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Ryan Phillippe: «Ich glaube, wir leben jetzt in einer komplett anderen Welt, als jener, die im Film gezeigt wird. Es hat sich alles verändert.»

Chris Cooper wird häufig schubladisiert. Und Ryan Phillippe ist endlich erwachsen.

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Ryan Phillippe, dieser Film ist sehr persönlich und kein typischer Spionage-Thriller. Wie würden Sie diesen Film beschreiben? Was ist er für Sie?
(Phillippe) Ich liebe an diesem Film, dass er auf einer wahren Geschichte basiert. Es wurde nicht viel dazuerfunden. Es ist wirklich eine ehrliche Sache. Letztendlich geht es um den grössten Agentenverrat in der US-Geschichte. Für mich ist das sehr starkes Material, mit dem man viel anfangen kann.

Chris Cooper, Sie spielen einen Verräter, der tatsächlich existiert hat. Wie war es für Sie, eine reale Person zu spielen?
(Cooper) Nun, ich konnte Robert Hanssen leider nicht persönlich treffen. Ich glaube auch nicht, dass er in diesen Film involviert sein wollte. Genauso wie bei einem früheren Film über ihn. Er hat diesen nicht einmal gesehen. Ich hatte aber grossartiges Material, mit dem ich sehr gut arbeiten konnte. Ich hatte gute Quellen, die mir sehr viel über Robert Hanssen verraten haben. Ich hatte die Möglichkeit, wirklich jede Frage über ihn zu stellen und bekam immer eine gute Antwort. Das war mir sehr wichtig, denn Eric O'Neill hat Hanssen sehr intime Fragen gestellt und da musste ich wissen, wie ich mich verhalten sollte. Die Leute, die uns alles über Hanssen erzählt haben, wussten alles über ihn bis zurück zu seiner Kindheit. Vor allem die Beziehung zu seinem Vater war sehr aufschlussreich. Dass uns aber der richtige Eric O'Neill für vier oder fünf Tage zur Verfügung stand, war entscheidend.

Der Film handelt auch von Kriegsszenarien aus längst vergangenen Zeiten. Heute haben wir in Amerika und Europa mit dem Terrorismus zu kämpfen. Wie wichtig ist dieser Film, um darauf hinzuweisen?
(Cooper) Ich glaube, das ist die Angelegenheit des FBI. Der Kreml hat vielleicht die Informationen, die er von Hanssen erhalten hat, andere Länder, Terrorgruppen etc. weitergegeben. Also wissen wahrscheinlich alle, worum es geht. Aber ich glaube, es ist trotzdem wichtig, die Geschichte zu erzählen.
(Phillippe) Ich finde es auch interessant, dass sich nach 9/11 alles verändert hat. So wie es früher gelaufen ist, würde es heute nicht mehr funktionieren. Das Sicherheitslevel ist viel höher und die einzelnen Organisationen wie das FBI und das CIA arbeiten viel besser zusammen. Früher hat beispielsweise das CIA keine Informationen mit dem FBI geteilt. Jetzt ist das anders. Ich glaube, wir leben jetzt in einer komplett anderen Welt, als jener, die im Film gezeigt wird. Es hat sich alles verändert. Die Art wie wir Leben und Reisen zum Beispiel. Der Film ist aber insofern interessant, dass man sehen kann, wie es war, bevor sich die Welt verändert hat. Also in einem gewissen Sinn auf jeden Fall.

War es schwierig, diesen Film zu machen? Er zeigt ja immerhin die Probleme, die innerhalb der Regierung geherrscht haben.
(Cooper) So wie ich das verstanden habe, ist das eines der wenigen Male, wo das FBI den Filmemachern seine Türen geöffnet hat.
(Phillippe) Ja, wir waren im FBI-Hauptquartier und vielleicht waren wir das einzige Filmteam, dem das je gelungen ist. Ich bin mir aber nicht sicher. Aber auch wenn nicht, es kommt sehr selten vor. Ich glaube, sie waren so kooperativ, weil sie wussten, dass Billy Ray die Geschichte von der Gefangennahme Hanssens und nicht die von dessen 20jähriger Laufbahn als Spion erzählen wird. Ich glaube, das zeigt uns, dass sie auch an unser Projekt geglaubt haben.

