Music and Lyrics - Interview
| Aka Titel: | Mitten ins Herz |
| Land (Jahr): | USA (2007) |
| Genre: | Comedy, Music, Romance |
| Filmlänge: | 104min |
| Regie: | Marc Lawrence |
| Kinostart: | 08.03.2007 |
| 14.03.2007 (Romandie) | |
| 23.02.2007 (Tessin) |
Hugh Grant: «Ich kann weder singen noch tanzen noch Klavier spielen!»
Er spielt einen alternden 80er-Jahre Popstar und fand beängstigend viel Gefallen daran.
Könnt Ihr die jeweils andere Figur etwas vorstellen?
Barrymore: Hughs Rolle, also Alex Fletcher, war ein riesiger Popstar in den Achtzigern. Er war sozusagen die eine Hälfte der Band, und die andere wurde dann später sehr erfolgreich, er aber nicht. Und nun ist er an einem Punkt in seinem Leben, wo er ziemlich apathisch geworden ist und seine Zeit damit verbringt, an irgendwelchen Geburtstagsfeiern aufzutreten. Er möchte irgendwie mehr vom Leben, doch er muss die momentane Lage einfach hinnehmen.
Grant: Genau, und Sophie, die Figur, die Drew spielt, ist eine sehr intelligente, leicht neurotische und leicht exzentrische New Yorkerin, die eigentlich schon immer eine Autorin werden wollte und dazu sogar Schreibunterricht bei einem sehr bekannten Autor genommen hat. Mit dem hatte sie dann auch eine Affäre, ganz einfach deshalb, weil sie eine Schlampe ist (grinst). Nein!, sie ist keine Schlampe. Sie hat einfach eine Affäre mit diesem sehr bekannten Autor, der sie dann ziemlich mies behandelt. Und nun ist sie eine gebrochene Frau, ihr Herz ist entzwei und sie kann nicht mehr schreiben. Für ihren Lebensunterhalt sorgt sie, indem sie im Geschäft ihrer Schwester hilft, welches mit Gewichtsabnahme zu tun hat. Und sie verdient sich ein wenig Geld, indem sie für diverse Leute Pflanzen giesst. Und ich bin einer von diesen Leuten, deren Pflanzen sie begiesst. Und zwar nicht nur im wörtlichen Sinn: Auch metaphorisch giesst sie meine Pflanzen und lässt mich wachsen und gedeihen.
Was denkt Ihr, ist der erste Eindruck, den die beiden voneinander haben?
Grant: Nun ich glaube, dass Alex denkt, sie habe völlig einen an der Waffel. Sie verhält sich sehr seltsam, sie ist ein einziger Widerspruch: Sie kommt herein, sagt, sie sei eine Pflanzenfrau, kann aber keine Pflanze von der anderen unterscheiden, beginnt sogar Plastikpflanzen zu begiessen, stüpft dann ihren Finger an einem Kaktus und meint, sie müsse deswegen ihren Arm amputieren und geht dann plötzlich... Also ich denke, sie ist verrückt.
Barrymore: Nun, ich weiss nicht viel mehr über dich, ausser, wer du einst mal warst. Und ich erhalte die Möglichkeit, oder besser gesagt den Vorschlag deinerseits, gemeinsam etwas zu schreiben. Und das ist so ziemlich das, was ich am meisten fürchte. Und zwar während einer sehr kurzen Zeitspanne, denn Alex hat ein ziemliches Zeitdruckproblem, um seine Karriere wieder in Gang zu bringen. Er will dies schaffen, indem er dieses Lied für eine Künstlerin namens Cora Coreman, die so ziemlich der grösste junge Popstar der Welt zu der Zeit ist, schreibt. Sophie und Alex holen irgendwie gegenseitig das Beste aus sich heraus. Sie pusht ihn, um besser zu sein, nicht so niedergeschlagen und um nicht stecken zu bleiben. Und er wiederum bringt sie dazu, das zu tun, was sie eigentlich am allerliebsten macht, nämlich zu schreiben. Und zusammen starten sie ihr Leben gegenseitig neu. Grant: Es ist ein ungleiches Paar. Beim Zuschauen denkt man, oh ich hoffe nur, die beiden finden nicht zusammen, denn er ist zu alt, und überhaupt. Es ist nicht so eine automatische Sache, wo man sich denkt, die müssen einfach zusammengehören. Aber ich denke, wir steigern uns; auch in den Augen der Zuschauer, und in der Mitte des Films hofft man, dass die beiden doch zusammen finden.
Was haben Sie gefühlt, als Sie herausgefunden haben, dass Sie singen und tanzen müssen? Vor allem Sie, Hugh. Und was für eine Erfahrung war das?
Grant: Es war mitunter der Grund, weshalb ich so lange zögerte bei diesem Film. Ich habe mit Marc Lawrence, (dem Regisseur und Drehbuchautor), schon in «Two Weeks Notice» zusammengearbeitet und schon seit Jahren hat er mir von dieser Filmidee erzählt über ein Songtext-Paar, dass Lieder schreibt. Und ich habe ihm ständig gesagt, ich sei nicht interessiert. Ich mag Musik nicht, es ist nicht meine Welt. Als er mit der Idee aufkam, die Leadfigur als ehemaligen Achtziger-Popstar hinzustellen, fand ich das sehr lustig und dachte, dass da viel Komik drin stecken würde. Und so habe ich dummerweise zugesagt. Und dann sagte ich ihm: Ich kann weder singen noch tanzen noch Klavier spielen - ich bin sehr unmodisch, alles andere als hipp und das alles ist eine Katastrophe. Ich musste schuften wie ein Tier, um das alles wegzustecken.
