Im Bedrohungsszenario, in dem sich der Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) befindet, sind Banken noch viel böser und mächtiger als man gemeinhin annimmt: Ein in Luxemburg ansässiger Bankenkonzern treibt dubiose Waffengeschäfte mit Schurkenstaaten und lässt nach Gutdünken Menschen ermorden, die sich ihm in den Weg stellen. Neben derart skrupellosen Bankern wirken Marcel Ospel und die UBS-Teppichetage wie Chorknaben. Das Szenario, das auf dem Papier wenig plausibel klingen mag, wird in «The International» packend umgesetzt.
Im Bemühen, dem Konzern das Handwerk zu legen, folgt Agent Salinger dessen Spuren rund um den Globus. Der Verschwörungs-Thriller «The International» mixt verschiedene Genre-Versatzstücke: Das David-gegen-Goliath-Szenario um einen einzelnen Ermittler, dem ein allmächtiger multinationaler Konzern gegenübersteht, mischt Tykwer mit den häufigen Schauplatzwechseln eines Bond-Filmes, mit «CSI»-Ballistik-Analyse und einigen wenigen heftigen Action-Sequenzen.
Dieser Mix funktioniert ausgezeichnet: Tykwer hat einen spannenden Thriller gedreht, der mit einem hervorragenden Cast und einer gekonnten Inszenierung glänzt. Neben Owen sind auch Naomi Watts und Armin Müller-Stahl die ideale Besetzung für ihre Rollen, vor allem aber sind auch die Nebendarsteller bestens ausgewählt. In den teilweise stereotypen Rollen können die Stars ihr schauspielerisches Talent allerdings nur wenig zeigen. Besonders Müller-Stahl muss in seiner Rolle kaum mehr als sein Standard-Repertoire abliefern; der Dynamik und Spannung des Plots tut dies aber keinen Abbruch.
Für einen Regisseur, der einst ein visuelles Feuerwerk wie «Lola rennt» gedreht hat, ist «The International» sehr zurückhaltend gestaltet. Vor allem aber hat Tykwer die verschiedenen Städte spektakulär und mit viel Gespür für Authentizität in Szene gesetzt. Überhaupt ist man bei den Schauplätzen Berlin, Mailand und Istanbul froh, dass ein europäischer Regisseur am Ruder sitzt, der sich auch mal traut, drei Sätze am Stück in italienisch sprechen zu lassen und damit den nicht-amerikanischen Schauplätzen eines US-Blockbusters für einmal etwas mehr Authentizität verleiht. Tykwer zeigt die bekannten Orte mit sehenswerten Luftaufnahmen und schwungvollen Kamerafahrten.
Die Dramaturgie des Films hängt zwar gegen den Schluss mal etwas durch und der Plot ist nicht bis ins allerletzte Detail plausibel, doch das Szenario um den skrupellosen Bankenkonzern, das aktueller nicht sein könnte, erweist sich als gute Grundlage für einen spannenden Thriller. «The International» ist damit ein äusserst gelungener Vertreter seines Genres.