| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Crime, Drama, Thriller |
| Filmlänge: | 158min |
| Regie: | David Fincher |
| Kinostart: | 31.05.2007 |
| 17.05.2007 (Romandie) | |
| Drehbuch: | James Vanderbilt |
Jake Gyllenhaal: «Ich bin vertrauter mit Leidenschaft als mit Obsession.»
Gyllanhaal über die Sonne in Cannes und die amerikanische Psyche
Es ist immer eine Freude, Sie zu treffen. Wir sind hier im Süden von Frankreich und daher ist es diesmal eine noch grössere Freude. Wie ist es für Sie? Es ist ja das erste Mal, dass Sie beim Filmfestival in Cannes dabei sind, richtig?
Ja, ich bin zum ersten Mal hier, es ist toll, ich finde es grossartig. Ich wollte schon immer Interviews am Meer geben. Wir sind zwar nicht direkt in der Sonne, aber beinahe. Zumindest sind wir draussen, wir haben eine tolle Zeit und es ist super hier.
Ja, es ist ein fantastischer Ort, sie werden es heute Abend noch auf dem roten Teppich erleben. Es gibt an diesem Festival eine ganz spezielle Dynamik, etwas unvergessliches. Und genauso unvergesslich ist David Finchers neuer Film «Zodiac». Man kann in Bezug auf ihn in derart viele Informationen eintauchen, darüber, was damals passiert ist, was davon wahr ist, was aufgebauscht wurde... Nehmen Sie solche Dinge mit?
(überlegt) Mich persönlich nicht unbedingt, die Figur, die ich spiele, dafür umso mehr. Ich hätte Schwierigkeiten damit, so viel Zeit für etwas zu investieren, auf eine Weise, die am Ende nur noch zerstörerisch wirkt. Ich habe zu viele Ausgleiche in meinem Leben, die mich auch davon abhalten, mich so tief in etwas hineinzumanövrieren, dass alles drum herum kaputt ginge, so wie es meiner Figur im Film ergeht. Zum Teil ist das wohl deshalb, weil ich mich mehr mit Leidenschaft auseinandersetze als mit Obsession. Sie entspringen beide aus derselben Quelle, aber bei Leidenschaft geht es darum das Unbekannte zu leben, dadurch erfüllt zu werden und daraus Kraft zu schöpfen. Das ist in der Regel die emotionale Welt. Hingegen ist Obsession sozusagen die Leugnung der emotionalen Welt und eine Antwort zum Unbekannten haben zu müssen, das Unbekannte kennen müssen und sich damit nicht abfinden können. Sie entspringen also beide derselben Quelle, aber sie sind verschiedene Dinge. Ich bin mehr vertraut mit Leidenschaft als mit Obsession.
Ja, Schauspieler sind wohl eher leidenschaftlich als obsessiv. Die Öffentlichkeit hingegen neigt oft zu letzterem, und der Film thematisiert das, wie nämlich die Medien genau daran interessiert sind und alles zur Sensation aufbauschen - sie wissen schon: 'die fürchterlichsten Verbrechen'. Es ist auch heutzutage noch sehr aktuell und es ist ein guter Zeitpunkt für diesen Film.
Das glaube ich auch. Der Film ist angelegt in den tiefen Siebzigern und er ist perfekt auf die heutige Zeit zugeschnitten. Dieser Gedanke, dass man verzweifelt eine Antwort benötigt, um etwas zu lösen, und sich dennoch nichts lösen lässt, und dass dadurch Dinge zu Bruch gehen - das ist alles sehr aktuell. Ich glaube, es ist ein wenig die Psyche von Amerika. Diese Figuren sind die dunklen Seiten von Amerika, sie sind sehr amerikanisch in vielerlei Hinsicht. Nicht gerade das, was man sich sonst unter Amerika vorstellt. Und was das angeht, glaube ich, macht den Film so brillant.
Er beschreibt auch, was es heisst, das Leben zu deuten. Von der Realität bis hin zu dem, was gedruckt wird, was in den Zeitungen steht; diese Dinge sind ganz verschieden. Das ist ja auch etwas, das Sie als Promi erfahren: Was für Sie echt sein mag, ist nicht das, was über Sie geschrieben wird.
Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis nach aussergewöhnlichem. Dass man denken muss, wir wären hier an diesem glamourösen Ort. Dass hier eigentlich ziemlich normale Dinge vor sich gehen, ist nicht das, was die Leute wollen. Ich verstehe das. Man hat plötzlich das Gefühl, dass andere Leute nicht mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, dass das Leben nicht dasselbe Ringen für jeden darstellt. Aber natürlich mit sehr unterschiedlichem Grad bezüglich Schwere der Probleme und der Bereiche dieser Welt in der wir leben und den schrecklichen Dingen, die um uns herum geschehen... Manchmal, wenn ich in den Staaten bin, denke ich, es gibt tolle Sachen dort, aber was ist die Konsequenz dieser tollen Dinge, dieses Komforts? Die Bequemlichkeit, in der wir leben, das ist toll, aber was für Konsequenzen hat das? Der Film ist insofern toll, als dass er eben auch nicht genau die dunklen Stellen aufhellen kann, die uns Angst machen, oder eine Antwort darauf geben kann, wieso dieser Robert Graysmith nicht einfach da sitzen kann, ohne ständig an der Lösung herumzuhirnen. Was ist das für eine Leere in ihm?... Diesen Aspekt finde ich toll am Film.
[Jake Gyllenhaal wurde interviewt von Portmann Media]
Mark Ruffalo: «Ich bin von Natur aus eine eigenartige Person.»
Ruffalo über Cannes, die Presse und Paris Hilton.
Mark, es freut mich, Sie zu sehen. Wir sind hier am Filmfestival von Cannes, was ein sehr aussergewöhnliches Erlebnis für Sie sein muss. Sind Sie das erste Mal hier?
Ja, ich bin das erste Mal hier. In der Vergangenheit habe ich mir immer gewünscht, mit einigen meiner Filme hier zu sein, aber das hat halt bis jetzt noch nicht geklappt. Deshalb bin ich besonders glücklich darüber, jetzt mit diesem Film hier zu sein.
Wenn man mit einem David Fincher-Film nach Cannes kommt, beweist man Stil. «Zodiac» ist ein fantastischer Film über die Obsessionen und Faszinationen von Menschen, die etwas nicht wissen, es aber unbedingt herausfinden wollen. Was denken Sie, wie sieht es mit diesem Verhalten in der heutigen Zeit aus? Es ist ja vor allem die Presse, die überall die dunklen Dinge ans Licht bringen will.
Ich denke, die Presse ist der Geburtsplatz dieses Phänomens. Seit damals ist das einfach unglaublich gewachsen. Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist die Art, wie es passiert ist. Heute würde man das nicht mehr so geschehen lassen wie damals. Es wurde einfach viel zu stark veröffentlicht. Heute würde das FBI das gesamte Material sammeln und nur kleine Brocken an die Presse weitergeben. Vielleicht etwas, das helfen kann, den Killer in eine Falle zu locken. Aber jetzt muss ja Paris Hilton für 45 Tage ins Gefängnis und das sind schon riesige Neuigkeiten (lacht).
Sie haben es halbiert, es sind nur noch 23 Tage (lacht).
Ach so... Aber für die heutige Presse sind das immer noch riesige Neuigkeiten. Aber es ist etwas, was die Leute hören wollen und sie irgendwie auch am Leben erhält. Vor allem die Journalisten natürlich.
Absolut. Sie haben anscheinend ziemlich genau recherchiert. Ist das notwendig, dass man selber von Details besessen ist, wenn man einen Polizisten in den 70er Jahren spielt und die ganzen Kommunikationsmittel wie Fax, E-Mail und so weiter nicht zur Verfügung hat? Macht dann das Ganze auch mehr Spass?
Ich bin von Natur aus eine eigenartige Person. Wissen Sie, wenn man anfängt, einen Film zu drehen und Dinge sieht, über die man sich vorher noch nie Gedanken gemacht hat, dann beginnt man plötzlich, sich dafür zu interessieren. Mich hält das als Künstler am Leben. Es hilft mir auch, intelligent zu bleiben (schmunzelt). Es hält mich aber auch sonst auf Trab und sorgt dafür, dass ich in Bewegung bleibe. Wenn Sie mich dann im Film sehen, hoffe ich, dass Sie an meiner Arbeit etwas entdecken, das Sie für ein paar Stunden im Kinosessel hält.
[Mark Ruffalo wurde interviewt von Portmann Media]
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