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The Children of Men - Interview

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Clive Owen: «Aber er ist trotzdem mehr besessen von Details als jeder andere Regisseur den ich kenne.»

Der erfolgreiche Schauspieler über den detailsbesessenen Regisseuren und wie schön Venedig ist.

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Clive, es ist mir ein Vergnügen, Sie zu sehen. Wir sind hier am Filmfestival in Venedig um über Ihren neusten Film «Children of Men» zu sprechen. Sie stellen einen «Mann in der Hölle» dar. Sind Sie damit einverstanden?
Ich bin hier am Filmfestival in Venedig... (lacht). Nein, im Ernst, es ist wahr.

Erzählen Sie etwas mehr über die komplexe Situation im Film. Vor allem auch über den psychologischen Hintergrund Ihrer Figur.
Ich spiele einen Mann, der in seiner Jugend sehr erregt, politisch aktiv und leidenschaftlich war. Das hat er nun alles aufgegeben. Das ist ein sehr ungewöhnliches Konzept, einen Film mit der Idee zu machen, dass die Welt zugrunde gehen und es keine Kinder mehr geben wird. Deshalb wird die Menschheit aussterben. Meine Figur wartet nur darauf, bis das passiert. Er ist total apathisch und hat sich selbst aufgegeben. Er ist nur noch ein Schatten eines Mannes. Am Ende der Story hofft er auf ein Wiedererwachen. Es gibt eine Möglichkeit. Aber er ist ein sehr ungewöhnlicher Typ.

Absolut. Es ist auch ein sehr ungewöhnlicher Film. Ebenso die Kameraführung und das ganze Umfeld. Ist das etwas, das Sie fasziniert?
Ich denke, Alfonso Cuaron ist einer der talentiertesten Regisseure. Dieser Film ist auch sehr reich und voll mit Details. Er ist besessen von Details. Seine Filme sind voll davon, da gibt es nicht nur ein Ding.

Wie intensiv haben Sie sich mit diesen Details auseinandergesetzt? Es waren ja so viele, dass Sie den Überblick kaum behalten konnten.
Nun, er ist sehr offen was den Arbeitsprozess angeht. Er ist keiner, der die Darsteller einfach in eine Richtung weist. Es war wirklich ein sehr offenes Projekt. Er hat mich auch stark mit einbezogen. Auch in die Postproduktion war ich involviert. Wir haben endlos diskutiert. Er hat mich auch angerufen und mit mir über Entscheidungen wie zum Beispiel einzelne Schnitte oder den Gebrauch von Musik gesprochen. Das ist die Art, wie er seine Filme macht. Aber er ist trotzdem mehr besessen von Details als jeder andere Regisseur den ich kenne. Wenn ich beispielsweise die Kostüme anprobieren musste oder bei einer Szenen-Probe war, hat er auf jedes kleinste Detail sein besonderes Augenmerk gelegt. Seine Visionen sind sehr speziell.

Es ist bestimmt schwer, mit einem Regisseur zu arbeiten, der so Detailbesessen ist. Besonders bei einer so ungewöhnlichen und sehr intensiven Rolle. War das so etwas wie emotionales Training für Sie?
Ja, jemanden zu spielen, der völlig gebrochen ist, ist sehr schwierig. Da ist es viel einfacher, eine aktive Rolle zu verkörpern. Hingegen jemanden verkörpern zu müssen, der auf nichts eingeht, der nur ein Schatten seiner selbst ist, das ist enorm schwierig. Man kann ja nicht einfach nichts tun, sonst kommt auch nichts dabei raus. Gemeinsam mit Alfonso habe ich das aber, denke ich, gut herausgearbeitet.

Welcher Erfolg bringen solche Rollen mit sich? Seit einiger Zeit werden Ihnen ja mehr Rollen angeboten als Sie spielen können. Haben Sie jetzt ein anderes Auswahlverfahren, seit Sie ein breiteres Angebot haben?
Nein, ich wähle immer noch nach den gleichen Grundsätzen. Natürlich habe ich die grössere Auswahl, aber im Grunde genommen bleibt es immer das Selbe. Es ist eine instinktive Sache. Bei mir ist nicht nur das Skript ausschlaggebend, sondern auch der Regisseur. Dieser ist sehr wichtig für mich. Bei diesem Film wollte ich einfach mit Alfonso arbeiten und mit ihm auf diese Reise gehen.

Wenn Hollywood bei Ihnen anklopft, sind Sie da speziell vorsichtig, welche Rollen Sie annehmen?
Ich denke nicht, dass man das Vorsicht nennen kann. Ich war schon immer sehr wählerisch bei den Dingen, die ich machen wollte. Solche Entscheidungen zu treffen, gehört halt zu einer Karriere. Manchmal ist es wichtig, dass man nein und manchmal ist es wichtig, dass man ja sagt.

Ist es wichtig, dass man bei Filmen wie «Closer», «Gosford Park» und jetzt «Children Of Men» gute Nebendarsteller um sich herum hat, damit man eine überzeugende Arbeit machen kann?
Gute Darsteller, einen guten Regisseur und ein gutes Skript. Das ist es, was jeden erfolgreichen Film ausmacht. Für mich ist es auch immer wichtig, mit einem Film meine Karriere so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ich möchte mir auch immer einige Optionen offen halten, so dass ich nicht auf einen Rollentyp festgelegt und in eine Schublade gesteckt werde. Sonst denken die Leute, «Diese Art Filme hat er gemacht, also gebrauchen wir ihn nur wieder für solche Rollen». Ich versuche, einen guten Mix zu machen.

