«Tal der Wölfe», Serdar Akars Kino-Adapation einer gleichnamigen TV-Actionserie, ist so etwas wie das türkische Gegenstück zu «Grounding», ein riesiger Publikumserfolg nämlich, der ein nationales Trauma verarbeitet. Sagenhafte drei Millionen Türken haben sich den Film schon angesehen, der die Geschichte eines Rambo-Verschnitts namens Polat (Necati Sasmaz) erzählt und davon, wie er auszog, die Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Truppen zu rächen. Auf brutalste Art und Weise, so liest man (eine Pressevorführung gab es nicht in der Schweiz), dokumentarische Aufnahmen folternder GIs sollen auch zu sehen sein.
Und plötzlich: Aufregung, fast ein bisschen Karikaturenstreit mit umgekehrten Vorzeichen. Es war der Westen, der sich wehleidig und humorlos zeigte. Während amerikanische Armeezeitungen den in Europa stationierten Soldaten nahelegten, 1. sich das Rachedrama nicht anzutun und 2. es nicht mit Unbekannten zu diskutieren, zitierten sie auf dem deutschen Boulevard Tag für Tag die Herren Stoiber (CSU) und Rech (CDU). «Der Film schürt antisemitische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche», stand auf den Frontseiten von «Bild» & Co., und seither ist «Skandalfilm» die deutsche Übersetzung von «Kurtlar vadisi - Irak», wie der Film verblüffend ü-los im Original heisst.
Wortreiche Debatten, ob «Tal der Wölfe» erst ab 18 freizugeben sei, waren die Folge, weil der «Hassfilm einen schlechten Einfluss auf türkische Jugendliche in Deutschland habe». Auf Druck der Verleiher wurde der Film dann doch schon den 16-Jährigen zugemutet, auch, weil besonnene Brückenbauer wie der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu sich dafür aussprachen, «Tal der Wölfe» nicht überzubewerten. Man müsse, so Zaimoglu, «unter'm Strich von der Freude der Zwerge sprechen, die sich köstlich darüber amüsieren, dass der Riese auch mal stolpern kann.» Ein schöner Satz. Aber der da, er stand in der «Welt», ist noch schöner: «Es gibt nicht nur B-Movies, es gibt auch B-Debatten.»