Der Krieg des Charlie Wilson USA 2007 – 102min.

Charlie Wilson's War

Filmkritik

Richtig verkehrt

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Die besten Geschichten schreibt eben doch immer noch das wahre Leben. Was Mike Nichols und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin in "Charlie Wilson's War" erzählen, würde man jedenfalls als allzu absurd und abenteuerlich abtun, wenn man nicht wüsste, dass sie nur wiedergeben, was sich in der Realität ziemlich genau so zugetragen hat.

In den 1980er Jahren nämlich wird der Kongressabgeordnete Charlie Wilson (Tom Hanks) aus dem zweiten texanischen Wahlbezirk im Fernsehen auf einen Bericht aus Afghanistan aufmerksam, wo die Russen zusehends die Oberhand gewinnen und es der Bevölkerung an allen Mitteln zur Gegenwehr mangelt. Wilson nimmt sich der Sache an und will für genügend Unterstützung aus den USA sorgen, um diesem Kapitel des Kalten Krieges eine ganz neue Wendung zu geben. Und mit Hilfe einiger einflussreicher Freunde im Kongress sowie der ihm mehr als zugetanen sechstreichsten Frau in Texas (Julia Roberts) gelingt ihm tatsächlich das Unmögliche.

Es gehört zum Konzept des Films, dass man sich als Zuschauer nie endgültig schlüssig wird, was diesen Charlie Wilson zu seiner Mission antreibt. Will er wirklich uneigennützig etwas Gutes tun für die geschundenen Afghanen, die er in einem Flüchtlingslager an der pakistanischen Grenze besucht, und vielleicht auch für den Ruf seines geliebten Vaterlands? Oder sucht er doch nur einen bequemen Weg, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken und die eigenen Sünden zu sühnen? Immerhin interessiert sich der Abgeordnete gewöhnlich mehr für Whiskey und Stripperinnen als für politische Abstimmungen. Mike Nichols, dem Humor immer schon genauso wichtig war wie Dramatik, will eben keine pathetische Heldengeschichte erzählen, sondern liefert lieber eine bissige Satire auf den Politikzirkus der USA ab, in dem auch ein schräger Vogel den Verlauf der Weltgeschichte beeinflussen kann, wenn er nur die richtigen Knöpfe drückt und die mächtigsten Hände wäscht.

Verglichen mit politischen Filmen der jüngeren Zeit wie "Lions For Lambs" oder "Rendition" wirkt "Charlie Wilson's War" mitunter arg leichtgewichtig, vor allem wenn er am Ende kurz die Ironie aufgibt, um etwas halbherzig auf die zukünftigen Gefahren zu verweisen, die sich die USA durch die Bewaffnung der Mujaheddin selbst eingebrockt haben. Als Unterhaltungskino allerdings funktioniert er prächtig. Es ist dem Film einfach anzumerken, dass alle Beteiligten Meister ihres Faches sind. Aaron Sorkins Dialoge sind herrlich geschliffen und pointiert und von Mike Nichols geschmeidig und elegant in Szene gesetzt. Die Schauspieler sind gleichfalls überzeugend: die immer sympathische Amy Adams als Wilsons Assistentin ebenso wie Julia Roberts in einer kleinen und nicht zuletzt optisch ungewohnten Rolle. Philip Seymour Hoffman hat als dreister CIA-Agent den dankbarsten Part und stiehlt jede seiner Szenen, während Hanks als lässiger Lebemann endlich einmal überzeugend gegen den Strich besetzt wurde.

03.03.2008

4

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Kommentare

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oktopus

Hier war wirklich wiedereinmal eine gute Satire zu sehen.

Der Krieg des Charlie Wilson 4

cherio

aso, ich han de film sehr unterhaltsam und luschtig gfunde. sicher isch er übetriebe dargstellt, zb die wo meinet, er segi teilwiis naiv. aber ich finde, en film muess mich unterhalte und ned 100% genau stimme... suscht chan mer ja immer na alles in gschichtsbüecher naschlah;) 5 stars for charlie:)

Der Krieg des Charlie Wilson 5

lucon

Ich fand den Film nur knapp unterhaltsam und das auch nur dank Philip Seymour Hoffman. - Ich empfand den Film als sehr naiv. Bsp.: Charlie Wilson reist in den Osten und muss feststellen, dass es in einem Krieg auch verletzte gibt und er nun vielleicht etwas unternehmen könnte. So ist der Film bei mir angekommen. Holprig erzählt: C. W. kann aus Amerika hunderte von Millionen lockermachen, um beim Krieg mitzumissen, dann möchte man den Wiederaufbau beginnnen, dazu braucht man 1Mio für ein Schulhaus, diese wird nicht bewilligt und plötzlich ist der Film zu Ende. - Dazu kommt, dass Tom Hanks zum ersten Mal schlecht spielt und Julia Roberts und Emily Blunts Rollen hätte man problemlos streichen können.

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