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Trade - Interview

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Land (Jahr): Deutschland, USA (2007)
Genre:Crime, Drama, Thriller
Filmlänge:119min
Regie:Marco Kreuzpaintner
Kinostart:18.10.2007
Drehbuch:Jose Rivera
 Peter Landesman

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Roland Emmerich: «Das ist jetzt aber ein Film, der - glaube ich - hauptsächlich betroffen macht. Ich glaube, da kann man nicht wirklich von Unterhaltung reden.»

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Roland Emmerich hat «Trade» mitproduziert. Von der Regie musste er aber die Finger lassen.

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Roland, ich komme soeben aus dem Film und ich bin erschlagen von dem Thema. Es hat mich sehr berührt, da ich selber Familienvater bin. War das auch deine Motivation, dass du dieses Projekt so aktiv unterstützt hast?
Ja, das war der Hauptgrund. Ich dachte mir, dass Filme manchmal auch betroffen machen müssen. Da gibt es ganz verschiedene. Manche müssen unterhalten, manche müssen unterhalten und betroffen machen. Das ist jetzt aber ein Film, der - glaube ich - hauptsächlich betroffen macht. Ich glaube, da kann man nicht wirklich von Unterhaltung reden. Das war also schon der Hauptgrund.

Wie bist du mit der Umsetzung zufrieden?
Sehr! Ich wollte den Film ja selber machen, deshalb war ich schon ein wenig nervös und gespannt, was dabei herauskommt. Man hat da selber einen Film im Kopf und sagt sich, dass alles ganz toll wird. Dann merkt man aber plötzlich, dass man den Film nicht machen kann und überlegt sich, in wessen Hände man das Projekt legen soll. Damals hatte ich gerade per Zufall «Sommerstunde» gesehen, den zwei Freunde von mir produziert haben. Ich habe danach Marco Kreuzpaintner kennen gelernt und nach Los Angeles eingeladen. Er hatte - auch durch Zufall - das Drehbuch gelesen. Damals war aber immer noch geplant, dass ich den Film mache. Marco hat dann aber immer gesagt, dass er mich um diesen Film beneidet. Da waren schon Emotionen im Spiel. Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass jemand den Film unbedingt machen will und das Projekt nicht nur aus Karrieregründen übernimmt. In dem Moment, als ich erfuhr, dass ich «Trade» nicht machen kann, wusste ich, dass Marco der richtige Mann dafür ist. Ich bin nicht herumgelaufen und habe einen anderen Regisseur gesucht, obwohl man das hätte machen können. Marco war in meinen Augen einfach der richtige und ich bin mit der Entscheidung immer noch zufrieden. Es war wirklich eine gute Entscheidung!

Wie war es, dieses Projekt loszulassen und in die Hände eines anderen Regisseurs zu legen? Ich stelle mir das gar nicht so einfach vor...
Das ist auch nicht einfach, muss ich ganz ehrlich sagen. Deswegen war ich zum Beispiel beim Drehen nicht dabei. Ich habe mir einfach gesagt, dass ich da nicht dabei sein kann. Ich habe mitgeholfen, wo ich konnte, was die Finanzierung, das Drehbuch und die Besetzung angeht, aber beim Drehen konnte ich nicht dabei sein. In so einem Moment muss man das einfach gehen lassen, denn ich bin mehr Regisseur als Produzent. Ich kann da einfach nicht abschalten. Ich habe das schon gemacht, dass ich bei Filmen, die ich produziert habe, mit am Set war. Da ist eine ganz seltsame Dynamik entstanden. Die Crew hat sich über die Tage und Wochen immer mehr an mich gewandt. Wenn etwas gemacht wurde, kamen sie zu mir und fragten «Roland, was hältst denn du davon?». Und als Regisseur ist man sich so gewohnt, zu sagen, was man will, dass man fast automatisch das Kommando übernimmt. Plötzlich entsteht dann die Situation, dass keiner mehr auf den Regisseur hört. Das war wirklich ein Problem und ich wollte das vor allem Marco Kreuzpaintner nicht zumuten. Deshalb bin ich vom Set weggeblieben.

[Roland Emmerich wurde interviewt von Portmann Media]

Marco Kreuzpaintner: «Man will den Zuschauer an die Hand nehmen und ihn mitnehmen in eines der wahrscheinlich dunkelsten Kapitel dessen, wozu ein Mensch fähig ist.»

Marco Kreuzpaintner will mit «Trade» aufklären: über Menschenhandel, Religion und noch mehr.

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Marco, ich komme soeben aus dem Film und ich bin erschlagen...
Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich will dich natürlich nicht erschlagen (lacht).

