| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Action, Crime, Thriller |
| Filmlänge: | 124min |
| Regie: | Frank Miller |
| Robert Rodriguez | |
| Quentin Tarantino | |
| Kinostart: | 18.08.2005 |
Benicio Del Toro über gutes Geschichtenerzählen
Ich glaube, schlussendlich wird eine gute Geschichte früher oder später Publikum anlocken. Und das ist eine gute Geschichte.
CINEMAN: Es gibt einige Gründe, weshalb der Film für Sie (alle) eine ziemlich spezielle Erfahrung gewesen sein dürfte. Spezielle Formen von Schauspielerei, eine spezielle Art von Film, bahnbrechende Technologien und in Rodriguez' Ranch zu sein: den Familien-Vibe ein wenig spüren. Was waren die entscheidenden Aspekte dieser Erfahrung für Sie?
DELTORO: Mit Robert zu arbeiten. In dieser Atmosphäre von Kreativität zu arbeiten, diese Atmosphäre die er am Set entstehen lässt. Das hat sehr viel Spass gemacht. Die vielen Kollaborationen, Tarantino, der für einen Tag vorbeischaute, oder eineinhalb oder zwei, ich weiss gar nicht bei wie viel Szenen er Regie mitgeführt hat. Man fühlt sich einfach wie ein Kind in einem Süsswarengeschäft. Das waren die entscheidenden Faktoren. Doch letztenendes macht man einen Film. Man muss das glaubwürdig hinkriegen und hofft, dass es gut ist. Aber schlussendlich macht man einfach einen Film.
CINEMAN: Bei einem solchen Film ist es interessant, dass man nur ein kleines Fenster an Möglichkeiten hat, in welchem man eine grosse Performance abliefern kann. Ich glaube, das heisst, man muss wirklich sein Bestes in einer kürzeren Zeit geben. Macht es einen Unterschied? Ist es wirklich schwierig, in so kurzer Zeit so ausdrucksvoll zu sein?
DELTORO: Ein Freund hat mir mal gesagt, dass die Besten Regisseure diejenigen sind, die mit sehr wenig arbeiten können und mit sehr viel. Das gleiche gilt, glaub ich, auch für Schauspieler. Ich habe etwas gemacht, dass ich gerne versuchen wollte. Wenn man es mit sehr wenig machen kann, kann man es auch mit sehr viel und Umgekehrt. Aber ich weiss es nicht. Es ist wie ein Sprint. Wenn man einen Sprint hinlegt, fokussiert man sich und tut’s einfach. Ich würde sagen, als Schauspieler ist es schwieriger, wenn man Träger des Filmes ist. Da gibt es viel mehr Löcher zu Flicken.
CINEMAN:Was meiner Meinung nach fantastisch war, ist, dass man beim Anschauen des Filmes das Gefühl hat, man lese eine Komik-Novelle. Sie haben die Essenz, von was es bedeutet, solche Vorstellungen zu haben, eingefangen. Als Sie den Film gesehen haben: Waren Sie beeindruckt davon, dass es so extrem ähnlich wie die Vorlage herauskam?
DELTORO: Ja. Und ich hab mich mit Robert getroffen und er hat mir ein Stück aus dem Film gezeigt, um Miramax und Frank Miller zu überzeugen. Als ich das sah, wusste ich, dass er etwas vor hat. Ziemlich toll ist, dass er das geschaffen hat, was er vor hatte zu verwirklichen. Und das ist schwierig. Eine Idee zu haben oder das Comicbuch vor sich zu haben und zu sagen; ich will es mehr oder weniger wie das Comicbuch und das Endprodukt dann genau den Nagel auf den Kopf trifft. Das ist ein Kompliment an ihn.
CINEMAN:Gut am Material ist, dass es eine Art Vorreiterrolle übernimmt. Es ist sehr durchdachter, anspruchsvoller Stoff. Das Publikum scheint bereit zu sein, für diese eher anspruchsvolle Art von Filmen. Was hat sich in den letzten Jahren getan, dass nun der Mainstream Filme wie Sin City akzeptiert?
DELTORO: Ich weiss nicht, ob das Mainstream ist aber die Leute wollen es sehen. Es ist ebenfalls ein Independent-Film. Ich glaube, schlussendlich wird eine gute Geschichte früher oder später Publikum anlocken. Und das ist eine gute Geschichte. Gutes Geschichteerzählen und eine gute Geschichte an sich sowie gute Geschichtenerzähler. Früher oder später wird eine gute Geschichte immer Publikum anziehen. Vielleicht nicht wenn er rauskommt. Es könnte Jahre brauchen. Aber ich glaube, dieser Film wird eine nachhaltige Wirkung haben. Aber abwarten, wir werden sehen.
CINEMAN:In den Filmen, die Sie gemacht haben, reichte es, zu sehen, was Sie dazu beigetragen haben, um den Film zu geniessen. Und die Filme sind dann so gut, es spielt gar keine Rolle mehr, ob das Publikum den Film mag oder nicht. Geniessen Sie das? Wählen Sie ihre Projekte so aus, dass das Prestige genug gross ist, um die Annerkennung des Publikums nicht zu brauchen?
DELTORO: Nicht, dass das nicht wichtig wäre. Aber ich hatte das Glück, mit vielen guten Regisseuren zusammenzuarbeiten aber schlussendlich kann alles auf die Ebene der Story heruntergebrochen werden. Wenn ich die Story originell oder interessant finde.... Eine gute Besetzung und ein guter Regisseur, sind einfach Zugaben zu etwas, was auch für sich alleine gut sein kann. Ich hatte bis jetzt Glück. Ich bin manchmal ein wenig wählerisch [mit meinen Rollen]. Was mich als altererstes interessiert ist die Story. Ausser natürlich, es handelt sich um einen Regisseur, den ich bereits verehre. Wenn Robert Rodriguez mich erneut anrufen würde, ich würde sofort zusagen, noch bevor ich überhaupt das Skript gelesen hätte. Weil ich mit ihm schon Erfahrungen gemacht habe. Oder auch bei anderen Regisseuren, die ich bewundere. Ansonsten ist es die Geschichte, die ich zunächst verstehen möchte.
[Benicio Del Toro wurde interviewt von Raya AbiRached]
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