Death Proof - Interview
| Aka Titel: | Death Proof - Todsicher |
| Land (Jahr): | USA (2007) |
| Genre: | Horror |
| Filmlänge: | 114min |
| Regie: | Quentin Tarantino |
| Kinostart: | 26.07.2007 |
| 06.06.2007 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Quentin Tarantino |
Quentin Tarantino: «Es ist, als ob ich den Beat, den Rhythmus des Films suche.»
Wiedermal mit Rodriguez zu drehen, gefiel Tarantino: die Freunde konnten endlich wiedermal zusammen abhängen.
Quentin, ich mag es sehr, mir Ihre Interviews mit internationalen Journalisten anzuhören. Sie wissen so viel über das europäische Kino, dass Sie nach Dingen gefragt werden, die Ihnen offenbar grossen Spass machen. «Fellini sagte dies und Godard jenes...» - und dann werden Sie immer zitiert. Es muss Ihnen grossen Spass machen, mit diesen Leuten zu reden.
Oh, ich liebe es! Es ist fantastisch. Das soll jetzt nicht die amerikanischen Journalisten niedermachen, aber die Fragen sind halt manchmal etwas langweilig. Daher ist es wirklich toll, wenn man es mal mit den verschiedenen internationalen Journalisten zu tun hat. Ich bin in der Tat mit den Filmen aus ihren Ländern vertraut, daher es macht daher wirklich Spass, ein wenig abzuschweifen und zu reden und verschiedenste Referenzen zu machen.
Nun, auch in Ihren Filmen kommen ja ständig Referenzen zu anderen Filmen vor. Nun haben Sie sogar damit angefangen, Referenzen zu ihren eigenen Werken zu machen. Das muss ziemlich Spass machen, nicht?
Das tut es. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es vielleicht ein wenig zu weit getrieben habe. Aber ich dachte mir, das ist ein Film, bei dem es nur um den Spass geht. Ich hatte einen richtigen Kick dabei, dass z.B. Rosario Dawsons Handy die «Kill Bill»-Pfeifmelodie als Klingelton hat.
Das führt mich gleich zur nächsten Frage: Sie sind ja immer so versessen auf Details und sehr bestimmt in Sachen Musik und darin, wie die Bilder aussehen sollen. Haben Sie immer eine völlig klare Vision, oder wird es bei der Entstehung des Films vervollständigt?
Die Antwort ist: beides. Teilweise haben wir die Songs einfach, die dann in meinen Filmen verwendet werden. Die meisten davon habe ich gewählt, noch bevor ich überhaupt das Drehbuch geschrieben habe. Es ist sogar so, dass sie mich inspirieren, mich hinsetzen lassen und zum Losschreiben bewegen. Da spielt man so die Musik und stellt sich dabei die Dinge vor... Es ist als ob ich den Beat, den Rhythmus des Filmes suche. Ab einem gewissen Grad harzt es auch mal dann und wann. Dann öffne ich meinen Plattenraum, lege den Song auf, den ich im Kopf hatte, wie jetzt beispielsweise das Lied «Hold Tight» in «Death Proof», das Lied während des Unfalls... Das leg ich dann auf und wandere einfach im Zimmer herum und filme und schneide die Crash-Szene in Gedanken. Das bringt mich dann in Fahrt. Und ich stelle mir vor, ich sitze in einem Kinosaal mit einem Publikum und es ist toll, und von da an bin ich wieder enthusiastisch, da mach ich mich wieder ans Schreiben. Aber die andere Hälfte der Songs finde ich während des Schneidens. Ich versuche dies und das, meistens kommen sie aber schon von mir. Ich versuche einfach verschiedene Dinge aus.
Für Sie ist das Kino ein sehr persönliches Medium und das ist es auch, was Ihre Filme einzigartig macht: Sie kommen immer von Herzen und haben immer eine sehr originelle Vision. Ist Ihnen das auch wichtig?
Erstens mal: Vielen Dank, das ist ein sehr schönes Kompliment. Und: ja, das ist es. Es ist ja das, was ich anbiete. Sie mögen es vielleicht, oder vielleicht nicht. Aber es wird gezwungenermassen eine Reflektion davon, was ich machen wollte. Und falls Ihnen meine Filme nicht gefallen, steht es Ihnen natürlich frei, sich etwas anderes anzusehen. Sollten Ihnen aber meine Filme gefallen, dann ist es genau das, was Sie von mir erwarten: Sie erwarten, dass ich es auf meine Weise anstelle, dass ich mein Ding durchziehe.
Auf jeden Fall. Es gibt ja zurzeit eine Wiederauflebung des Horror- und Gruselgenres. Und Sie waren immer ein Meister darin, die richtige Dosis Gewalt und Humor am richtigen Ort einzusetzen. Wie sehen Sie es mit der Verantwortung, wenn Sie Gewalt zeigen?
