Revolutionary Road - Filmkritik
| Aka Titel: | Zeiten des Aufruhrs |
| Land (Jahr): | Grossbritannien, USA (2008) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 118min |
| Regie: | Sam Mendes |
| Kinostart: | 15.01.2009 |
| 21.01.2009 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Justin Haythe |
Das Problem ohne Namen
Mit seiner Verfilmung von Richard Yates' Roman bringt Sam Mendes das Leinwand-Liebespärchen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in einer mitunter theatralisch gespielten, aber kraftvollen und beeindruckenden Studie des erstickenden 1950er-Jahre-Biedermeiers wieder zusammen.
Suburbia, USA, in den 1950ern. Das Ehepaar April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) lebt mit seinen zwei kleinen Kindern in der Nähe von New York, wo Frank einem öden Bürojob nachgeht. Jeden Morgen wird er mit einer amorphen Masse anderer Office Men am Bahnhof ausgespuckt, am Abend kommt er heim zu einer Ehefrau, die sich in der spießigen Vorortidylle wie in einem Gefängnis fühlt. Dabei hatten sie als junges Liebespaar so hochfliegende Vorstellungen von dem, was das Leben noch für sie bereit halten sollte. In einem Moment von Aufruhr beschließt April, dass die Familie nach Paris umziehen soll, wo sie als Sekretärin für die Familie sorgen will, während Frank herausfindet, was seine tatsächliche «Bestimmung» im Leben ist. Doch das erstickende Klima des Nachkriegs-Amerika wie auch Franks Bedürfnis nach Sicherheit rütteln an der Entscheidung.
Natürlich fragt man sich als erstes, was passiert, wenn Regisseur Sam Mendes («American Beauty») hier seine Frau Kate Winslet zum ersten Mal wieder mit ihrem Loverboy aus der Megaschmonzette «Titanic» zusammenbringt. Doch interessanterweise vergisst man diesen Aspekt sofort nach den romantischen Eingangssequenzen, wenn das profane Alltagsleben einsetzt, in dem man - beinahe schon ein Tabubruch - beide Stars ganz ungeschminkt, mit allen alterstypischen Fältchen und Linien in den besorgten Gesichtern, im Anrennen gegen Konventionen einerseits und Sicherheitsbedürfnis andererseits beobachten kann. Die Romanvorlage von Richard Yates aus dem Jahr 1961 kritisiert den Verrat an uramerikanischen Idealen wie Aufbruchsgeist und Offenheit - für die April Wheeler steht -, die von der Hetzjagd auf Kommunisten während der McCarthy-Ära kompromittiert worden seien.
Im Rückblick liest sich die Filmadaption jedoch eher wie eine Bebilderung des feministischen Klassikers von Betty Friedan aus dem selben Jahr, «The Feminine Mystique», in dem diese konstatierte, dass all die Vorort-Hausfrauen, die doch alles hätten, aber trotzdem an allerlei Depressionen litten, aufgrund der Leere ihrer perfekten Existenz zwischen Mann, Kindern und Haushalt am berühmten «problem with no name» laborierten. Denn auch wenn Franks Leben von einer «hopeless emptiness» geprägt ist, so hat er zumindest noch die Wahlmöglichkeit, seinen Job zu kündigen oder eine Affäre einzugehen - April hingegen hat absolut keine Entscheidungsfreiheit. Die Hoffnungslosigkeit ihrer eng verschnürten Existenz kontrastiert drastisch mit den strahlend schönen Bildern ihrer Umgebung und macht so die Diskrepanz zwischen Innen und Außen noch sichtbarer. Am Ende bleibt nur noch die Frage: Wieso wählt der gesellschaftskritische Mendes 2008 diesen Stoff? Bleibt zu hoffen, dass die Antwort nicht ein neues Biedermeier ist. [Sonja Eismann]
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