Slumdog Millionaire - Interview
| Aka Titel: | Slumdog Millionär |
| Land (Jahr): | Grossbritannien, USA (2008) |
| Genre: | Crime, Drama, Romance |
| Filmlänge: | 120min |
| Regie: | Danny Boyle |
| Loveleen Tandan | |
| Kinostart: | 22.01.2009 |
| 14.01.2009 (Romandie) |
Dev Patel: «Als ich das Skript las, fühlte ich mich wie auf einer Achterbahn.»
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Die beiden Schauspieler über die quirlige Stadt Mumbai und die Filmmusik zu «Slumdog Millionaire».
Es ist schön Sie beide hier in London zu sehen. «Slumdog Millionaire» ist einer der besten Filme, den ich je gesehen habe. Es ist eine grossartige Geschichte. Erzählen Sie uns etwas mehr darüber. Wie hat die Geschichte oder das Skript auf sie gewirkt?
Dev Patel: Als ich das Skript las, fühlte ich mich wie auf einer Achterbahn. Man fühlt so viele verschiedene Gefühle zur gleichen Zeit. Es ist romantisch, dann wieder lustig oder tragisch. Es ist super. Ich spiele den 18-jährigen Jamal Malik. Er trifft dieses Mädchen namens Latika, welche Freida verkörpert. Sie haben eine unglaublich starke Bindung, obwohl sie noch sehr jung sind. Sie verlieren sich anschliessend in der turbulenten Stadt Mumbai und er macht es sich zu Lebensaufgabe Latika, seine Seelenverwandte wiederzufinden. Er denkt sich: «Wenn ich zu dieser Game-Show gehe, die meist gesehene Game-Show von Indien, vielleicht findet sie mich so wieder.»
Das schöne an der Geschichte ist, dass alles sehr langsam aufgebaut ist. Es sind jedoch viele Sachen die gleichzeitig geschehen und den Film sehr lebendig machen. Wie fühlt sich das an, während man dem Film dreht? Spürt man etwas davon?
Freida Pinto: Ich glaube das liegt an der Stadt Mumbai. Nichts anderes ist so lebendig. Der Fakt, dass die Geschichte sehr harmlos in den Slums von Mumbai beginnt und anschliessend in die quirlige Stadt wechselt, macht es unglaublich lebendig. Es passiert vieles zur gleichen Zeit. Es gibt viele Wege die Stadt Mumbai zu verstehen, und ich finde die Geschichte reflektiert sie auf die wohl schönste Art und Weise.
Die Musik spielt eine grosse Rolle im Film. Wie war es für Euch, als ihr den fertigen Film, mit der dazu passenden Musik gesehen habt?
Dev Patel: Es war unglaublich. Einfach faszinierend. Wenn man in Indien ist, hört man sowieso oft verschiedene Musik und Klänge. Die Musik begleitet einen wunderbar. Doch vor allem beim drehen. Als wir zum Beispiel eine Liebesszene drehen mussten und die Kulisse ohne Musik betrachteten, hat es uns nicht wirklich berührt. Aber anschliessend mit der Musik war es unbeschreiblich. Du Musik ist sehr schön.
Freida Pinto: Ja absolut. Man denkt sich, dass 75% des Filmes mit Schauspielerei gefüllt ist. Aber ich denke es ist 50/50. Die Musik spielt eine ebenbürtige Rolle in dem Film. Sie ist sehr wichtig. Speziell in den Verfolgungs-Szenen. Es ist nicht nur, dass die Kinder schneller rennen, auch die Musik wird schneller und zieht einen richtig in ihren Bann. Die Musik spielt wirklich eine sehr grosse Rolle.
Erzählen Sie uns etwas mehr über die Figur «Latika» welche Sie spielen.
Freida Pinto: Ich spiele die 19-jährige Latika. Eigentlich beginnt die Geschichte von Latika jedoch schon viel früher, als sie sieben oder acht Jahre alt war. Sie ist eine sehr liebenswerte und bezaubernde Person. Sie wartet auf die Zustimmung von Jamal. Sie ist ein Mädchen, das nicht aufgibt, bis sie die Liebe und Akzeptanz bekommt, die sie möchte. Sie wird in seine Gruppe aufgenommen und schliesslich stellt sich heraus, dass sie eine der drei Musketiere wird. Unglücklicherweise ist Mumbai eine sehr chaotische Stadt und sie wird von der einzigen Person getrennt, die sie wirklich versteht und mit welcher sie zusammen sein möchte. Die jüngere Latika ist etwas verloren und findet sich häufig in dramatischen Situationen wieder. Sie versucht aus der momentanen Situation herauszukommen und sich loszureissen. Sie kann jedoch nichts ändern, bis ihre Lebenshoffnung wieder zurückkehrt. Und das ist Jamal Malik.
