The Three Burials of Melquiades Estrada
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Filmkritik

Leichen pflastern seinen Weg

Tommy Lee Jones ist so eine Art filmisches Mädchen für alles, auf den man in Hollywood immer dann zurückgreift, wenn es eine grössere Nebenrolle zu besetzen gibt und die wirklich guten Schauspieler keine Zeit haben. In «The Three Burials of Melquiades Estrada» versucht sich Jones erstmals als Regisseur.

Im Grenzgebiet zwischen Mexiko und Texas wird eine Leiche gefunden, behelfsmässig verbuddelt und schon halb verwest. Es sind die sterblichen Überreste von Melquiades Estrada (Julio Cedillo), einem Mexikaner, der sich illegal in den USA aufgehalten hat. Melquiades wurde erschossen, doch die Behörden sind nicht daran interessiert, dem Fall nachzugehen. Wen kümmert schon der Tod eines illegalen Einwanderers? Einzig Pete Perkins (Tommy Lee Jones), der ehemalige Arbeitskollege und Freund des Toten, kann den Mord nicht einfach hinnehmen und beginnt, Ermittlungen anzustellen.

Dass der Drehbuchautor Guillermo Arriaga eine Vorliebe für nicht-chronologisches Erzählen hat, wissen wir schon von Filmen wie «Amores Perros» und «21 Grams». Auch «Three Burials» beginnt ziemlich fragmentiert und springt zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her. Das wirkt am Anfang ein bisschen verwirrend, da die Zeitsprünge ziemlich unvorbereitet kommen, wenn man sich aber mal daran gewöhnt hat, entpuppt sich der Anfang als der stärkste Teil des Filmes. Der Film erzählt hier nicht nur, wie es dazu kam, dass Melquiades irrtümlicherweise von einem Grenzpolizisten erschossen wurde, er setzt aus vielen kleinen Mosaiksteinchen ein veritables Gesellschaftsportrait zusammen.

Jones erweist sich im ersten Drittel als erstaunlich schwarzhumoriger Erzähler, der das Leben im namenlosen Grenzstädtchen als Mischung aus Langeweile und unerfüllten Hoffnungen präsentiert. Mike (Barry Pepper), der Grenzwächter, der später Melquiades erschiessen wird, versieht seinen Dienst mit dem Pornoheft in der Hand, seine Frau, ein aufgedonnertes Blondchen, geht aus lauter Langeweile schon bald fremd, und Rachel (Mellisa Leo) treibt's mit der halben Stadt. In diesem Einstieg, der den Vergleich mit ganz Grossen wie Todd Solondz und Robert Altman nicht zu scheuen braucht, wird ein kleiner Mikrokosmos präsentiert, dessen traurig-komische Bewohner einen gleichzeitig anwidern und berühren.

Im Folgenden engt der Film seinen Fokus allerdings ein - auch die Narration wird nun linear - und konzentriert sich ganz auf Pete, der einem Racheengel gleicht, Mike kidnappt und ihn dazu zwingt, Melquiades Leiche wieder auszugraben. Verfolgt von der Polizei machen sie sich dann auf, um Melquiades - zum dritten Mal - in dessen Heimatort zu bestatten. Der Film erinnert hier in vielem an einen klassischen Western, und entsprechend konventionell kommt der Film nun auch daher: Zwei Männer und eine Leiche müssen irgendwie mit sich selbst und untereinander auskommen. Das ist nicht schlecht gemacht, ist aber auch nicht sonderlich originell und erreicht nie mehr die Schärfe und Präzision des Einstiegs.

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