Persönlich glaube ich, dass man Verantwortung nicht mit Kunst in Einklang bringen sollte. Die Gewalt, die in meinen Filmen auftaucht, oder vielleicht Sex, obwohl ich den ja jetzt nirgends gross im Mittelpunkt hatte - das ist immer genrebedingt. Wenn man einen Gangsterfilm macht, nun, da wird es Schiessereien haben und solche Dinge. Wenn ich einen Kung-Fu-Film mache, werden darin ein paar Kämpfe zu sehen sein. Es ist nun zwar kein richtiger Slasherfilm, aber ich nehme mir etwas von diesem Gefüge und so kommen auch tatsächlich ein paar solche Dinge vor... Für mich hängt es daher wirklich vom Genre ab.
Sie haben nicht nur ein scharfes Gespür beim Beobachten sondern auch darin, wie Sie Ihre Filme besetzen. Es geht nämlich nicht bloss um die Fähigkeiten der Schauspieler, sondern auch das Aussehen scheint für Sie sehr wichtig zu sein und die Details. Das kann ich ja dem Publikum schon mal Verraten: Bezüglich der Details sind die Bräute in diesem Film besonders...
(lacht laut)
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie Sie sie für den Film gewinnen... Aber Sie müssen schon ein grosses Interesse für Menschen haben.
Oh auf jeden Fall! Nehmen wir aber mal diesen Film und beispielsweise die Figur der Jungle Julia. Sie ist eine tolle Figur im Film, gespielt von Sydney Poitiers Tochter, Sydney Poitier (lacht)... Es ist nun nicht so, dass Sydney einfach so aussieht und man dann sagte, «Hey, die wär doch gut», nein! Ich hab sie beschrieben als grosse, amazonenhafte Mulattin mit viel Haar und den riesigen Locken, die über ihren ganzen Rücken gehen, und lange schlanke Beine und grosse nackte Füsse und all das... Und Sydney sieht nun mal zufällig genau so aus. Und zufällig ist sie auch eine tolle Schauspielerin und so hat dann letztlich alles geklappt. Aber es gab da auch weisse Schauspielerinnen, die vorgesprochen haben für die anderen Figuren. Und da dachte ich mir, «Mann, wenn Jungle Julia weiss wäre, wärst du perfekt für sie!» Aber sie ist es nicht! - schnipp (lacht).
So im Stil von: «Tut mir leid, im nächsten Film vielleicht. Ich habe genug Figuren im Kopf, bei denen du vielleicht noch zum Zuge kommen könntest...»
Ja, aber genau so hab ich letztlich Sydney gecastet. Sydney kam und sprach für die Rolle für «Kill Bill» vor, die dann letztlich an Vivica Fox ging. Sie hat sie nicht gekriegt, weil sie dazu noch nicht bereit war. Aber sie hat mich beeindruckt, sie ist eine tolle Schauspielerin. Und als ich eine CSI-Episode drehte, kam sie auch und war dafür ebenfalls noch nicht bereit, aber sie hatte tolle Arbeit im Vorführraum geleistet und war von da an auf meinem Radar. Als ich dann Jungle Julia geschrieben habe, habe ich sie zwar nicht direkt für sie geschrieben, sagte mir aber, «Ich suche jetzt nach einer Sydney».
Es muss ein toller Prozess der Zusammenarbeit mit Robert Rodriguez gewesen sein, da ja er auch ziemlich fantasievoller Bursche ist.
Ha!
Wie war das bei Grindhouse?
Es war absolut genial. Robert und ich lieben es, zusammenzuarbeiten. Es macht so viel Spass. Die Wahrheit ist, dass ich oftmals mit Freunden zusammenarbeite, und wir nach dem Film dann keine Freunde mehr sind (lacht). Es sind nur vielleicht noch Robert (Rodriguez) und Uma (Thurman), die mich danach noch geschätzt haben. Scherz beiseite, mit Robert habe ich eigentlich mehr Gemeinsames gemacht als mit sonst jemandem. Ich spielte in «Desperados» mit, wir drehten «Four Rooms» und «From Dusk Till Dawn» zusammen, ich trug zu «Sin City» bei und nun haben wir noch das hier zusammen gemacht. Das ist eine wundervolle Beziehung. Wir machen eigentlich die ganze Zeit Projekte gemeinsam, um einfach ein wenig zusammen abhängen zu können (schmunzelt).
Genau, und dann kommt dabei etwas so tolles heraus. Ich habe beide Filme gesehen und Sie haben wirklich für die Sahne oben drauf gesorgt.
Vielen Dank.
[Quentin Tarantino wurde interviewt von Portmann Media]
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