Am Limit - Filmkritik
| Land (Jahr): | Österreich, Deutschland (2007) |
| Genre: | Documentary |
| Filmlänge: | 95min |
| Regie: | Pepe Danquart |
| Kinostart: | 16.08.2007 |
| Drehbuch: | Pepe Danquart |
| Kamera: | Martin Hanslmayr |
Zwei Brüder in waghalsiger Höhe
Was treibt einen Menschen dazu, sich freiwillig in Lebensgefahr zu begeben? Kameras begleiten die deutschen Extremkletterer Alexander und Thomas Huber auf einer waghalsigen Tour in Kalifornien.
Mitten in der idyllischen Postkartenlandschaft des Yosemite Nationalparks in Kalifornien befindet sich die 1000 Meter hohe Granitwand «The Nose» - für Profi-Kletterer die ganz grosse Herausforderung. Normalerweise brauchen erfahrene Kletterer mehrere Tage, um die Wand zu bezwingen. Der bisherige Rekord liegt bei 2 Stunden und 48 Minuten. Die beiden Brüder Alexander und Thomas Huber haben es sich in den Kopf gesetzt, diesen Rekord zu brechen und wissen, dass sie damit mehr als ein waghalsiges Projekt eingehen. Mit brüderlichem Vertrauen und langjähriger Erfahrung im Bergsteigen und in der Disziplin «Speed-Klettern» wollen sie dem Risiko trotzen.
Von den Vorbereitungen bis zum Rekordversuch werden die beiden deutschen Kletterer von einem Kamerateam begleitet. Auch auf dieses scheint sich Hubers Kühnheit abgefärbt zu haben. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass sich ein Kameramann auf so etwas einlässt: Mal blickt die Kamera von der Kuppe mehrere hundert Meter in den Abgrund hinunter, mal lässt sie sich mit dem abrutschenden Kletterer in die Tiefe fallen oder zeigt die Hände der Brüder in Großaufnahme. Bis zu zwölf Stunden sollen die Kameraleute an manchen Drehtagen am Felsen verbracht haben. Ihr Mut zahlt sich für den Zuschauer aus: Selten bekam man solch atemberaubende Aufnahmen zu Gesicht. Doch «Am Limit» ist nicht einzig ein Film über das Klettern. Pepe Danquart, der sich nach «Heimspiel» und «Höllentour» bereits zum dritten Mal mit einem Sportthema befasst, versucht viel mehr, ins Innere der beiden Kletterer zu blicken und eine Antwort darauf zu finden, wieso sich ein Mensch so etwas freiwillig antut. Welcher Charakter steckt dahinter? Ist es die Suche nach dem besonderen Kick? Oder der Wunsch, die eigene Angst endgültig zu überwinden? Der Zuschauer erlebt mit, wie die «Huberbuam» an ihre körperlichen, aber auch psychischen Grenzen kommen und mit Rückschlägen umgehen. Irgendwann fragen sich die beiden Kletterer selber, warum sie nur so etwas Unvernünftiges anstellen.
«Am Limit» überzeugt nicht nur durch die eindrücklichen visuellen Aufnahmen, sondern auch durch den gelungenen Soundtrack von Christoph Israel und Dorian Cheah, der die Bilder perfekt unterstreicht. Der schwülstige, philosophische Ton, den der Film zuweilen anschlägt, wäre nicht nötig gewesen. Stattdessen hätte man sich gewünscht, mehr über den familiären Hintergrund der beiden Brüder zu erfahren: Als einzige Verwandte kommt die Mutter der beiden zu Wort. Aber was sagen Frauen und Kinder dazu, dass sich ihre Männer und Väter immer wieder in solch lebensgefährliche Situationen begeben? [Stephan Sigg]
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