In Bruges - Filmkritik
| Aka Titel: | Brügge sehen ... und sterben? |
| Land (Jahr): | Belgien, Grossbritannien (2008) |
| Genre: | Comedy, Crime, Drama |
| Filmlänge: | 105min |
| Regie: | Martin McDonagh |
| Kinostart: | 17.07.2008 |
| 13.08.2008 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Martin McDonagh |
Profikiller im Urlaub
Beschaulich, provinziell und vollkommen friedlich wirkt das belgische Städtchen Brügge, dessen mittelalterlicher Stadtkern von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde und jährlich Tausende Touristen anlockt. Die katholische Kirche dominiert mit allerlei Glockentürmen das Stadtbild ebenso wie Brügges zahllose idyllische Kanäle, und echte Grausamkeit vermutet hier jenseits von Hieronymus Boschs Triptychon «Das jüngste Gericht», das im Groeningemuseum hängt, eigentlich niemand. Genau der richtige Ort also für einen Profikiller, um mal ein wenig Urlaub zu machen.
Ganz freiwillig hat es Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) allerdings nicht nach Flandern verschlagen. Der letzte Auftrag in London verlief nicht ganz nach Plan, weswegen ihr Boss Harry (Ralph Fiennes) die beiden vorübergehend in eine Zwangspause schickt. Doch ganz so harmlos wie zunächst gedacht, verlaufen die Ferien nicht. Denn während Ken sich mit Wonne und Stadtplan ins Touristenleben stürzt, kann sich Ray bestenfalls für das belgische Bier erwärmen.
Der fatal verlaufene Job in England - sein erster überhaupt - sitzt ihm immer noch in den Knochen, die junge Drogendealerin Chloe (Clémence Poésy) verdreht ihm den Kopf und ein irritierender amerikanischer Kleinwüchsiger (Jordan Prentice) kreuzt immer wieder seinen Weg. Gleichzeitig bekommt Ken schließlich neue Befehle von Harry - und spätestens als der skrupellose Obergangster selbst in Brügge auftaucht, entwickelt sich der Urlaub in Belgien zu einer blutigen Angelegenheit.
Der Idee des britischen Dramatikers und Schriftstellers Martin McDonagh, für seinen ersten langen Kinofilm den gediegenen Charme der festland-europäischen Provinz mit englischem Humor und einem ebenso brutalen wie ungleichen Killer-Duo zu kombinieren, kann man einen gewissen Reiz nicht absprechen.
Auch die Auswahl seiner Hauptdarsteller ist gelungen: Collin Farrell ist hier sichtlich eher in seinem Element als etwa in Woody Allens «Cassandra's Dream», Brendan Gleeson stellt einmal mehr seine eigenwillige Leinwandpräsenz unter Beweis und der sonst so subtile Ralph Fiennes darf - wie schon als Voldemort bei «Harry Potter» - zur Abwechslung mal ganz dick auftragen.
Trotzdem will die Mischung nicht so recht aufgehen. Zwar entpuppt sich «Brügge sehen... und sterben?» als überraschend brutal, doch eigentlich kommt der Krimianteil der Geschichte viel zu kurz und echte Spannung deswegen überhaupt nicht auf. Gleichzeitig bekommt aber auch der Humor nicht den Raum, den er für eine wirkliche Komödie brauchen würde. Allzu bemüht stopft McDonagh Skurriles und Kurioses in sein Drehbuch, um sich das Prädikat «schwarzhumorig» zu verdienen, ohne allerdings einen ausgewogenen und einheitlichen Tonfall für die Erzählung zu finden. Schade, denn da wäre mehr drin gewesen. [Patrick Heidmann]
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