Gibt der Film denn eine definitive Antwort darauf, warum Hanssen das getan hat?
(Cooper) Als Hanssen gefasst wurde, war er nie so entgegenkommend, dass er gesagt hat, warum er das alles tat. Alle Freunde und Kollegen, die interviewt wurden, hatten ihre eigenen Theorien. War es das Geld? War es die Herausforderung, so etwas zu tun? War es Rache? Wir wissen nicht genau, was es ist, aber als ich meine Rolle gespielt habe, fällte ich meine eigenen Entscheidungen. Aber wir werden nie erfahren, was Hanssen wirklich angetrieben hat.

Ryan Phillippe, Sie waren früher ein Teenie-Star. Jetzt haben Sie sich aber mit ihren Rollen in «Crash» oder «Flags of our Fathers» als «erwachsener» Schauspieler etabliert. War es schwierig für Sie, vom «schönen Gesicht» zum ernstzunehmenden Schauspieler zu werden?
(Phillippe) Ich weiss nicht recht... Eigentlich nicht wirklich. Ich wurde einfach älter und da beginnt man automatisch andere Rollen auszuwählen. Denn diese Rollen sind das, was einen schliesslich ausmacht. Man kann damit auch die Ansicht, welche die Leute von einem haben, ändern. Darüber mache ich mir allerdings nicht so viele Gedanken. Ich konzentriere mich darauf, immer besser zu werden in dem, was ich tue und ich will auch stolz sein können auf meine Arbeit. Was die Leute dann von mir halten, kann ich nicht beeinflussen.

Chris Cooper, ich habe gelesen, Ihr Markenzeichen seien Rollen von Leuten, die unter der Regierung leiden. Seien das nun Generäle, Agenten oder Politiker... Fühlen Sie sich schon ein bisschen «schubladisiert»?
(Cooper) Ja. Das ist das Material, das sich über die Jahre so angesammelt hat. Ich habe wirklich viele Männer vom Militär oder vom FBI gespielt. Der nächste Film, in dem ich mitspiele, hat schon wieder mit dem FBI zu tun. Vielleicht muss ich dem einmal einen Riegel vorschieben. Vielleicht habe ich jetzt genug von diesen Filmen gemacht.

Wie sehen Sie Ihre zwei Figuren? Führen sie so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung? Einer ist ja der gestandene Agent und der andere möchte gerne einer werden...
(Phillippe) Das ist sicher ein Aspekt in der Zeit, wo sie sich kennen lernen. Wenn man bedenkt, was Hanssen getan hat, hat Eric O'Neill noch sehr viel Respekt für ihn übrig. Vor allem für seinen Geist, denn er war extrem intelligent, hat immer vorausgedacht. Da war schon Respekt da, auch wenn er wohl ein ziemlich grober Vater war (lacht). Ich kann aber schon eine solche Beziehung erkennen.

Was sagen Sie dazu, Chris Cooper?
(Cooper) Ich erinnere mich an einige spezifische Szenen, die in meinem Arbeitszimmer stattgefunden haben. Seine Frau kam rüber zum Lunch. Das ist mehr als das, das Hanssen mit Eric im FBI-Hauptquartier geteilt hat. Er hat sich ihm wirklich geöffnet und ihn unter seine Fittiche genommen. Er hat auch Nachforschungen über die Alzheimer-Erkrankung von Erics Mutter angestellt. Man kann es eigentlich sehen, wie man es will. Entweder ist es eine Vater-Sohn-Beziehung, oder es ist einmal mehr Hanssens Ego, das diese Pläne macht. Davon soll sich jeder selber ein Bild machen.

[Ryan Phillippe und Chris Cooper wurde interviewt von Portmann Media]

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