You, Me and Dupree - Filmkritik
| Aka Titel: | Ich, Du und der Andere |
| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Comedy |
| Filmlänge: | 108min |
| Regie: | Anthony Russo |
| Joe Russo | |
| Kinostart: | 21.09.2006 |
| 18.10.2006 (Romandie) |
I'm a Loser, Baby
Owen Wilson zieht als sympathischer Chaot Dupree bei einem frisch vermählten Paar ein, lässt sich beim Onanieren erwischen und verstopft die Toilette. Wem solcher Humor gefällt und wer Owen Wilson mag, sitzt im richtigen Film.
Wenn alternative Lebensstile ihre gesellschaftliche Relevanz verlieren, wandern sie nicht einfach zu einem Elefantenfriedhof und sterben, sie werden in Hollywoods Komödien als Witzmaterial gebraucht. Das erlebten die Hippies, die zuletzt in «Meet the Fockers» durch den Kakao gezogen wurden. Jetzt sind die Slacker an der Reihe. Mich erfüllt das mit Wehmut, denn ich habe den Slacker-Ethos des gepflegten Nichtstuns immer gemocht und dass ich heute einen Teil meines Geldes mit Filmkritiken verdiene, statt als Bankdirektor zu arbeiten, hängt auch mit meiner Sozialisierung in den frühen neunziger Jahren zusammen (und damit, dass ich nicht besonders gut mit Zahlen umgehen kann, aber lassen wir das).
Owen Wilsons Dupree jedenfalls ist ein Bilderbuch-Slacker: Er ist nicht eben zum Arbeiten geboren und fährt lieber Skateboard als einen Lexus. Wenn er in einer Bar sitzt, spielt im Hintergrund die Indie-Übergruppe Pavement aus den neunziger Jahren. Sein Müssiggang führt ihn zuerst auf eine dreckige Matratze als Nachtlager in besagter Bar und später auf die Gästecouch der frisch vermählten Petersons (Kate Hudson und Matt Dillon, letzterer eine Fehlbesetzung und fünfzehn Jahre älter als seine Film-Frau). Doch statt sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, bringt Dupree erst einmal das der gutmütigen Gastgeber durcheinander. Man hätte es fast gedacht.
Geschichten wie diese wollen ihren Protagonisten auch ein Selbsthilfebuch sein. In «You, Me and Dupree» geht es für Dupree darum, zu einem nützlichen Teil der Gesellschaft zu werden; die Petersons sollen gute Eheleute sein und Matt Dillon hat sich gegen einen tyrannischen Schwiegervater zu behaupten (ein Highlight: Michael Douglas). Dass am Ende alle Konflikte gelöst sind, gehört zum Genre und kann dem Film nicht vorgeworfen werden. Schlimmer sind die farblos gezeichneten Figuren, deren Schicksal einem nie wirklich nahe geht. Passend dazu die uninspirierten Bildern, mit denen die Regisseure Anthony Russo und Joe Russo ihre Story erzählen.
Recht abgeschmackt ist auch der Humor. Dupree verstopft das Klo, Dupree lässt sich beim Onanieren erwischen, Dupree prellt sich die Hoden, Dupree setzt beim Liebesakt das Haus in Flammen. Das kann man alles gut und witzig finden. Aber spätestens, wenn man sieht, dass es alle eben erwähnten Beispiele in den Kinotrailer geschafft haben, wird der Mangel an wirklich lustigen Szenen offensichtlich. Immerhin spielt Owen Wilson mit.
[Jürg Tschirren]
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