Buddenbrooks - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland (2008) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 146min |
| Regie: | Heinrich Breloer |
| Kinostart: | 24.12.2008 |
| Drehbuch: | Heinrich Breloer |
| Horst Königstein |
Augenschmaus und Ohrengraus
Wer einen Roman verfilmt, dem ist die Kritik so sicher wie das Amen in der Kirche: Entweder wird bemängelt, was fehlt, oder unter der Fülle des Stoffs geächzt. Heinrich Breloer nimmt sich 150 Minuten, um den Mannschen Wälzer komprimiert, aber im Zeitraffer zu bebildern, dass einem schwindlig werden könnte.
Einem Bonmot gemäß ist ein Klassiker ein Werk, dessen Titel alle kennen, das aber niemand gelesen hat - und dessen Filmfassung(en) die Kassen füllen, könnte man ergänzen. Mit dem Gesellschaftsroman «Die Buddenbrooks» von 1901 erzielte Thomas Mann nicht nur einen kommerziellen Großerfolg, er trug ihm 1929 auch den Nobelpreis ein und die Chance, in eine reiche jüdische Familie einzuheiraten.
Die Figuren des Romans «lebten» allerdings weitere rund 50 bis 100 Jahre früher. Man kann sich also fragen, was uns diese Familiengeschichte heute angehen könnte und warum sie auf der Leinwand zum Leben erweckt werden sollte. Wenn man die politischen Aspekte als Maßstab nimmt, lässt sich eine gewisse Relevanz feststellen, denn obwohl in der Hansestadt Lübeck, Heimatstadt Manns und Hauptschauplatz des Geschehens, damals bereits ein Bürgerrechtsstaat etabliert war, gab es riesengroße Standesunterschiede und eine revoltierende Unterschicht. Parallelen zur heutigen Klasse der Superreichen und den Armen in den Industriestaaten liegen auf der Hand, verleiten den Regisseur aber dazu, auch das Verhalten der Romanfiguren an die heutige legere Art anzugleichen und damit eine merkwürdig zwiespältige Wirkung zu erzielen.
Völlig aus der Rolle kippt beispielsweise ein schrecklich alberner Hamburger Bankier - eine Figur, die nicht einmal in eine moderne Komödie passen würde. Zwar wurde viel in eine opulente Ausstattung investiert, aber die Musik und ihre Darstellung kaputtgespart: Kein einziges Mal passen die Bewegungen der relativ oft auftretenden MusikerInnen zur Tonspur und auch kein einziges Mal passt der Klangraum zum Raumbild. Da eine der Protagonistinnen eine engagierte Hobby-Geigerin ist, wird man auf diese dilettantische filmische Umsetzung mit der Nase gestoßen.
Sobald man sich an die leuchtenden Farben, die aufwendigen Kostüme und die detailreichen Nachbauten gewöhnt hat, fällt einem auf, dass die Kameraführung und Sujetwahl einigen ermüdenden Stereotypen folgt, die wohl der Arbeit des Regisseurs an Fernsehserien geschuldet ist, bei denen das Publikum bis zur nächsten Folge vergessen hat, wo was spielt. Davon abgesehen, ist der Film trotz seiner Überlänge relativ kurzweilig, weil Breloer im Geschwindschritt durch die Geschichte marschiert, was es allerdings massiv erschwert, zu irgendeiner der Figuren eine emotionale Beziehung aufzubauen. Das Resultat ist eine familientauglich bildgezüchtigte und massengäng weichgespülte Bonsaifassung der grandiosen Vorlage, die so an eine Groschenromanvorlage denken lässt. [Eduard Ulrich]
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