[Freida Pinto und Dev Patel wurde interviewt von Portmann Media]
Danny Boyle: «Ich erinnere mich, dass ich schon nach den ersten zehn Seiten des Skripts davon überzeugt war.»
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Der britische Regisseur war wie einst bei «Trainspotting» sofort überzeugt vom Skript.
Es ist schön Sie hier zu sehen Danny. «Slumdog Millionaire» ist ein unglaublicher Film mit einer grossen Geschichte. Wie war es für sie eine solche Geschichte auf die Leinwand zu bringen?
Ich erinnere mich, dass ich schon nach den ersten zehn Seiten des Skripts davon überzeugt war. Ich dachte mir: «Das musst du machen.» Das letzte Mal als ich das schon so früh gespürt habe, war als ich die erste Seite des Romans «Trainspotting» gelesen habe. Ich dachte mir: «Oh mein Gott, diesen Film musst du machen.» Das ist selbstverständlich kein vernünftiges Denken. Denn der Rest des Skript könnte der grösste Müll sein. Aber irgendetwas sagt dir, dass es speziell ist. Sehr speziell. Und man möchte den Film einfach drehen. Der Rest des Skripts war übrigens sehr gut sowie auch der Rest des Romans Trainspotting. Solches Material ist ein Segen, dessen man nur alle fünf oder zehn Jahre begegnet. Sobald man anfängt darüber nachzudenken, möchte man sogleich damit beginnen, den Film zu drehen. Man versucht es so genau wie möglich wiederzugeben, damit das Publikum dasselbe fühlt, wie du, als du es zum ersten Mal gelesen hast. Die Energie der Stadt, die gestürzte Hauptfigur die hoffnungslos, unqualifiziert und einfach ein Loser ist. Doch plötzlich fängt er an zu gewinnen. Und man denkt sich: «Was passiert da genau?» Jeder denkt, er ist nur wegen des Geldes in der Show, aber er interessiert sich kein bisschen für das Geld. Er ist von armer Herkunft aber sein Herz ist grösser, als die anderen das jemals verstehen könnten. Und genau aus diesem Grund ist er in dieser Show. Wegen ihr. Er versucht sein Mädchen wieder zu finden. Ich liebe diese Idee. Der Film ist aufgebaut mit vielen Rückblicken. Sie fühlen sich jedoch nicht an wie Rückblicke. Es sind Erinnerungen. Wenn ein Junge auf seinem Sterbebett liegt und seine Lebensgeschichte erzählt, berührt einen das unglaublich. Klar, auch Titanic war ein sehr rührender Film und ich habe geweint. Aber bei diesem Film geht es um einen 18-jährigen Jungen, dessen ganzes Leben noch vor ihm liegt. Er gewinnt 20 Millionen Rupien. Was wahrscheinlich mehr ist, als dass wir uns vorstellen können zu haben. Er hat ein hübsches Mädchen am Arm und läuft davon. Er hat noch sein ganzes Leben vor sich. Es ist eigentlich ein sehr drastischer und ironisch gesehen ein Feel-Good Film. Ich liebe einfach die Überraschungen, die eine solche Geschichte mit sich bringt.
Sie lieben Überraschungen und auch die Komplexität solcher Geschichten. Es muss sehr anspruchsvoll für Sie gewesen sein, denn dieser Film beinhaltet so viele Elemente. Es geht um Musik, die verschiedenen Figuren und die Stadt, welche selber einen eigenen Charakter darstellt. Sie müssen viel Energie aufgewendet haben, um die Geschichte zu verwirklichen.
Wenn der Film fertig ist, denken die Leute: «Wow, das war aber schwer.» Aber das ist genau der Grund, warum man Regisseur ist. Aus diesen Gründen steht man am Morgen auf. Man denkt sich nicht wie schwer es sein wird, sondern: «Wow, was für ein tolles Musik Arrangement, welche super Idee.» Man fühlt sich inspiriert und ist interessiert. Es ist wie bei einem Puzzle. Man setzt verschiedene Teile zusammen, bis sie passen. Das ist die Energie für den Tag. Okay, das sind die guten Tage. Wenn ich an schwierigen Sachen herum studiere, dann ist es ein guter Tag. An den schlechten Tagen, da kann ich mir den fertigen Film überhaupt nicht vorstellen.
[Danny Boyle wurde interviewt von Portmann Media]
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