Meine letzte Frage: Wie fühlen Sie sich hier in Venedig? Haben sie irgendwelche Lieblings Hot-Spots?
Es ist das erste Mal, dass ich hier bin. Es ist eine sehr schöne Stadt.

Erzählen Sie noch etwas von Ihren Erlebnissen. Gestern waren Sie ja auf dem roten Teppich.
Es war fantastisch. Es ist einfach ein grossartiges Festival. Ich finde, es ist ein toller Ort, um unseren Film vorzustellen. Aber ich arbeite halt viel hier, deshalb habe ich noch nicht so viel von der Stadt gesehen. Aber es ist wirklich schön hier.

[Clive Owen wurde interviewt von Portmann Media]

Alfonso Cuarón: «Mein Wunsch war es, unsere Welt so zu zeigen, wie sie wirklich einmal sein könnte.»

Warum es dem Regisseur wichtig war dem Zuschauer seine eigene Ideologie zu lassen.

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Alfonso, es ist mir ein Vergnügen, Sie zu sehen. Wir sind hier in Venedig, um über Ihren Film «Children Of Men» zu sprechen. Weswegen machen Sie solche Filme?
Mein Wunsch war es, unsere Welt so zu zeigen, wie sie wirklich einmal sein könnte. Ich wollte nicht einen Film der Zukunft machen, sondern einen, der auf der Gegenwart beruht. Die Zukunft ist zwar etwas, dem wir wegen der Story folgen müssen, aber thematisch und visuell haben wir uns an die Gegenwart gehalten.

Ja, absolut. Ihre Hinweise haben Sie sich von echten Bildern und Kulturen überall auf der Welt geholt. Bei der Umsetzung dieser Eindrücke haben Sie sich extrem auf die Details konzentriert. Wie schwierig ist es, sich in jede dieser Kulturen hineinzuversetzen?
Das ist es, was ich am Prozess des Filmemachens so liebe. Den Teil, den ich wohl am meisten liebe, ist der Punkt beim Recherchieren, wo man alle Konzepte vereint. In den letzten paar Filmen, insbesondere «Y tu mamá también» und «Children Of Men», war das auch so. Alles ist sehr ausgereift und die Charaktere sind einfach in die Umwelt integriert. Diese muss dann aber sehr detailliert sein. Es war eine sehr interessante Arbeit, all diese kleinen Details zusammenzubringen und uns war es auch sehr wichtig, dass diese von realen Quellen kommen. Wir haben nicht einfach etwas genommen, das möglichst cool wirken sollte. Wir haben ein ganzes Gebilde kreiert. Einige kamen mit sogenannten «Superdesigns» bei mir an und ich sagte nur, «Nein, zeig mir ein Foto und ich sage dir, was zu tun ist». Ich bekam dann zur Antwort, «dafür gibt es kein Foto, das ist die Zukunft». Ich sagte dann, «nein, nein, ich will etwas, das die Leute aus der heutigen Zeit kennen, damit arbeiten wir dann weiter».

Sie haben eine komplett neue Welt erfunden. Sie ist sehr interessant, weil sie aus Aspekten der Zukunft und solchen der Gegenwart besteht. Die Welt im Film ist eine Mischung aus Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, nicht wahr?
Nun, es wurden Elemente verwendet, welche die ersten paar Jahre des 21. Jahrhunderts geprägt haben. Wie zum Beispiel Technologie, Immigration und Terrorismus. Das alles haben wir in einen Mikrokosmos - in diesem Fall Grossbritannien - gebracht.

Wie gross waren Ihre Bedenken, dass Ihr Film bei keiner Partei berücksichtigt wird?
Meinen Sie politisch?

Ja.
Nun, ich fühle mich in dieser Angelegenheit Alejandro González Iñárritu und Guillermo del Toro sehr verbunden. Wir sind drei Freunde und haben drei Filme wie eine Trilogie gemacht. In Sinne von «Wie setzt sich eine Ideologie bei der Kommunikation von Menschen durch»... Sorry, jetzt habe ich mich verzettelt.

Die Thematik und die Botschaft in Ihrem brisanten Filmthema, über die Sie sich Sorgen machen...
Ach ja, deswegen habe ich darauf geachtet, dass der Film nicht zu ideologisch wird und ich nicht meine eigene Ideologie überall mit einfliessen lasse. Aber sehen Sie, jede Person ist eine politische Person. Ich wollte den Film nicht auf didaktische Weise machen. Gleichzeitig sollte er auch nicht religiös werden. Klar gibt es viele Archetypen, die man als religiös ansehen könnte. Ich sehe sie einfach als spirituelle oder als normale Archetypen. Wenn man aber religiös ist, kann man durchaus behaupten, dass es religiöse Archetypen sind. Interessant ist; ich wollte einen Film machen, der beginnt, wenn die Lichter wieder angehen, nicht wenn sie ausgehen. Ich möchte, dass die Leute ihren eigenen Sinn in verschiedenen Teilen des Films finden können. Hoffnungsvolle Leute haben ihn als hoffnungsvollen Film angesehen und religiöse Leute als religiösen. Jemand kam auch zu mir und fragte, ob der Film gegen Immigranten sei, weil er selbst Angst vor Immigranten hat. Ich sagte ihm dann: «Das ist nicht der Film, das bist du». Jeder projiziert seine eigenen Gedanken in den Film und das ist es, was ich versucht habe zu erreichen.

[Alfonso Cuarón wurde interviewt von Portmann Media]

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