Und Drew, haben Sie ebenfalls gesungen?
Barrymore: Ich musste ganz wenig singen, doch zum Glück bin ich im Film nicht als gute Sängerin vorgesehen. Ich musste nur einmal das Demo mit Alex aufnehmen, aber das hat sehr viel Spass gemacht. Und wir nahmen es einfach locker und liessen die Sache laufen. Es war erschreckend, aber ich habe es sehr genossen.
Das Video zu «Pop Goes My Heart» ist ja zum totlachen. Wie war denn das?
Grant: Nun, das war eine grossartige Idee von Marc, den Film mit einer Rückblende zu beginnen. Eine Rückblende zu meiner Figur zurück in den Achtzigern, indem wir eines dieser extrem kitschigen Videos drehten im Stile von Duran Duran oder Wham und wie sie damals alle hiessen. Man sieht darin nicht nur die Bands in ihren 80er-Outfits, engen Hosen, hohen Absätzen, viel Haar und viel Make-up - vor allem die Männer - sondern auch, dass sie die Story des Songs immer theatralisch nachspielten. Und zwar mit ganz ganz schlechten Schauspielfähigkeiten... Ja, es hat Spass gemacht, das alles zu rekonstruieren und dem Publikum dürfte es auch ziemlich gefallen.
Drew, was haben Sie sich gedacht, als Sie es gesehen hatten?
Barrymore: O, ich fand es toll. Ich bin ja dermassen ein Produkt der Achtziger-Videos und liebte den Tag, an dem MTV startete. Ich fand`s daher wirklich toll und denke, es ist eine der lustigsten Szenen im Film.
Hugh, Sie haben ja hier mit Marc Lawrence zusammengearbeitet und zwar nicht zum ersten Mal. Er hatte sie von Anfang an für die Rolle vorgesehen. Wie war das für Sie? Haben Sie alles zusammen abgesprochen?
Grant: Wie gesagt, ich mochte die Zusammenarbeit beim letzten Film. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt, da ich ja meine Arbeit sowieso nicht ausstehen kann (schmunzelt). Aber abgesehen davon, muss ich sagen, dass ich Marc sehr mag. Er ist ein Mann, der in fast so viel Schmerz badet wie ich. Und ausserdem ist er ein Jämmerlichist - er findet Vergnügen an jämmerlichen Dingen, genau wie ich. Wir haben also dieses gegenseitige Einfühlungsvermögen. Und ja, er hat die ganze Zeit versucht, mich davon zu überzeugen, diesen musikalischen Film zu machen und ich wollte nie - und dann konnte ich nicht widerstehen. Wissen Sie: Er schreibt so ziemlich die witzigsten Dialoge innerhalb der Filmindustrie. Ja, das tut er wirklich.
Und Sie, Drew?
Barrymore: Nun ich glaube, Marcs Ausdrucksweise ist grossartig und er hat definitiv jene von Hugh getroffen. Als ich das Skript zum ersten Mal las, dachte ich nur, Mensch, ich kann Hughs Stimme förmlich heraushören. Und als ich Marc während des Arbeitsprozesses näher kennen lernte und wir unsere Ausdrucksweise entdeckten, war ich völlig angetan von ihm. Er ist wirklich ein toller Mensch: Er ist lustig, schreibt wirklich gut und hat eine etwas altmodische Auffassung davon, wie Frauen und Männer gleichsam durch Neckerei zueinander finden und die Figuren auf diese Weise auch interessant erscheinen zu lassen.
Grant: Er verfügt auch über eine starke Unschuld. Es ist eigenartig: Er ist ein sehr gütiger Mensch, er will, dass die Leute glücklich sind. Sein erster Zugang, egal mit wem, ist, dass er einen erst mal mag und einen unterstützt. Und es ist nicht gestellt. Und ich glaube, dass das im Film auch durchschimmert. Es liegt so eine Unschuld darin. Wir redeten beispielsweise einmal über die Szene, wo wir uns küssen und gerade daran sind, Sex zu haben. Wir diskutierten also, ob wir die Szene lang zeigen sollen oder kurz. Als wir im Schnittraum waren, war die Szene zu Beginn länger, es schien dadurch realistischer. Aber alle waren der Meinung, dass das schlichtweg nicht zu Marc passt. Denn er ist so unschuldig. Er ist der ideale Typ, um romantische Komödien zu schreiben, denn die Blütezeit der romantischen Komödie war vor der sexuellen Revolution. Nach dieser Zeit noch welche zu schreiben ist ziemlich schwierig geworden. Und er ist irgendwie die ideale Person dafür, denn er hat diese Feinfühligkeit. Ich hab mal mit seiner liebevollen jüdischen Mutter geredet, und sie sagte mir, dass sie sehr stolz auf Marc ist. Ich meine, er hat ja auch ein Vermögen an seinen TV- und Kinoproduktionen verdient. Aber sie sagte, das Geld sei es nicht, was sie interessiere. Sie sagte, sie möge Marc, weil er ein guter Mensch ist. Und das ist der Schlüssel zu dem ganzen: Er ist ein guter Mensch.
Wollten Sie noch was hinzufügen, Drew?
Barrymore: Oh, ich wollte nur sagen, dass er 18 Schichten Kleidung auf sich trägt. Ich find das irgendwie noch speziell (kichert).
Grant: Ja das tut er. Und dann zieht er sie auch noch aus. Das ist noch viel spezieller.
[Barrymore & Grant wurde interviewt von Portmann Media]
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