Eine Zaubervorstellung im England des ausgehenden Viktorianischen Zeitalters: Auf der Bühne der dickliche Magier, eine gefesselte Frau und ein mit Wasser gefüllter Glastank. Zwei Freiwillige werden auf die Bühne gerufen. Die beiden fesseln die Frau an Armen und Beinen, bevor sie mit einem Kran ins Wasser gesenkt wird. Ein massives Eisenschloss schliesst den Behälter, der nun hinter einem Vorhang zum Verschwinden gebracht wird. Der Zauberer umkreist den verhüllten Tank, murmelt seine Formeln; das Publikum starrt in gebannter Erwartung auf die Bühne. Nach einer Minute wir der Vorhang gelüftet - doch die Frau schwimmt immer noch in ihren Fesseln im Wasser, die Augen vor Schreck weit aufgerissen, kurz vor dem Ertrinken. In panischer Verzweiflung schlagen der Zauberer und seine Helfer auf den Wassertank ein. Als es endlich gelingt, die dicken Glasscheiben zu zerbrechen, ist die Frau längst tot.
Der Vorfall lässt die aufstrebenden Magier Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) zu erbitterten Feinden werden. Sie waren Komplizen des Magiers. Falsche Freiwillige, die der Frau Hände und Beine nur zum Schein fesselten. Doch Borden hielt sich nicht an das Abgemachte und band einen Knoten, der sich nicht öffnen liess. Die Verunglückte war Angiers Frau. Grund für eine lebenslange Feindschaft, auch als aus Angier längst ein gefragter Unterhaltungskünstler geworden ist. Borden dagegen ist kein Showman, sein Interesse gilt nur der perfekten Illusion. Als er mit einem Trick auftritt, für den selbst Angier keine Erklärung findet, wird die Rivalität zur tödlichen Besessenheit.
Film und Magie liegen nahe beieinander, Christopher Nolan weiss es gut. Schon sein «Memento» funktionierte wie ein Zaubertrick: Der Zuschauer wurde abgelenkt, verwirrt und am Ende mit einer Überraschung konfrontiert. In «The Prestige» unterteilt Michael Caine als Robert Angiers Ingenieur einen gelungenen Trick in drei Akte mit den Namen «The Pledge», «The Turning» und schliesslich «The Prestige», wenn aus etwas scheinbar Gewöhnlichem Aussergewöhnliches wird. Es versteht sich von selbst, dass auch der Film nach diesem Prinzip funktioniert.
Allerdings: Sein Ausgang ist längst klar, bevor der dritte Akt anbricht. Das Zuschauen bleibt trotzdem spannend («The Illusionist» mit Edward Norton, der zweite Magier dieser Saison, hält am Schluss eine echte Überraschung bereit und ist deswegen kein besserer Film). Nolan schafft Spannung nicht allein durch die Hoffnung auf einen finalen Twist (die Methode Shyamalan), sondern die Magie des Kinos selbst: Kluge Story (sie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Priest), atmosphärisches Set-Design und starke Schauspieler. David Bowie hat einen Gastauftritt als Nikolai Tesla. Er ist fantastisch.