Capitalism: A Love Story - Interview
| Aka Titel: | Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte |
| Land (Jahr): | USA (2009) |
| Genre: | Documentary, Drama |
| Filmlänge: | 127min |
| Regie: | Michael Moore |
| Kinostart: | 22.10.2009 |
| 25.11.2009 (Romandie) | |
| 30.10.2009 (Tessin) |
Michael Moore: «Das ist doch kriminell!»
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Der Dokfilmer über seine Vorahnungen, die Goldman Sachs Bank und den Kapitalismus.
Es ist schön dich hier am Venedig Filmfestival zu sehen. Es scheint, als wären Dokumentationsfilme ein guter Weg um eine Meinung zu übermitteln. Warum entscheidest du dich Jahr für Jahr für dieses Medium?
Eigentlich möchte ich in erster Linie Filme drehen. Ich überlege mir, was ein guter Film wäre, den man sich gerne anschauen würde. Ich denke dabei nicht direkt an einen Dokumentationsfilm oder an ein bestimmtes Thema. Ich versuche einfach einen Film zu machen, den ich mir selber auch gerne an einem Freitagabend im Kino ansehen würde. Einen Film zu dem ich meine Frau einladen, Popcorn essen und eine gute Zeit haben würde. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf ist es mir auch möglich, politische Themen aufzugreifen und sie in einen unterhaltsamen Film umzuwandeln. Das ist doch die eigentliche Kunst des Kinos.
Dieser Film ist sehr sentimental und es scheint als hättest du über Jahre daran gearbeitet. Hattest du eine solche schlimme Krise erwartet?
Nein, aber ich war mir sicher, dass sie kommen wird. Vor zwanzig Jahren habe ich die Leute gewarnt, dass es mit General Motors nicht mehr lange so weiter gehen wird. Es ist schon so lange her, dass ich langsam müde werde meinen Kopf gegen eine Wand zu schlagen. Wir müssen etwas gegen diese Probleme unternehmen. Ob es sich nun um ein Waffenproblem handelt oder um die Lüge um den Irakkrieg. Als ich diese Themen vor langer Zeit ansprach, buhte man mich aus. Doch etwas später sind die Leute dann auf mich zugekommen und haben gesagt: Ich glaube, da hattest du doch Recht. Und ich hoffe, sie hören mir das nächste Mal zu.
Du nennst und beschuldigst auch ein paar Leute von Goldman Sachs Bank, UBS und Morgan Stanley. Was erhoffst du dir davon oder wovon fürchtest du Dich?
Ich hoffe, dass sich die amerikanische Gesellschaft erhebt und sich ihr Land von der Wallstreet zurückholt. Ich glaube die Leute werden verwundert sein, was für eine Kontrolle die Goldman Sachs Bank in unserer Regierung hat. Das ist unsere Regierung, doch momentan könnte man sie schon fast Goldman Regierung nennen. Aber es ist die Regierung der Vereinigten Staaten und nicht der Goldman. Und ich möchte sie zurück haben. Goldman bezahlt nur 1% Steuern. Das ist alles was sie bezahlen. Die normalen Arbeitnehmer bezahlen 20% oder mehr. Das ist doch kriminell.
Was hätte pragmatisch gesehen an diesem schwarzen Tag im September passieren sollen?
Es hätte nicht erlaubt werden sollen, dass gewisse Dinge vollkommen in sich zusammenbrechen. Denn in diesen Institutionen waren die Pensionskassen der Leute drin. Es war nicht falsch von der Regierung, einzugreifen, aber sie hätten sagen sollen: Okay, ihr habt es verbockt, nun übernehmen wir. Wir sind nun in der Empfängerposition. Wir werden das wieder rekonstruieren und ihr seid draussen. Alle Leute die dafür verantwortlich sind, sind draussen. Sie haben schliesslich auch alles Geld verloren und die Leute ausgenommen. Sie haben willkürlich Checks ausgestellt und sie um sich geschmissen: Nehmt das Geld, nehmt das Geld! Nehmt euch auch noch einen Bonus und kauft euch doch noch einen neuen Jet. Kommt schon. Das ist doch einfach unglaublich. Aber das wird so weitergehen, bis die Leute endlich aufstehen und ihr Land zurückfordern.
[Michael Moore wurde interviewt von Portmann Media]
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