Romance & Cigarettes - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Comedy, Musical, Romance |
| Filmlänge: | 115min |
| Regie: | John Turturro |
| Kinostart: | 27.07.2006 |
| 20.12.2006 (Romandie) | |
| Kamera: | Tom Stern |
Some Like It Not
John Turturros neuer Film ist ein Musical. Und trotzdem gibt es ein paar Gründe, warum man ihn gut finden darf. Kate Winslet ist nur einer von ihnen.
Hübsch ist schon die kleine Geschichte über die Entstehungsgeschichte des Films. Er habe damals, erzählt John Turturro, als er mit den Coen-Brüdern «Barton Fink» drehte und jenen gehemmten Schreiberling gab, der sich in Hollywood verdingt, nicht nur so tun wollen, als ringe er an seiner Hermes Baby um erste Sätze. Von wegen «Writer's Block»! Er, Turturro, habe richtig geschrieben, auf dem Set selbst mit «Romance & Cigarettes» begonnen; den Titel getippt und ein paar Szenen skizziert.
Viel mehr ist nie daraus geworden, fauchen böse Kritiker. Vor allem in den USA wird Turturros dritte Regie-Arbeit als Tortur verworfen. Platt sei der Plot, die Spannung fehle, der grosse Bogen auch und überhaupt. So etwas einem Film vorzuhalten, der ein Musical ist (oder wie Turturro sagt: eine «Working Class Opera»), ist etwa so daneben, wie von Marco Materazzi ein faires Tackling zu erwarten. Und abgesehen davon: War der Plot eines Musicals nicht immer blosser Vorwand für ein paar Nummern Schubidu und Trallala?
Also: Stahlbau-Monteur Nick (cool: James Gandolfini) betrügt seine Frau (müde: Susan Sarandon) mit einer Prostituierten (wow: Kate Winslet). Der Ehebruch fliegt auf, und Nick steht vor der Frage: lieber Sex oder zurück zur Ex? Und dann sind da noch die drei Töchter, die eine Rockband sein wollen, Steve Buscemi, der nur vom Vögeln träumt, und Christopher Walken tanzt wieder einmal; nicht ganz so völlig losgelöst wie einst bei Fatboy Slim, aber fast.
Aber «Romance %26 Cigarettes» ist mehr als Karaoke-Kino, Hans Tanz in allen Gassen (von Queens, wo Turturro aufwuchs) und eine Handvoll grossartiger Schauspieler in Retro-Klamotten, die sichtlich Spass haben an ihren Show-Einlagen. Man könnte fast meinen, John Turturro führe das Fühlen vor und seine Grenzen; will heissen, wie der Kanon der Populärkultur es prägt und überformt. Das geht zum Beispiel so: Eine Liebe zerbricht, die Eifersucht erwacht, «I Wonder Who's Kissing Her Now» steigt auf aus dem Unterbewusstsein des Verlassenen und ergreift wie unwillkürlich seine Stimme. Oder so: Kate Winslet winselt, Tränlein fliessen, und platsch! taucht sie ab - in Nick Caves «Little Water Song». Dies ist die simple Logik dieses liebevollen Singspiels und zugleich seine wahre Pointe: Grosse Gefühle suchen ihren ureigensten Ausdruck und finden doch immer nur fremde Töne - manchmal ein Gedicht, öfters einen Popsong. I like! [Stefan Gubser]
weitersagen


