotteslästerung betrachtet. Bei einem Besuch im Dorf wird der gelehrte Aesculapius (Edward Petherbridge), der Leiter der Domschule in Dorstadt, auf das wissbegierige Mädchen aufmerksam und nimmt sie unter seine Obhut. Jahre später wird Johanna (Lotte Flack) an die für Knaben bestimmte Domschule aufgenommen.
Auch Graf Gerold (David Wenham) ist von dem Mädchen beeindruckt und bietet ihr bei seiner Familie Unterkunft an. Neid und Eifersucht führen dazu, dass die erwachsene Johanna (Johanna Wokalek) gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Da greifen die Normannen an. Nur Johanna überlebt das Massaker und flüchtet als Mann verkleidet in ein Benediktinerkloster. Über einen Umweg gelangt sie schliesslich nach Rom, wo sie wieder ihr Wissen einsetzt und Papst Sergius (John Goodman) von der Gicht heilt. Sie wird zu seinem intimsten Begleiter, was dem machthungrigen Nomenklator Anastasius (Anatole Taubman) überhaupt nicht gefällt.
«Die Päpstin» ist ein perfekter Einstieg für Philosophiediskussionen in der Schule und greift die Frage nach der Gleichstellung der Frau in der Kirche sehr eloquent auf. Für die Ansammlung an Weisheiten war dem Film auch das Prädikat «besonders wertvoll» von der deutschen Filmbewertungsstelle Wiesbaden auf sicher. Doch als filmisches Erlebnis ist der arg konventionelle Historienfilm ein von Anfang bis Ende unbefriedigendes Erlebnis. Da wird viel zu viel und oft auch zu banal geredet. Jede Tat wird entweder von den Figuren selbst oder dann durch die lästige Erzählstimme erklärt.
Einige Szenen sind so penetrant symbolisch inszeniert, dass sie fast nur als Parodie gelesen werden können. Etwa, wenn genau in dem Moment, in dem Johanna in der Kirche gegen ihren Willen verheiratet werden soll, ein Angriff der Normannen stattfindet. Der Priester hält dem Angreifer zuerst die Bibel entgegen, die aber mit einem Hieb zweigeteilt wird. Danach trennt das Schwert des Normannen auch noch den Kopf des Priesters vom Körper ab. In einer anderen Szene wird durch eine Kerze ein Furz angezündet. Viel mehr als ein brennender Furz ist auch «Die Päpstin» nicht. [Thomas Hunziker]
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