Syriana - Interview
| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Drama, Thriller |
| Filmlänge: | 126min |
| Regie: | Stephen Gaghan |
| Kinostart: | 23.02.2006 |
| 22.02.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Robert Baer |
Diese Welt ist ganz anders, als man sie sich in Amerika vorstellt!
George Clooney erzählt von den Unterschieden zwischen der nahöstlichen Realität und unserer Vorstellung davon.
Cineman: Der Film beinhaltet eine sehr interessante politische Kernaussage. Geben solche Filme Ihnen eine grössere Befriedigung?
Clooney: Ich hatte schon immer ein Flair für solche Filme. Ich habe schon einige dieser Art gemacht - zum Beispiel «Three Kings» oder «Fail Safe» handelten bereits von politischen Prozessen. Mein Vater war ein kritischer Mann und meine Mutter eine Gemeinderätin - ich hatte also zwangsläufig schon immer damit zu tun. Ich denke, es gehört zu meinem Job, Filme zu machen, die Fragen aufwerfen. Danach sehe ich, wie darauf reagiert wird.
Cineman: Der Film ist sehr kompromisslos. Hat es Ihnen in Ihrem Verständnis geholfen, für einige Szenen vor Ort zu sein und zu drehen?
Clooney: Wir waren in Dubai während des Ramadans. In dieser Zeit wird weder gearbeitet noch am Tag gegessen oder getrunken. Das war sehr komplex und gut zu sehen. Das kann man sich als Westlicher gar nicht vorstellen. In Dubai hört und sieht man, wie ein Horn geblasen wird, die Leute aus dem Auto steigen und sich nach Mekka verbeugen. Diese Welt ist ganz anders, als man sie sich in Amerika vorstellt! Amerikaner können diesen religiösen Glauben nicht nachvollziehen. Bei uns gibt es das nicht, obwohl wir dies manchmal glauben. Eine solche Überzeugung existiert bei uns nicht.
Cineman: Ihre Charakterdarstellung war sehr überzeugend. Ihre schauspielerische Darstellung kam von Innen heraus und war sehr gedämpft, ruhig und gefühlvoll. Würden Sie dieser Beschreibung zustimmen?
Clooney: Ihrem Kompliment zustimmen? Natürlich! Meine Theorie in Sachen Schauspielerei ist, nicht zu versuchen, die Dinge zwanghaft einzufangen. Für mich funktioniert es auf eine ruhigere Weise. Ich liebe diese Rolle. Ich kenne Bob Baer, den richtigen Agenten, und verbrachte mit ihm viel Zeit. Er ist ein ziemlich komplexer und ruhiger Mensch.
[George Clooney wurde interviewt von Portmann Media]
«Der Film ist keine «Hure» wie die anderen Hollywoodfilme!»
Regisseur Stephen Gaghan über die Schwierigkeit, in Hollywood kompromisslose Projekte durchzusetzen.
Cineman: «Syriana» beinhaltet eine sehr kritische Aussage. Wie gefällt es Ihnen, für solche Filmprojekte das Drehbuch zu schreiben und dabei auch Regie zu führen?
Gaghan: Ich liebe kompromisslose Dinge. Man kann sich nicht vorstellen, wie schwierig es ist, ein kompromissloses Projekt wie dieses bei einem Studio umzusetzen zu können. Alles, was mehr wie ein Dollar kostet, ist schwierig durchzubringen. Es gibt Einwände und Druck von allen Seiten. Es ist Warner Bros. zu verdanken, dass dieser Film heraus kam. Der Film ist keine «Hure» wie die anderen Hollywoodfilme!
Cineman: Die Kompromisslosigkeit zeigt sich auch in der Auswahl der Schauspieler. Wie war es mit Schauspielern aus dem Osten und an östlichen Drehplätzen zu arbeiten?
Gaghan: Das Casting der Schauspieler aus dem Mittleren Osten war ziemlich schwierig. Wir waren in Bahrain, Damaskus, Alexandria, Kairo, Paris und London. Es war schwierig, ein Casting in einer Sprache durchzuführen, die man nicht spricht. Ich nahm viele Vorsprechen in Urdo (Amtssprache in Pakistan) entgegen. Ich versuchte zu verstehen, was gesagt wurde. Ich fand, dass ich den Sinn jeweils irgendwie verstand. Am Schluss meinte ich, ich würde wirklich Urdo sprechen. Natürlich täuschte ich mich! In verschieden Ländern mit unterschiedlichen Kulturen zu drehen ist nicht einfach - wie beispielsweise beim persischen Golf während des Ramadans. Man durfte am Tag weder trinken noch essen, zudem war es auch sehr heiss. Das sind keine alltäglichen Probleme.
Cineman: George erbrachte eine tolle Darstellung - sie war sehr gedämpft, gefühlvoll und kam von Innen heraus. Er kannte die psychologischen Eigenschaften seiner Rolle sehr gut. Was denken Sie, was Ihn für diese Oscar verdächtige Rolle inspirierte?
Gaghan: Ich finde, George besitzt eine tiefgründige Melancholie. Eine gewisse Traurigkeit, die man nicht vortäuschen kann. Diese Rolle lebt davon. Ich denke, Amerika befindet sich derzeit in einer nationalen Trauerstimmung. Einerseits denken wir, wir müssten das Richtige tun, andererseits fragen wir uns, ob wir das auch wirklich tun. Wir erzürnen so viele Menschen und unsere Politik polarisiert durch ihre Kompromisslosigkeit stark. Momentan stellen wir das Ganze in Frage und es herrscht eine grosse Trauer. Wir töteten so viele Mensch im Irak! Ich glaube, George trifft genau diese Stimmung.
[Stephen Gaghan wurde interviewt von Portmann Media]
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