| Land (Jahr): | Schweiz (2007) |
| Genre: | Drama, Music |
| Filmlänge: | 100min |
| Regie: | Mike Eschmann |
| Kinostart: | 18.01.2007 |
| Drehbuch: | Thomas Hess |
| David Keller |
Achtung, Fertig, Klischee!
Das Schweizer Hip-Hop-Drama will nicht einfach nur unterhalten. Der Film soll - behauptet das Presseheft - «Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellenknappheit, Immigration und Integration, Mittelstandsgefälle etc. wieder ins Zentrum rücken». Das erweist sich als Ausrede.
Doch reden wir zuest über Melanie Winigers Brüste. Schon Monate vor dem Filmstart stritten sich Regisseur Mike Eschmann und die Schauspielerin via Boulevardpresse darüber, ob der Zuschauer den echten Busen zu sehen kriegt oder «nur» den eines Bodydoubles. Und ob eine Ex-Miss-Schweiz überhaupt das Zeug für eine Oben-ohne-Szene habe. Wenn man diese Szene jetzt im Kino sieht, so wirkt der Mini-Strip aufgesetzt und unnötig. Womit wir beim Thema wären.
Nia (Nils Althaus) ist 19 und wohl genauso, wie sich der Schweizer Mediennutzer einen 19Jährigen aus Schwamendingen vorstellt: Hip-Hopper, Kiffer, Kleinkrimineller. Wegen einer Frauengeschichte gerät er in eine wüste Prügelei, bei der sein bester Freund invalid geprügelt wird. Darum landet Nia selbst - logisch! - für zwei Jahre in der Kiste. Allerdings könne er sofort gehen, fleht ihn Jugendanwalts-Mitarbeiterin Nicole (Winiger) an, wenn er den wahren Schuldigen verrate. Tut Nia nicht, er will lieber selber Rache nehmen. Und plant deshalb, aus dem Knast auszubrechen. Leider tut er dies derart ungeschickt, dass der Zuschauer während einem Grossteil des Films auf den versprochenen «Breakout» warten muss.
Gute Unterhaltung ist das nicht, dabei dürfte man doch zumindest dies vom Team hinter «Breakout» erwarten. «Achtung, Fertig, Charlie!» (ebenfalls von Mike Eschmann und mit den gleichen Autoren und Produzenten) funktionierte, weil sich die RS-Klamotte nie so ganz ernst nahm. Bei «Breakout» geht das nicht: Weil die Charaktere beim Publikum keine Sympathien auslösen, muss der Film eine ultrakrasse Welt zeigen, damit überhaupt einer zuschauen mag. So ist das Hip-Hop-Drama voll von sinnloser Brutalität und lächerlichen Übertreibungen, die auch noch plump umgesetzt werden. Die Vorstellung beispielsweise, dass sadistische Neonazis ihre Knastbrüder terrorisieren, mag durchaus beängstigen - im Film werden die beiden potentiellen Schreckgestalten aber als Witzfiguren gezeigt.
Den anderen Schauspielern gehts nicht besser: Stress, Roeland Wiesnekker und Hanspeter Müller sind blosse Stichwortgeber. Max Rüdlinger darf - der Höhepunkt des Films - seine Figur zwar wunderschön einführen, doch nur schon eine Szene später wird sie in eine Schablone gepresst. Und Melanie Winiger wird hinter dicken Brillengläsern und einer diffus beschriebenen Rolle versteckt und scheint irgendwie überhaupt nicht präsent. Einzig Hauptdarsteller Althaus vermag zu überzeugen; er bringt sogar dann Tiefe in seine Figur, wenn im Drehbuch Ebbe herrscht.
Das Ärgerlichste ist aber, dass der Film wirkliche Probleme aufnimmt und sie zu Gunsten eines effekthascherischen Event-Movies verkauft, der so tut, als habe es noch nie zuvor eine Jugendkultur gegeben. Niemand erwartet bei diesen Themen Lösungsansätze von einem Spielfilm, aber «Breakout» schafft es noch nicht mal, die richtigen Fragen zu stellen. Diejenige jedenfalls, die danach fragt, wie weit sich eine Schauspielerin entblössen muss, ist im Kontext von Jugendgewalt einfach nur falsch. [Wisi Greter]
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