Nein, es ist natürlich gut, aber es ist schon harter Stoff. Wie sind den die Reaktionen der Leute, denen du den Film zeigst?
Ich zeige den Film niemandem, also ich schaue mir einen Film nicht mehr an, nachdem ich ihn gemacht habe. Ich kann das gar nicht mehr. Den Film zu machen ist schon anstrengend und im Laufe des Schnitts habe ich den Film sowieso schon hundert Mal gesehen. Aber ich bekomme schon viele Reaktionen, wie zum Beispiel auf der Premiere beim Sundance Filmfestival, wo ich im grossen Saal mit 1'500 Leuten während zehn Minuten lang Standig Ovations hatte. Da hat man schon gemerkt, dass die Leute erst einen Moment durchatmen mussten und dann nach und nach - mir ist das vorgekommen wie in Zeitlupe - aufgestanden sind und angefangen haben zu applaudieren. Daraus wurde dann plötzlich ein riesiger Applaus. Da hat man schon gemerkt, wie nahe das den Leuten geht und wie sauer es sie macht, dass es so etwas wie Menschenhandel gibt. Ich meine, der Film versucht ja schon auf eine spannende Art und Weise eine Geschichte zu erzählen. Es ist eine Rettungsgeschichte von einem Bruder, der seine kleine Schwester wiederbekommen möchte und zusammen mit einem Versicherungspolizisten, der damit eigentlich gar nichts zu tun hat, versucht er, sie von den Kidnappern zurückzuholen. Ich habe versucht, das auf möglichst emotionale Art und weise zu erzählen. Und wenn es von Kindern handelt, geht einem das natürlich an die Nieren, das ist keine Frage. Der Film beruht aber auf wahren Begebenheiten. Also jede Location, die im Film vorkommt, ist so wie sie im «Time Magazine» beschrieben wurde. Ein Artikel in diesem Magazin hat in Amerika für einen grossen Skandal gesorgt. Es war deshalb ein Skandal, weil die Amerikaner in ihrer gewissen Scheinheiligkeit gesagt haben: «So etwas gibt es bei uns nicht, das passiert nur im fernen Osten. Kinder die verkauft werden? Nein, kennen wir nicht». Das fand ich schon bemerkenswert. Wir sind in Europa übrigens auch nicht anders. Wir zeigen mit dem Finger auch gerne nach Osteuropa oder nach Südostasien aber haben das Problem tatsächlich auch vor der Haustüre. Man muss sich diese Dinge einfach vergegenwärtigen, wie das auch im Film gezeigt wird. Da werden diese Kinder für mehrere zehntausend Dollar versteigert. Das heisst, wir sprechen hier nicht von irgendwelchen sozialen Unterschichten oder Asozialen am Stadtrand, die sich solche Kinder ersteigern, sondern das ist die mittlere Gesellschaft, also wir. Das sind die Ärzte, Priester und leitende Angestellte. Das ist oberes Bürgertum. Andere haben das Geld gar nicht. Ich finde, dann wird es interessant, wenn man sieht, was in solchen doch auch gebildeten gesellschaftlichen Riegen an Perversion vorhanden ist. Da glaubt ein Mensch, er könne sich einen anderen Menschen kaufen und diesen besitzen. Das ist eigentlich das Zynischste, was ich als Ausprägung des Kapitalismus wahrgenommen habe.

Weshalb wolltest du diese Geschichte unbedingt erzählen? Es ist ja ein tragischer Umstand, aber es gibt noch viele andere Themen, die ebenso wichtig sind. Du hast dich aber für diese Geschichte entschieden. Warum?
Weil ich das Gefühl habe, dass das etwas mit mir und meiner Person zu tun hat. Ich bin ein unglaublicher Lateinamerika-Fan und habe viele Freunde dort. Ich kenne das Klagelied von ihnen. Sie sagen, dass wir in der westlichen Welt keine Ahnung haben, was bei ihnen passiert. Sie fänden bei uns ja noch nicht mal in den Nachrichten Beachtung. Da haben sie eigentlich recht. Hand aufs Herz, wann haben wir das letzte Mal eine Meldung aus Argentinien, aus Peru oder aus Brasilien gehört? Aber über den Irak-Krieg erfahren wir jeden Tag etwas. Ich habe einen sehr guten Freund in Brasilien und nach der ersten Woche des Irak-Krieges habe ich mit ihm gesprochen. Ich habe gesagt: «Ist das nicht furchtbar, dass da jetzt bereits 25 Menschen tot sind?» Er hat nur zynisch gelacht und gesagt, dies sei die Anzahl Menschen, die bei ihm in Saõ Paulo an einem Samstagnachmittag ermordet werden. Warum solle er sich jetzt darüber aufregen, was im Irak passiert? Er sagte: «Dann sterben halt 25 amerikanische Soldaten. Die verursachen bei uns durch ihre Ausbeutung Südamerikas genau den Umstand, dass ich mich nicht mehr traue, nachts allein vor die Tür zu gehen.» Es ist mir also ein emotionales Anliegen, dass ich auf diese Thematik aufmerksam machen möchte. Gerade in so einem Fall wie Mexiko, das ja auch zu den ausgebeuteten kolonialisierten Ländern gehört und von den USA wirtschaftlich abhängig ist. Es sind natürlich die Schwächsten der Schwachen - wie immer Frauen und Kinder - die darunter zu leiden haben. Eine Frau, die in einem Land wie Mexiko aufwächst, oder wie die andere Frau im Film in Polen - also in Ländern, die beide sehr katholisch geprägt sind - sieht manchmal keine Chance mehr, in ihr Land zurückzukehren, selbst wenn sie den Entführern entkommen konnte. Das liegt daran, dass sie beschämt sind wegen ihrer Religion. Der Film thematisiert also auch den Umgang mit der Religion und ihrer Scheinheiligkeit. Aber vor allem ist es eine Rettungsgeschichte, die aus der Sicht von Opfern erzählt wird. Man will den Zuschauer an die Hand nehmen und ihn mitnehmen in eines der wahrscheinlich dunkelsten Kapitel dessen, wozu ein Mensch fähig ist.

[Marco Kreuzpaintner wurde interviewt von Portmann Media]

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